LUXEMBURG
SVEN WOHL

Die „Solistes Européens Luxembourg“ blicken auf 25 bewegte Jahre zurück

Vor 25 Jahren sah Europa noch ganz anders aus: Eine Mauer teilte Deutschland auf der Karte, Ideologien den Kontinent in den Köpfen. Doch genau in diesem politischen Klima wurden die „Solistes Européens Luxembourg“ (SEL) gegründet. Ein Ensemble, das zusammen mit Europa gewachsen ist und jede Hürde zu meistern wusste.

Kulturschock

Die Idee wirkt, aus heutiger Sicht, einfach: „Wir wollten ein professionelles Kammerorchester gründen, mit Musikern aus Ost- und West-Europa“, erklärt Eugène Prim, der Direktor der SEL, im „Journal“-Interview. Doch in der Ausführung verstecken sich laut Prim noch mehr Besonderheiten: „Heute haben wir immer noch ein 50/50 Verhältnis zwischen den Musikern aus den alten und neuen EU-Ländern. Das ist einzigartig in Europa! Einzigartig ist auch, dass diese aus professionellen Orchestern kommen und auf einem hohen Niveau musizieren.“

Der Erfolg gab ihnen zunächst Recht, doch Herausforderungen blieben nicht aus. 2005 begann eine existenzielle Krise: „Als die Philharmonie eröffnet wurde, erlebten wir einen regelrechten Kulturschock. Darauf waren wir nicht gefasst!“, erklärte Prim. Bis dahin gab es vielleicht zwei klassische Konzerte die Woche, doch damit sprang die Zahl auf fünf, wobei diese mit dem besten aus Europa oder der Welt aufzuwarten hatten. „Dieser Herausforderung waren wir nicht gewachsen und es gab bei den Zuhörerzahlen einen radikalen Einbruch“, fasste Prim die Situation zusammen.

Musikalische Provokation

Ein schnelles Umdenken war erforderlich. Ein Umdenken, das leider nicht vom bisherigen Leiter Jack Martin Händler mitgetragen wurde. Als er von Christoph König ersetzt wurde, konnte man neue Wege gehen, die auch wieder für bessere Zuschauerzahlen sorgten. „Wir wollen ein wenig mit unserem Programm provozieren“, fasste Prim die aktuelle Devise zusammen und verweist dabei auf deren Richard Wagner Zyklus des vergangenen Jahres, der ganz ohne Richard Wagner auskam und auf dessen Antipoden setzte.

Damit konnte sich das Ensemble wieder profilieren und mehr Zuschauer anziehen. In Zeiten der Finanzkrise, wo auch Sponsoren wegblieben, gestellt sich die Leitung natürlich wieder schwieriger, auch wenn sich die Lage entspannt hat, und einige Sponsoren wieder mit an Bord sind. Auch die Umstellung der FOCUNA sorge für einige Kopfschmerzen und Umstellungen, die man sicherlich noch meistert.