TOKIO/LUXEMBURG
MARCO MENG

Gipfeltreffen Japan-EU: Gegenseitige Investitionen sind eingebrochen

Die Europäische Union (EU) und Japan sind gestern in Tokio zu Gesprächen über eine Stärkung ihrer Partnerschaft zusammengekommen. Eines der Themen, wie die Nachrichtenagentur DPA meldete, war ein geplantes Freihandelsabkommen, über das beide Seiten seit März 2013 verhandeln. Zur Frage, wann es eine Einigung geben könnte, sagte die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström: „Wir müssen ehrgeizig hinsichtlich der Substanz wie des Timings sein. Wir brauchen ein Abkommen, das funktioniert.“

Von dem Abkommen versprechen sich beide Seiten einen Wirtschaftszuwachs. Japans Bedeutung als Handelspartner der Europäischen Union hat nach Zahlen des EU-Statistikamts in den letzten Jahren deutlich nachgelassen: Während das Kaiserreich im Jahr 2004 noch zu den fünf wichtigsten Handelspartnern der EU gehörte, stand das Land 2014 mit einem Anteil von gut drei Prozent am Gesamtwarenverkehr der EU mit der übrigen Welt an siebter Stelle.

EU-Überschuss bei Dienstleistungen

Derweil konnte die EU ihre Exporte nach Fernost steigern. Nach der Delle im Jahr 2009 erholten sich die Warenimporte der EU aus Japan bis 2011, gingen danach stetig zurück und wiesen 2014 einen Wert mit 54,6 Milliarden Euro den niedrigsten in den letzten zehn Jahren auf. Die Exporte der Union nach Japan stiegen konträr dazu und erreichten 2012 einen Spitzenwert von 55,7 Milliarden Euro. Das Handelsbilanzdefizit der EU mit Japan, das zuvor stets mehr als 20 Milliarden Euro betragen hatte ist demzufolge in den vergangenen drei Jahren deutlich zurückgegangen und hatte vorigen Jahr nur 1,3 Milliarden Euro betragen.

Direktinvestitionen eingeknickt

Während die EU-Ausfuhren von Dienstleistungen nach Japan leicht stiegen - am deutlichsten davon Finanzdienstleistungen - und deren Importe nahezu stabil blieben, sprechen die Zahlen der gegenseitigen Direktinvestitionen eine deutlich negative Sprache: Während EU-Investoren letztes 18,9 Milliarden aus Japan abzogen, sind auch Investitionen japanischer Unternehmen in der EU nahezu zum Erliegen gekommen: 2014 betrugen sie nur 22 Millionen Euro gegenüber Milliardenbeträgen in den Jahren davor.