LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Der etwas andere Weg zum Wunschkind: „Naledi asbl“ vermittelt Adoptivkinder aus Südafrika

Der Weg zum Wunschkind per Adoption mag vielen interessierten Paaren auf den ersten Blick als langwieriger Prozess erscheinen. Wer diesen Weg wählt, weiß aber in der Regel, welche Hürden genommen werden müssen, und dass es sich lohnt, ihn zu gehen. In Luxemburg werden künftige Adoptiveltern im Vorfeld genauestens informiert und während des anschließenden Adoptionsverfahrens gut begleitet. Transparenz und Offenheit sind bei „Naledi asbl“ wichtig. Die Adoptionsvermittlung, die im Jahr 2002 auf Initiative von Diane Heck-Thill gegründet wurde, vermittelt Kinder aus Südafrika.

Was hat Sie dazu bewegt, „Naledi asbl“ zu gründen?

Diane Heck-Thill Mein Mann und ich sind selbst Adoptiveltern. Wir haben vier Kinder adoptiert und somit gewisse Erfahrungen, die nicht ausschließlich positiver Natur waren. Nicht wirklich zufrieden waren wir beispielsweise, was die damalige Begleitung anbelangte. So entstand die Idee; weil ich mir nämlich einfach gedacht habe, dass man das auch anders machen könnte, vielleicht etwas menschlicher.

Warum fiel Ihre Wahl ausgerechnet auf Südafrika?

Heck-Thill Südafrika hat sich zu jenem Zeitpunkt gerade für die Auslandsadoption geöffnet. Wir haben uns vorher über ein Online-Adoptionsforum mit anderen Familien ausgetauscht, die Kinder aus diesem Land adoptiert hatten und sehr zufrieden mit dem Ablauf waren. Sie haben uns auch mit den Partnern vor Ort - damals waren das zwei private Sozialarbeiterinnen - in Kontakt gebracht. Das Land hat uns durch seine guten Adoptionsprozeduren sofort angesprochen. Es erfüllte die ethischen und moralischen Prinzipien, die uns wichtig sind. Bei Südafrika kann man sicher sein, dass kein Kinderhandel betrieben wird. Niemand verdient sich dort eine goldene Nase am Leid eines Kindes.

Was bedeutet eigentlich „Naledi“?

Heck-Thill In Tswana, einer der vielen Sprachen Südafrikas, bedeutet „Naledi“ Stern. Diesen Namen fanden wir ganz treffend, Stern ist für uns das Sinnbild der Hoffnung oder des Lichts in der Dunkelheit, das Hoffnung verheißt: Hoffnung für Kinder.

Welches Team steckt hinter diesem „Wir“?

Heck-Thill Ich selbst arbeite ehrenamtlich und bin die direkte Ansprechpartnerin für Adoptionsbewerber. Ich nehme sie sozusagen bei der Hand und begleite sie während der ganzen Prozedur. Wir beschäftigen keine fest angestellten Mitarbeiter, dafür sind aber zwei anerkannte Psychologinnen und zwei Sozialarbeiterinnen als freie Mitarbeiter für uns tätig. Sämtliche Adoptionsvermittlungen werden in Luxemburg, im Gegensatz zu anderen Ländern, vom Staat finanziert. In anderen Ländern zahlen künftige Adoptiveltern manchmal Tausende Euro alleine für die Dienste der Adoptionsvermittlung, weil die Agenturen festes Personal beschäftigen. Diese Kosten haben wir nicht. Wir sind komplett unabhängig. Wenn wir wenige Kinder vermitteln, haben wir auch wenige Kosten. Die erste Adoption haben wir im Jahr 2003 ermöglicht. Seither haben 79 Kinder mit unserer Hilfe eine Familie in Luxemburg gefunden. Das 80. Kind wird jetzt im Oktober ankommen. Allerdings hatten wir in den Jahren 2011 und 2012 einen Adoptionsstopp, bedingt dadurch, dass Südafrika seine Gesetzgebung, also die Kinderrechtsgesetze, komplett überarbeitet hat. Im Juni 2012 wurde zwischen dem Land und dem Großherzogtum ein bilaterales Abkommen unterzeichnet, was die Zusammenarbeit wieder möglich machte.

In welchem Alter sind die Kinder in der Regel?

Heck-Thill Anfangs waren die Kinder sehr klein, es waren Babys unter sechs Monaten. Heute sind sie eher zwischen anderthalb und drei Jahren alt. Weltweit hat sich dies übrigens geändert. Das rührt daher, dass die meisten Länder versuchen, möglichst viele Kinder im eigenen Land zu vermitteln, wie es auch die Haager Konvention verlangt. Auslandsadoption sollte immer die letzte Alternative sein. Nicht die schlechteste natürlich, aber die letzte. In den Herkunftsländern wird den leiblichen Müttern seit geraumer Zeit auch mehr Unterstützung und Hilfe zugesichert, damit sie ihr Kind behalten können. Die Kinder, die, ich sage jetzt mal, dann noch einer Auslandsadoption bedürfen , sind deshalb auch meist schon etwas größer und haben manchmal auch die eine oder andere Besonderheit.

