ESCH/ALZETTE
SIMONE MOLITOR

„Salon International d’Art Contemporain d’Esch/Alzette“: Nicolas Goetzinger in Plauderlaune

Bereits zum neunten Mal wird ab diesem Samstag der „Salon International d’Art Contemporain d’Esch/Alzette“ organisiert, wofür der „Cercle Artistique d’Esch“ (CAd’Esch) und die „Amicale des Anciens du Laminoir Train VII AEB“ verantwortlich zeichnen. „Der ,Salon d’Art‘ wurde seinerzeit auf Initiative der ‚Amicale Train VII‘ ins Leben gerufen“, erklärt uns deren Präsident Nicolas Goetzinger. „Ein paar Jahre zuvor war bereits der ,Cercle Artistique‘ gegründet worden, wo ich auch gleich Mitglied war und heute übrigens Vizepräsident, Sekretär und Schatzmeister. Inzwischen greift alles ein bisschen ineinander über“, lacht Goetzinger, bevor er weiter auf die Anfänge der Kunstveranstaltung eingeht. „Wie gesagt, die Idee stammt tatsächlich von der ,Amicale‘. Wir haben damals viele andere große Veranstaltungen organisiert, etwa Weinfeste mit Konzerten. Es ging uns dann darum, einfach mal ein bisschen was anderes zu machen. Da ich selbst Künstler bin, mittlerweile seit 65 Jahren, und die Szene kenne, habe ich vorgeschlagen, etwas Größeres im Kunstbereich auf die Beine zu stellen. In Esch gab es damals nichts Vergleichbares“, erinnert sich der heute 82-Jährige.

Alle anfänglichen Bedenken waren unbegründet

Mit gewissen Bedenken sei das Ganze schon verbunden gewesen, gibt Goetzinger zu: „Man weiß ja nie, ob so etwas tatsächlich ankommt und ob es finanziell überhaupt tragbar ist“. Wie sich schnell herausstellte, waren diese Sorgen unbegründet, denn „der Erfolg war gleich riesig“. Da in Esch kein passender Saal gefunden wurde, wich man auf Belval aus. „In dem großen roten Bank-Gebäude stießen wir auf Interesse. Uns wurde die imposante Eingangshalle zur Verfügung gestellt, was natürlich toll war“, erzählt Goetzinger. Nach dem Erfolg der ersten Auflage war klar, dass weitere folgen würden. „Allerdings waren unsere Erwartungen nicht zu hoch, weil wir uns der Tatsache bewusst waren, dass beim ersten Mal immer viele Leute aus Neugierde kommen. Ob sich ein solcher ,Salon‘ tatsächlich langfristig etablieren kann, stellt sich stets erst bei nachfolgenden Auflagen heraus“, weiß er.

Der Erfolg hielt aber tatsächlich an, dafür gab es nach drei Jahren ein anderes Problem: Eine neue Bankdirektion, die sich nur noch aufs Bankgeschäft konzentrieren wollte. „Diese Information kam zu einem Zeitpunkt, als wir den nächsten ,Salon d’Art‘ schon fast komplett vorbereitet hatten. Deshalb kam auch nicht in Frage, diese Ausgabe ausfallen zu lassen“, bemerkt der Präsident der „Amicale“. Bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten erwies sich die Gemeinde als zuverlässiger Partner. Sie ebnete den Weg ins Escher Theater, wo sogar das Programm umgeändert wurde, um Platz für das Kunstevent zu schaffen. „Heute sind wir sehr froh, im Theater zu sein, auch wenn dort weniger Platz zur Verfügung steht und wir nicht mehr so viele Werke ausstellen können. Der Vorteil ist aber, dass wir von der Laufkundschaft in der Alzettestraße profitieren. Inzwischen ist es so, dass zwar weniger Leute zur Vernissage kommen, dafür aber deutlich mehr an allen anderen Tagen. In Belval war es genau umgekehrt“, gibt Goetzinger zu bedenken.

