LUXEMBURG
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Reduziert wegen Corona: Die 91. „Stater Braderie“ wird nicht in guter Erinnerung bleiben

Dass die 91. „Stater Braderie“ im Corona-Jahr 2020 in reduziertem Format stattfinden würde, war bekannt. Nur 217 exklusiv hauptstädtische Händler durften diesmal ihre Stände aufbauen - manche hatten das bereits am Wochenende getan. Vereine, die oftmals mit Grill- und Waffelständen dabei waren, durften diesmal nicht mitmachen. Die Ausgabe von Essen und Getränken war nicht möglich. Hier wurden die Besucher auf die rund 150 Cafés, Restaurants und Teesalons verwiesen, die im Perimeter der Braderie zu finden waren. Lediglich auf dem „Knuedler“ gab es ein kleines „Food Village“, in dem speziell für den Sommerschlussverkauf „Take away“ zubereitet wurde.

Wie in den Restaurants und Kneipen auch gab es an diesen Essensständen Schilder für Eintritt und Ausgang und Plakate mit der Erinnerung an Maskenpflicht und andere Barrieregesten gegen Covid-19 sowieso. Wie innerhalb der Geschäfte auch achteten die Verkäufer an den Ständen darauf, dass nicht zu viele Kunden auf einmal gedrängt stehen müssen.

„Das nervt alles“, seufzt eine Kundin, „aber ich komme trotzdem wie jedes Jahr her, um Kleidung für den Herbst zu kaufen. Und in diesem Jahr erst recht, denn es geht mir auch darum, die Geschäftswelt zu unterstützen“. Eine andere hat kein Problem mit den Einschränkungen, die es mittlerweile ja überall gebe, „ich bedauere nur die Verkäufer, die hier den ganzen Tag mit Maske und so stehen müssen“. Gleich nebenan beraten sich zwei Damen über den Service, den sie auf ihrer Shoppingtour erhielten. Einkaufen sei komplizierter dieses Jahr, aber die Verkäufer würden versuchen, das beste aus der Situation zu machen.

Lëtzebuerger Journal

Licht und Schatten

Die Lage sei aber bedrückend, sagen mehrere Händler. Die Verluste aus dem „Confinement“ seien nicht mehr aufzuholen und die staatlichen Beihilfen unzureichend, respektive flößen sie nicht schnell genug. Die nächsten Monate würden noch sehr hart, auch wenn es ein ordentliches Weihnachtsgeschäft gebe, worauf man doch sehr hoffe.

Etwas Unmut gibt es auch über das Verbot von Essen und Getränken. Dabei sei man doch an der frischen Luft. Weshalb die Supermärkte vor den Toren der Stadt im geschlossenen Raum Essensstände betreiben dürften, aber die Händler aus der Hauptstadt nicht?

Trotzdem sind die meisten froh, dass die  traditionelle Braderie am Kirmesmontag in diesem Jahr überhaupt stattfinden kann und auch über alle anderen Veranstaltungen, die wieder Leben in die Hauptstadt bringen. In der Oberstadt war gestern Mittag jedenfalls ordentlich etwas los. Trotz etwas kühlen Wetters mit Regenrisiko waren die Terrassen der Restaurants gut besucht und vele ließen sich es auch nicht nehmen, durch das reichhaltige Angebot an Kleidern, Schuhen, Kosmetik und vielen anderen Dingen zu stöbern.

Lëtzebuerger Journal

Gemischte Stimmung

Im Bahnhofsviertel war die Stimmung ruhig, wenn nicht gelassen. Während der Andrang nicht mit dem Interesse aus den vergangenen Jahren mithalten kann, haben sich trotzdem viele in die Läden und vor die Stände getraut. Die Verkäufer gaben sich zweckoptimistisch. Bei einem Schuhgeschäft erklärte man uns, dass die Stimmung bei den Kunden gemischt sei. Dennoch wäre von Zurückhaltung wenig zu spüren und viele würden immer noch Schuhe anstandslos anprobieren. Man merke jedoch, dass die Geschäfte nicht so weit mit ihren Ständen rausgehen, wie das normalerweise der Fall ist.

Tatsächlich verzichtete man bei der diesjährigen Braderie auf eine Vollsperrung der Avenue de la Gare. Im Minutentakt brausen die Busse in beide Richtungen durch die Stadt. Die Geschäftsführerin eines Kleiderladens stört das wesentlich mehr als die Pandemie. Auch wenn diese die Kauflust und den Andrang hemmen würde, wären es vor allem die Busse, die die Lust aufs Schlendern eindämmen. An einem anderen Stand meinte indes der Verkäufer, dass man nach dem ruhigen Morgen hoffe, dass mehr Menschen noch den Geschäften einen Besuch abstatten würden. Allgemein war jedoch klar: Welche Erwartungen man sich als Geschäftsmensch in der aktuellen Situation machen sollte, wusste niemand.