LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Hat der Schreinerberuf ein Imageproblem?

Werden die Jugendlichen in Luxemburg dazu angeregt, ein Handwerk zu erlernen? Den Eindruck erwecken die Statistiken der letzten Jahre nicht. Das bestätigt uns auch die Handwerkskammer (siehe Infokasten). Ben Schmit hat die Ausbildung zum Schreiner abgeschlossen und bedauert das schlechte Ansehen des Berufs. Junge luxemburgische Schreiner wie ihn gibt es heute kaum noch.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Schreiner zu werden?

Ben Schmit: Als ich auf 9e war, konnten wir an einem Holzworkshop teilnehmen, und das hat mir damals schon sehr viel Spaß gemacht. Mein Onkel ist zudem Hobbyschreiner und konnte mich in die Grundlagen einführen. Für mich stand fest, dass ich nicht den ganzen Tag in einem Büro sitzen möchte. Koch, Konditor und Schreiner waren die Optionen, die ich vor Augen hatte und nach der 11e habe ich mich dazu entschlossen, meine Schulausbildung nicht fortzusetzen. Nicht, dass sie mir Probleme bereitet hätte, sondern einfach, weil ich andere Ziele hatte. Ich informierte mich also, wo ich in Luxemburg das Handwerk des Schreiners erlernen könnte. Im Lycée Technique du centre (LTC) war das aufgrund einer zu geringen Nachfrage nicht mehr möglich und im „Lycée Emile Metz“ hätte ich keine Dualausbildung machen können. Außerdem hatte uns eine Angestellte des „Emile Metz“ angerufen: Sie erklärte meiner Mutter, sie könne es absolut nicht nachvollziehen, warum ich das machen möchte und ich sei doch viel zu intelligent dafür. Mich hat das natürlich abgeschreckt. Ich hatte erwartet, dass man sich über mein Interesse an der Ausbildung freut. Ich bin mit 17 Jahren schließlich nach Köln in die Ausbildung gegangen und habe festgestellt, dass dort eine ganz andere Einstellung dem Handwerk gegenüber herrscht. Immerhin gibt es allein in Köln über 300 Schreinerbetriebe.

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Berufswahl reagiert?

Schmit: Es war keine leichte Entscheidung für mich und meine Familie. Immerhin wird dir als Jugendlicher überall eingetrichtert, du solltest auf jeden Fall das Abitur machen, wenn du das Zeug dazu hast. Dabei ist das in meinen Augen eine falsche Überlegung. Ein Handwerk ist nicht zwangsläufig schlechter oder weniger komplex als ein akademischer Beruf. Gerade der Beruf als Schreiner ist nicht ohne. Man muss viele Überlegungen anstellen, viel rechnen und sich mit Winkeln auskennen. Man muss sich die Arbeit einteilen können und mit so wenig Verschnitt wie nur möglich auskommen.

In der Schule wurde das Handwerk selten positiv dargestellt - wenn das Thema denn überhaupt einmal angeschnitten wurde. Das finde ich sehr schade. Die Berufsauswahl sollte nach den eigenen Interessen ausgerichtet werden, anstatt dass unbedingt das beste Diplom angestrebt werden soll. Viele trauen sich deshalb vielleicht gar nicht mehr, ein Handwerk zu erlernen. Wir denken in Stufen von oben nach unten. Wenn du für das eine nicht gut genug bist, machst du eben das nächstbeste und immer so weiter.

Jetzt nach meiner Ausbildung stelle ich aber zum Glück fest, dass meine Freunde und meine Familie beeindruckt darüber sind, was ein Schreiner alles bewerkstelligen kann und ich wurde auch schon häufig dafür beneidet, den Schritt gewagt zu haben.

Wie geht es für Dich weiter?

Schmit: Ab März nächsten Jahres werde ich auf die Walz gehen. Das ist eine jahrhundertealte Tradition und war vom Spätmittelalter bis zum Beginn der Industrialisierung Voraussetzung, um für die Meisterprüfung zugelassen zu werden. Heute halten nur noch weniger als ein Prozent der Handwerker an diesem Brauch fest. Das Ganze läuft so ab, dass ich in der traditionellen Handwerkerkluft drei Jahre lang auf Wanderschaft gehe. Ich trage dabei einen großen Hut und einen Wanderstab, darf nur sehr wenig Gepäck mitnehmen und innerhalb dieser Zeit auch nicht nach Hause zurückkehren. Ferner darf ich weder Geld für die Übernachtungen, noch für die Weiterreise ausgeben. Ich reise also per Anhalter durch Europa und frage spontan bei Schreinerbetrieben nach, ob ich ein paar Wochen oder Monate bei ihnen arbeiten darf. Im Idealfall kann ich dort auch unterkommen.

Was ich nach der Walz machen werde, weiß ich noch nicht sicher. Das will ich auf meiner Reise herausfinden. Sie gibt mir die Möglichkeit, mir in Ruhe Gedanken darüber zu machen. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, mich einmal selbstständig zu machen.