Niveau stieg mit der Zeit - immer mehr Bewerbungen

Das Niveau der Ausstellung sei über die Jahre immer höher geworden, erfahren wir. „Am Anfang hatten wir vielleicht einen Künstler, der besonders hervorstach, oder haben versucht, namhafte Leute einzuladen. Inzwischen müssen wir Absagen erteilen, sogar Künstlern, die wir früher mit Kusshand genommen haben. Zwischen 70 und 100 Bewerbungen erreichen uns jedes Jahr. Eine Jury muss die Auswahl treffen. Das ist eine schwere Aufgabe, und ich bin froh, dass ich damit nichts zu tun habe. Die Qualität steht selbstverständlich an oberster Stelle“, betont Goetzinger. Nicht ohne Stolz erzählt er, dass in diesem Jahr sogar ein Fotograf aus Südkorea - Junyoung Park heißt er - dabei ist, „der wirklich fantastische Bilder macht, alles Großformate“. Dies ist wohl der beste Beweis dafür, dass der „Salon International d’Art Contemporain d’Esch/Alzette“ längst über die Grenzen hinaus an Bekanntheit gewonnen hat.

Was erwartet uns noch bei dieser neunten Auflage? „35 Künstler, davon 27 Maler, die zusammen 69 Bilder ausstellen, und elf Bildhauer, die 30 Skulpturen zeigen. Drei Künstler zeigen Bilder und Skulpturen. Sieben Nationalitäten sind vertreten. Der Verkaufswert aller ausgestellten Werke beläuft sich auf über 121.000 Euro“, fasst
Goetzinger zusammen. Neben all seinen anderen Tätigkeiten ist er übrigens auch noch Präsident des Organisationskomitees, dies zusammen mit Tilly Richard-Drui im Duo, die wiederum außerdem den Vorsitz des CAd’Esch innehat. „Ich sagte doch, dass alles ein bisschen ineinander übergeht“, sagt unser Gesprächspartner und lacht.

Mehr Preiskategorien, darunter der „Grand Prix jeune artiste“

„Ich sage zwar immer, dass man etwas Bewährtes nicht ändern soll, man kann es aber durchaus noch etwas besser machen. So haben wir uns letztes Jahr beispielsweise entschieden, jungen Künstlern mehr Möglichkeiten zu bieten und die Preiskategorie ,jeune artiste‘ für Künstler bis 30 Jahre eingeführt. Am Anfang gab es übrigens keine Preisgelder, sondern nur ein Diplom. Dann kam der mit 1.000 Euro dotierte ,Grand prix de la ville d’Esch‘ und danach weitere Preise wie der ,Coup de coeur du jury‘ oder der Publikumspreis“, berichtet Goetzinger. Auch diesmal können wieder ganz unterschiedliche Werke aus ganz unterschiedlichem Material bestaunt werden. „Glas, Eisen, Stahl, Bronze, Keramik, Textilmix, Öl, Acryl, Mixtechniken, Fotos“, listet der 82-Jährige auf und fügt hinzu, dass genau diese stilistische Vielfalt den Erfolg des „Salon d’Art“ ausmache. „Jeder entdeckt etwas, was ihm gefällt“, ist er sich sicher.

Da im nächsten Jahr die zehnte Ausgabe ansteht und die „Amicale Train VII“ noch dazu ihr 40. Jubiläum feiert, erwartet die Besucher ein besonderer „Salon d’Art“. „Wir laden alle bisherigen Gewinner des ,Grand Prix‘ ein“, verrät Goetzinger. Die ersten Vorbereitungen laufen bereits. Und wenn sich nun die Möglichkeit bieten würde, in großzügigere Räumlichkeiten umzuziehen? „Wenn sich diese Gelegenheit in Esch ergeben würde, genauso zentral gelegen, dafür aber größer, würden wir das Angebot nicht ausschlagen. Im Theater sind wir aber eigentlich ganz glücklich, weil wir viele Vorteile haben und sehr vom Team unterstützt werden. Esch zu verlassen, kommt jedenfalls nicht in Frage“, antwortet Goetzinger.

Die Ausstellung öffnet am 9. Februar um 17.00 (Vernissage um 18.30). Bis zum 1. März kann der „Salon“ dann jeweils von dienstags bis samstags zwischen 14.00 und 18.00 in der „Galerie d’art“ im Escher Theater besucht werden. Weitere Infos unter www.salonartesch.lu