Eine gesundheitliche Beeinträchtigung meinen Sie?

Heck-Thill Das kann tatsächlich von einer kleineren bis hin zu einer größeren Beeinträchtigung reichen. In der Regel geht es aber um Kinder, die einen heimbedingten Entwicklungsrückstand aufweisen, also nichts Gravierendes, Kleinigkeiten demnach, die zu korrigieren sind, zum Beispiel ein Nabelbruch. Oder, wie erwähnt, Entwicklungsverzögerungen, die oft durch ihre Geschichte zu erklären sind. Viele Adoptiveltern stört das nicht. Seit einiger Zeit gibt es in Luxemburg die „Maison de l’Adoption“. Es ist Pflicht, dass Antragsteller, noch bevor eine Adoptionsprozedur angefangen wird, dort an einer Sensibilisierung teilnehmen, während welcher sie auf das, was sie erwarten wird oder kann, vorbereitet werden. Entwicklungsverzögerungen werden behandelt, aber auch erklärt, wie man eine Bindung aufbaut. Es gibt durchaus Personen, die nach diesem Sensibilisierungskurs, den Wunsch nach einem Adoptivkind wieder aufgeben. Diejenigen, die weitermachen, wissen in der Regel ganz klar, was auf sie zukommt. Jede Familie hat aber ihr Recht auf Grenzen. Während der Beurteilung, also der Phase, wo die potenziellen Eltern geprüft werden, ist es an unserem professionellen Team, diese Grenzen gemeinsam mit den Eltern zu definieren . Wir wissen also, wozu sie bereit sind, und überschreiten diese Grenzen niemals.

Wie viel Zeit vergeht durchschnittlich, bis Eltern und Kind zusammengeführt werden?

Heck-Thill Das ist bei jedem Herkunftsland anders. Noch dazu ist die Dauer stets eine Momentaufnahme, wir wissen nicht, wie die Situation in einem Jahr aussieht. Momentan nimmt die ganze Prozedur bei uns knapp unter zwei Jahre in Anspruch. Das ist relativ schnell. Es gibt Länder, in denen es fünf bis sechs Jahre oder noch länger dauert. Das Adoptionsverfahren beginnt hierzulande mit einem Vorbereitungszyklus, der durch die luxemburgische zentrale Autorität und die „Maison de l’Adoption“ durchgeführt wird. Während zwei Infositzungen werden die Bewerber über die bestehenden Möglichkeiten, die Bedingungen und die rechtliche Basis informiert. Danach kommt die Sensibilisierung, die drei Nachmittage umfasst und in deren Anschluss eine Teilnahmebescheinigung ausgehändigt wird. Dann erst können sich die Bewerber bei einer Adoptionsvermittlung eintragen. Bei uns sind die Wartezeiten momentan sehr kurz, das heißt, wir können relativ schnell einen Termin für ein erstes Gespräch vereinbaren. Ab diesem Zeitpunkt dauert es dann weniger als zwei Jahre. Manchmal geht es sogar schneller. Das hängt immer davon ab, wie offen die Bewerber sind. Übrigens akzeptiert Südafrika auch gleichgeschlechtliche Paare als Adoptiveltern. Die ersten Paare, nach der Reform des Eherechts, befinden sich gerade bei uns in der Überprüfungsphase.

Sie sagen „nur“ zwei Jahre, empfinden die Adoptiveltern das auch als kurze Zeit?

Heck-Thill Ja, zwei Jahre werden von den Adoptiveltern durchaus ebenfalls als sehr kurz empfunden. Natürlich kann man es am Ende, wenn das Dossier komplett ist, kaum noch abwarten, dann ist jeder Tag zu viel. Wir versuchen auch während dieser Zeit, so gut wie möglich für unsere Bewerber da zu sein und sie weiterhin zu begleiten. Sie können sich jederzeit an uns wenden. Wir finden es nämlich traurig, wenn Betroffene eine Adoption als etwas Schwieriges empfinden. Es ist uns wichtig, dass ihr Weg zum Kind auch mit Freude verbunden ist.

Eine Erfahrung, die Sie persönlich nicht gemacht haben?

Heck-Thill Nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten. Nun ja, es waren auch andere Zeiten, muss ich dazu sagen. Heute ist der Wissensstand ein ganz anderer. Damals gab es keine „Maison de l’Adoption“, keine richtige Beratung, das ganze Drumherum fehlte einfach. Bei Naledi versuchen wir es anders zu machen, was uns in all den Jahren, denke ich, auch ganz gut gelungen ist.


Weitere Informationen unter www.naledi.lu