LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Gut 80 Tage noch bleiben bis zur US-Präsidentschaftswahl am 3. November. Und der demokratische Kandidat Joe Biden zieht kurz vor der „Democratic National Convention“ in Milwaukee nächste Woche ein As aus dem Ärmel, das seinen deutlichen Umfragen-Vorsprung auf Amtsinhaber Donald Trump noch weiter ausbauen könnte. Das As heißt Kamala Harris, die neben dem bislang bleichen Senior Biden für Energie und Zukunft steht und der sicher die Stimmen zahlreicher Wähler - und vor allem Wählerinnen - sicher sind. Wurzeln in Indien und in Jamaika, aufgewachsen in einer afroamerikanischen Community in Oakland, in einer Familie von Bürgerrechtlern.
Brillante, zähe und rhetorische gewandte Juristin und Generalstaatsanwältin, Senatorin - die zweite Afroamerikanerin in einer solchen Verantwortung übrigens in der Geschichte der USA -  und nun will sie mit Joe Biden ins Weisse Haus, in dem sie einmal - so die Einschätzungen einiger Beobachter - die erste Präsidentin werden könnte.
Sie trete mit Biden an, damit ihr Land wieder eine starke Führung bekomme und um das „Schlamassel“, das der selbstsüchtige Trump hinterlassen habe, zu beseitigen. Biden und Harris droschen bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt denn auch auf den wundesten Punkt des Amtsinhabers ein: dessen Umgang mit der Covid-19-Krise. Mit 166.000 Toten und fünf Millionen Infizierten sind die Vereinigten Staaten mittlerweile das am stärksten betroffene Land.
Dass die Pandemie auch die US-Wirtschaft in die Rezession treibt - Minus sechs Prozent Wachstum prognostiziert der Internationale Währungsfonds - ist klar, trotz Trumps Verrenkungen, immer wieder mit seinen angeblich tollen Erfolgen zu prahlen. Die Wirtschaftskrise kommt erst und wird nicht durch ein paar hundert Dollar vermieden, mit denen Trump per Dekret den Leuten hilft, die durch die Pandemie ihrer Jobs verlustig gingen. Wie andere Länder auch bräuchte die USA angesichts der Herausforderungen schnell einen breit getragenen  Wiederaufbauplan.
Der erforderlichen Einheit ist die Personalie Trump allerdings nicht zuträglich, schließlich befindet sich der Mann im Wahlkampf, von dem er sich nichts anderes erwartet, als ihn zu gewinnen. Und ohnehin lautet sein Geschäftsmodell Spaltung.
Das hat er nach der Kamala-Harris-News auch sofort angekurbelt. Zusätzlich zu den trump‘schen Unflätigkeiten - er bezeichnete Harris als „verrückte Frau“ und hat sicher noch andere Schimpfwörter im Repertoire - pflanzte er sofort die Vogelscheuche einer „linken“ demokratischen Gefahr, die das Land wirtschaftlich garantiert vor die Hunde gehen ließen. Derweil er bereits wochenlang das Gespenst des Wahlbetrugs herauf beschwört und den Urnengang tatsächlich schon verlegen wollte. Natürlich wird der Wahlkampf in den nächsten Wochen noch viel fieser und wird Trump Verschwörungstheoretiker noch mit allerhand „Fake News“ füttern. Aber wenn sich Biden und Harris in den Wahlkampfdebatten ruhig und stark zeigen und ein zukunftsträchtiges Wahlprogramm auf den Tisch legen, könnte Trumps ungeheuerlich abschätzige Mutmaßung, „die Vorstadt-Hausfrau“ werde schon für ihn stimmen, zerstieben und der Spuk Präsident Donald Trump spätestens im Januar vorbei sein. Dann kann das Kitten einer zerrissenen Nation endlich beginnen.