LUXEMBURG
OTM/LJ

Luxemburger setzen vor Ort auf Hilfe zur Selbsthilfe

Seit dem Orkan Matthew im Oktober 2016 herrschen in weiten Teilen Haitis katastrophale Zustände. Drei ehrenamtliche Mitarbeiter der luxemburgischen ONG „Objectifs Tier Monde - Haiti“ (OTM) haben die Allerheiligenferien dazu genutzt, um die haitianische Bevölkerung tatkräftig zu unterstützen. Zurück in Luxemburg lassen sie ihre Eindrücke Revue passieren und teilen sie mit den anderen Mitarbeitern der ONG, beziehungsweise berichten, was sie erreicht haben.

Müde aber hochzufrieden zeigt Dan Kayser seinen Kollegen die Fotos von seiner Haiti-Reise. Ab und zu kann er ein Gähnen nicht mehr unterdrücken. „Ich leide noch am doppelten Jetlag“, sagt er mit einem Lächeln. „Der erste trifft einen, wenn man in Port-au-Prince ankommt, wegen der Zeitverschiebung ist es da ja sechs Stunden früher als bei uns. Und der zweite kommt direkt, wenn man wieder in Luxemburg gelandet ist.“

Keine Zeit verlieren

Ausruhen konnte er sich nicht in Haiti, denn Dan Kayser und seine ehrenamtlichen Kollegen verlieren vor Ort keine Zeit. Es gibt viel zu tun - mehr, als in einer Woche zu bewältigen ist. Dieses Mal hatten die drei OTM-Mitarbeiter eine sechzig Kilo schwere Pumpe im Gepäck. „Das war schon eine Schlepperei“, schmunzelt der gelernte Schlossermeister. „Ohne entsprechende Nachweise bekommt man so etwas ja heute gar nicht mehr ins Flugzeug. Aber die Pumpe wird in Haiti dringend gebraucht. Matthew hat viele Trinkwasseranlagen komplett verwüstet. Wenn man da nicht sofort eingreift, kommt es zu einer Choleraepidemie“, gibt er zu bedenken.

Eine Spur der Verwüstung

Orkan Matthew hat im Oktober dieses Jahres in Haiti eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Mehr als 300 Menschen wurden getötet, Häuser zerstört, die Ernten auf den Feldern komplett vernichtet. „Im Moment ist es etwas gefährlich vor Ort, da muss man schon aufpassen. Es ist viel kaputt, die Menschen leiden Hunger“, erzählt Kayser. Auch die Strom- und Wasserversorgung, die wichtigsten Projekte von OTM vor Ort, wurden schwer beschädigt. Die Luxemburger Ehrenamtlichen zögern nie lange, wenn es darum geht, Hilfe zu leisten, und so saßen sie einen knappen Monat nach der Naturkatastrophe schon im Flugzeug, um in dem kleinen Bergdorf Café Lompré den Trinkwasserbrunnen zu reparieren. „Das hat richtig gut geklappt“, strahlt Kayser. „Unsere Partner und Ingenieure vor Ort haben von unserer letzten Schulung richtig viel mitgenommen. Dieses Mal mussten wir kaum Anweisungen geben, sondern haben nur ab und zu noch etwas erklärt“, fügt er hinzu. Das wichtigste Anliegen von OTM ist es, den Haitianer Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, damit die Menschen nach und nach wieder auf eigenen Beinen stehen und unabhängig von Hilfsorganisationen existieren können. Die Ehrenamtlichen sind von dem eisernen Willen und der Lernbereitschaft der Haitianer schwer beeindruckt. „Das ist enorm motivierend“, meint Kayser, „nächstes Mal kann ich ihnen direkt etwas Neues vermitteln, und die Ingenieure und Arbeiter werden das bei nächster Gelegenheit auch gleich umsetzen. Und so wird alles Schritt für Schritt ein bisschen besser.“

Umsetzung der Katastrophenhilfe

An diesem Abend werden in der OTM-Zentrale in der Rue Aldophe Fischer aber nicht nur Fotos gezeigt. Das Komitee bespricht die Umsetzung der Katastrophenhilfe. Momentan ist der luxemburgische Lehrer Paul Hoffmann in Haiti, um die Verteilung des Baumaterials an die Familien zu begleiten. Die Luxemburger Bevölkerung hat schnell auf den Spendenaufruf von OTM reagiert, aber immer noch fehlt es an allen Ecken, um nachhaltig helfen zu können und Entwicklung zu fördern. Aufgeben kommt aber nicht in Frage, und kurze Zeit nach der Budgetbesprechung diskutieren alle Beteiligten auch schon über den Ablauf des Benefizkonzerts, das am 3. Dezember auf der Place Clairfontaine geplant ist. Mit den Spenden, so hoffen sie, wird man die Schulkantinen unterstützen und das Stromnetz ausbauen können. Die ONG lädt Luxemburger Bands ein, für einen guten Zweck auf der Bühne zu spielen. Oder auch sonst mit anzupacken, jeder Helfer ist willkommen.

Dan Kayser will heute Abend nicht mehr übers Reisen sprechen. Für ihn hat einen Tag nach dem Rückflug wieder der Alltag in Luxemburg angefangen. Aber die Erschöpfung hält nie lange an und weicht schnell wieder dem Tatendrang. „Es gibt noch so viel zu reparieren. Und wenn man sieht, wie sich dieses Land trotz aller Widrigkeiten entwickelt, dann weiß man auch, dass jede Anstrengung, die man geleistet hat, es absolut wert war“, bemerkt er.

ÜBER OTM-HAITI

ÜBER OTM-HAITI

„Objectif Tiers Monde“ entstand 1975 aus dem solidarischen Engagement von luxemburgischen Pfadfindern. Seit 1985 konzentriert sich die Arbeit auf Haiti und die Entwicklung der ländlichen Regionen. Durch Strom- und Trinkwasserprojekte sowie Projekte im Bereich Schulen und Ausbildung verhilft OTM den Menschen in den ländlichen Gebieten Haitis zu einer Verbesserung ihrer Lebensumstände und einer nachhaltigen Entwicklung.

Die ONG ist dankbar für jedes ehrenamtliche Engagement, sei es die fachliche Unterstützung der Projekte oder einfach Hilfe beim Kerzenverkauf auf dem Weihnachtsmarkt. Auch Spenden sind willkommen, um die Projekte in Haiti weiterzuentwickeln: CCPLLULL IBAN LU22 1111 0468 7726 0000
http://www.otm.lu/