LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Neue Kletterhalle „Redrock Climbing Center“ bietet drei olympische Kletterdisziplinen

In einer Halle 10.000 Kettengriffe, 100 Routen auf 50 Linien und drei olympische Disziplinen: Gilbert Schneider will den Kletterfans aus Luxemburg einiges bieten und nicht nur mit einer kürzeren Anfahrt als in die nächsten Kletterhallen nach Arlon oder Trier überzeugen. „Wir versuchen alles in Luxemburg zu toppen“, sagt der siebenfache Landesmeister. Das gilt auch für die Höhe der Wände: Auch mit 12 Metern Überhangwand zum Klettern und einer 4,50 Meter hohen Boulderwand soll die Konkurrenz auf die Plätze verwiesen werden. Schneider klettert seit 44 Jahren, seitdem er zwölf ist. Was ihn am Klettern fasziniert, ist weniger der Adrenalinkick, sondern das Unmittelbare: „Das Feedback ist spontan, machst Du einen Fehler, hängst Du im Seil.“ Seit 20 Jahren versucht er, den Traum von der eigenen Kletterhalle zu verwirklichen. Und nun, mit vier Partnern, zwei Angestellten und einigen Freischaffenden stehen die Zeichen für die „Klotertuerm S.A.“ auf Verwirklichung: Am 1. September wird das „Redrock Climbing Center“ bei Zolwer eröffnet.

Vorher aber mussten sich Kletterer und Monteure in der Halle noch gegenseitig die Kettengriffe in die Hand geben. Denn wo die einen die Kletterwände hochziehen, steigen die anderen mit Gurt, Seil und Schraubenzieher in die Höhe: Den Weg müssen sie erst noch selbst an die Wand schrauben. Die Kletterwände selbst werden von „Art Rock“, einer spezialisierten Firma für Kletterwände aus Tirol, aufgebaut, welche auch die Kletterhallen in der Coque, Trier und Düdelingen mitgebaut hat.

Neue Routen im laufenden Betrieb

Die neue Halle bietet die drei olympischen Kletterdisziplinen: Vorstieg, also Leadklettern am Seil und mit Partner am Boden, Speedklettern auf Zeit und Bouldern - hier wird ohne Seil in Absprunghöhe geklettert. Leadklettern und Bouldern können Sportbegeisterte auch in der Coque oder in Arlon, aber zum Speedklettern hat man erst in Darmstadt die Möglichkeit. Die Routen stellt das Team zusammen. „Die Route macht man nach Gespür, wenn man oben ist, je mehr Klettererfahrung, desto besser.“ Einige Kletterlehrer stehen ihnen dabei als Freischaffende zur Seite. „Man kennt sich in der Kletterszene und weiß, der oder die kann das“, sagt Gilbert. Allein für das Speedklettern gibt es feste Vorgaben, ansonsten können die Routen für das Bouldern und den Lead vom Team selbst gebaut und geschraubt werden. Pro Woche soll es im laufenden Betrieb vier bis fünf neue Routen für die Kletterfans geben.

Und von denen könnte es noch viel mehr geben, denn im Vergleich zu anderen Sportarten bietet Klettern zwei große Vorteile. „Der Reiz ist, dass man bis ins hohe Alter klettern kann und dass man diesen Sport mit Partnern ausüben kann, die ein ganz anders Niveau haben.“ Also ist an der Kletterwand kein verhindertes Team zu Gange wie etwa beim Joggen oder Radfahren, wenn sich der Untrainierte abstrampelt und es dem Fitten nicht schnell genug geht. „Der andere muss nur sichern, dann wird gewechselt und er klettert in seinem Tempo.“ Ein Sport, der auch generationsübergreifend klappt. Gute Basis ist eine leichte, nicht zu kleine Gestalt. „Und dicke Arme, wer bouldern will“, sagt Schneider. „Ich klettere nur Lead, Bouldern ist brutal, sehr explosiv und dynamisch, aber wir haben Spezialisten für alles.“

Die Kosten für die Halle betragen 2,2 Millionen Euro, einen Teil davon realisieren die fünf Partner, allesamt ehemalige oder weiterhin Staatsbeamte, im Eigenteil und über einen Kredit. „Wir haben mit zwei Millionen geplant und hoffen jetzt, dass es nicht noch teurer wird“, sagt Schneider. Für das Grundstück müssen sie allerdings nichts bezahlen. Die Gemeinde stellt es auf 30 Jahre - im Gegenzug sollen die Kletterexperten einmal pro Schulwoche kostenlose Kletterkurse für Grundschüler und zehn Prozent Rabatt für minderjährige Kletterfans der Gemeinde bieten.

„Red Rock Climbing Center“ öffnet am 1. September in der Rue Jean Anen in Zolwer, am 15. September findet ein Tag der offenen Tür statt. Weitere Informationen unter redrock-climbingcenter.lu