LUXEMBURG
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Sega feiert 60 Jahre und blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück

Es ist schwer zu glauben, aber es gab einmal eine Zeit, in der Sega einer der größten Namen der Videospielwelt war. Auf Augenhöhe mit Nintendo gestalteten sie die Konsolenwelt der 16-Bit-Generation mit. Neben Mario dürfte Sonic eine der bekanntesten Figuren des Mediums sein. Sega feierte diese Woche am 3. Juni seinen 60. Geburtstag – Ein Blick in die ereignisreiche Geschichte:

Geradlinig und technisch innovativ

Das Kürzel steht für „Service Games“, ein Verweis auf die Vorgängerfirma, welche Unterhaltungsspiele auf amerikanischen Militärbasen ab den 1940er Jahren bieten sollte. In den 1960ern entwickelte das Unternehmen erste mechanische Spiele für die frühen Arcades. Als diese von Videospielen dominiert wurden, fand Sega seine wahre Bestimmung. Denn Arcade-Spiele sind bis heute ein wichtiges Element des Traditionsunternehmens. Den Anfang machten Arcade-Hits wie „After Burner“, „Hang-On“, „Out Run“, „Power Drift“, „Space Harrier“ und „Thunder Blade“. Spiele die sowohl in ihrem geradlinigen Design wie auch mit ihrer technischen Innovation überzeugen können. Selbst heute sind die Spiele interessant, besonders die aufwendigeren Varianten der Arcade-Automaten begeistern. Eine Variante des Motorradrennspiels „Hang-On“ ließ einen auf einem nachgebauten Motorrad Platz nehmen. Wer eine Kurve nehmen wollte, musste sein Körpergewicht verlagern, um das Motorrad kippen zu lassen.

Da ab Mitte der 1980er erste Zeichen darauf deuteten, dass das Arcade-Business nicht langfristig haltbar sei, ging Sega den gleichen Schritt wie Nintendo und entwickelte eine erste Konsole. Die SG-1000 (1983) blieb noch Japan-exklusiv, das daraus entstehende „Sega Master System“ (1985) dagegen wurde international veröffentlicht, als Konkurrenz zum „Nintendo Entertainment System“. Der Erfolg blieb spärlich, auch wenn in Südamerika und Europa eine gewisse Beliebtheit zu sehen war. Erst 1989 wurde mit dem Nachfolger, dem „Sega Mega Drive“ samt „Sonic The Hedgehog“ mächtig gepunktet. Nintendo hatte endlich einen Rivalen, der auf Augenhöhe mitspielte. Doch es sollte nicht von langer Dauer sein.

Neue Spieler, neuer Druck

Interne Querelen und neue Konkurrenz in Form von Sony sorgten dafür, dass die Nachfolgekonsole „Sega Saturn“ (1994) floppte. Der US-Start wurde mit Paukenschlag vorgezogen, um Vorsprung gegenüber von Sony zu haben, was zur Konsequenz hatte, dass die großen Ketten in den USA sich überrumpelt fühlten. Gepaart mit den Fehlentscheidungen, sich auf 2D-Grafik zu konzentrieren, wenn jeder nach 3D gierte, Spielhallenumsetzungen anstelle von Einzelspieler-Abenteuern zu produzieren und auf Teufel komm raus kein neues „Sonic“-Spiel zu veröffentlichen, war die Katastrophe perfekt.

Hastig wurde 1998 ein Nachfolger auf den Markt geworfen. Die „Sega Dreamcast“ sollte die Rettung für das Unternehmen sein und seine Position gegenüber der am Horizont lauernde Playstation 2 festigen. Der Start in den USA war ein Erfolg, technisch konnte das Gerät beeindrucken und doch scheiterte es an mehreren Fronten. Spieler wie Verkäufer waren verprellt, ihr Vertrauen in Sega geschädigt. Da kein nennenswerter Kopierschutz für die Spiele existierte, war Softwarepiraterie ebenfalls ein Problem. Und Entwickler wie Electronic Arts ignorierten die Konsole schlichtweg. Als die Playstation 2 im Jahr 2000 erschien und mit der Xbox 2002 auch Microsoft in den Markt drängen würde, stellte sich heraus, dass kein Platz mehr für Sega im Konsolenrennen übrig blieb. Das für Fans Unfassbare geschah: Sega zog sich 2001 aus dem Hardwaregeschäft raus und veröffentlichte Spiele auf den Geräten der Konkurrenz.

Wer glaubte, dass Sega eine triumphale Zeit in der Software-Welt erleben würde, lag falsch. Viel Schatten, wenig Licht folgte. Während man die Generation überbrückte indem man Dreamcast-Spiele portierte was das Zeug hielt, war schnell klar, dass Sega genau so viele Probleme mit der HD-Generation haben würde, wie die meisten japanischen Entwickler. Auf jedes hervorragende „Valkyria Chronicles“ oder „Yakuza“ kommen mehrere Totalsausfälle wie das „Sonic The Hedgehog“-Reboot, das „Golden Axe“-Reboot oder ein „Sonic Boom“.

Mittlerweile scheint sich der Trend wieder gedreht zu haben. Die „Yakuza“-Serie samt zahlreicher Spin-Offs erfreut sich einer großen Beliebtheit, durch die Integrierung von Atlus hat das Unternehmen einen riesigen Katalog geschätzter japanischer Rollenspiele und strategische Einkäufe wie Two Point Studios, die Macher hinter „Two Point Hospital“, zeigen ein gewisses Näschen für erfolgreiche Indie-Studios. Das „Mega Drive Mini“ war nicht der gigantische Erfolg der Minikonsolen von Nintendo und doch ein Highlight.