LUXEMBURG
JAN SÖFJER

Vor 25 Jahren hat die die US-Band Machine Head eines der einflussreichsten Metal-Albender 90er Jahre veröffentlicht - Am Sonntag spielte sie es in Luxemburg

Am 10. Oktober 1993 hätte alles vorbei sein können, bevor es begonnen hat. Die Band Machine Head unterzeichnete bei Roadrunner Records den Vertrag für ihr Debutalbum „Burn my Eyes“. Es sollte zu einem der einflussreichsten Heavy Metal-Alben der 90er Jahre werden. Leadsänger Robert Flynn wollte in dieser Nacht feiern – oder das, was er damals darunter verstand. Nach einer langen Nacht des Trinkens landete Flynn mit einem Kumpel bei einem Dealer und bekam einen Schuss Heroin. Eine Überdosis. „Ich wachte sechs Stunden später auf einem schmutzigen Badezimmerboden in einer Pfütze Erbrochenem auf, fühlte mich wie der Tod“, erinnerte sich Flynn in einem Facebookbeitrag vor drei Jahren. Sein Freund Jimmy Lapin hatte eine Woche später weniger Glück. Er bekam das gleiche Heroin vom gleichen Dealer und überlebte nicht. Als Flynn einen Monat später ins Studio ging, um den Song „I’m Your God Now“ für das Album aufzunehmen, hatte das Lied über Drogenmissbrauch einen furchtbaren realen Bezug bekommen - „über den Moment, als ich überlebte und Jimmy nicht“. Im Lied heißt es: „I crawled in my narcotic shell - was crucified in my own hell - a gutter where I found myself among the waste - I chose to well - I chose to dwell.“

Debütalbum zum ersten Malkomplett gespielt

Am Sonntagabend feierten Flynn und seine Band in der Box der Luxexpo das 25. Jubiläum ihres Debütalbums vor rund 2.500 Zuschauern – darunter einem Achtjährigen mit Ohrschützern auf den Schultern seines Vaters. Die Tour führt rund um die Welt und beinhaltet praktisch zwei Konzerte in einem. Zuerst spielte sich Machine Head mit 15 Songs quer durch ihre 28-jährige Bandgeschichte. Darunter Stücke wie „Take my Scars“, „Darkness within“ oder „Catharsis“. Begleitet wurde Flynn von Waclaw „Vogg“ Kieltyka an der Gitarre, Jared MacEachern am Bass und mit Hintergrundgesang sowie Matt Alston am Schlagzeug. Nach dem Gig spielte Machine Head dann das gesamte Debütalbum „Burn my Eyes“ - weitere elf Stücke plus „And then there were none“ von Exodus und „Paranoid“ von Black Sabbath.

Es ist das erste Mal, dass die Band ihr Debütalbum bei einer Tour komplett spielt. Und obendrein bei diesem Part mit dem damaligen Drummer Chris Kontos und dem damaligen Gitarristen Logan Mader. Das Konzert war ein dreistündiger Hexenkessel – vor allem im Pit vor der Bühne. Davor ließen sich immer wieder Fans von der Menge hochheben und Richtung Bühne tragen.

Los ging es mit „Imperium“ vom Album „Through the Ashes of Empires“. Das Publikum war vom ersten Moment an angesteckt und reckte die Fäuste zum treibenden Beat empor. Die Härte der Musik verdeckt dabei, dass Flynns Texte Einblick in eine sensible Seele geben. „All my life – always I’ve felt alone – conditioned to believe that I’m always wrong“, singt er etwa. Flynn wurde im Alter von sechs Monaten von seinen Eltern zur Adoption weggegeben. In einem Bericht der Zeitschrift Rock Hard aus dem Jahr 2003 wird Flynn wie folgt zitiert: „Ich habe mich mein ganzes Leben lang nie als Teil von irgendetwas fühlen können, denn wegen der Adoption kam ich mir immer wie ein Ausgestoßener vor. Das hat mein Leben oft genug negativ beeinflusst.“

Durch die Härte des düsteren Neo Trashs kommen aber auch vereinzelt immer wieder sehr ruhige, melodische Passagen, die Hoffnung vermitteln. Beim Song „Locust“ singt Flynn: „Faith appears and holds a candle [...] Purity ever will prevail.“

Robert Flynn und die Band hatten jedenfalls an dem Abend in Luxemburg sichtbar Spaß. Zum Schluss machten sie ein Selfie mit der Menge.