LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS MIT DAPD

Niederländischer Finanzminister Dijsselbloem übernimmt Eurogruppenvorsitz von Juncker

Der niederländische Sozialdemokrat Jeroen Dijsselbloem wird neuer Eurogruppenchef und damit das schwere Erbe von Jean-Claude Juncker antreten. Auf dem gestrigen Treffen der Euro-Finanzminister gab schließlich auch Frankreichs Ressortchef seine Verzögerungstaktik auf.

Klar wolle er von dem Neuling noch wissen, ob er wirklich „auf der Höhe“ für das wichtige Amt sei. Und Dijsselbloem müsse klarmachen, dass er wie Juncker „für die Balance zwischen Nordländern und Südländern, zwischen Sparsamkeit und Wachstumspolitik steht“, sagte der französische Finanzminister Pierre Moscovici bei seinem Eintreffen in Brüssel. Doch sei der Niederländer der einzige und ein guter Kandidat.

Juncker: „Da ist ein bisschen Wehmut dabei“

„Ich hoffe, die Kollegen werden mir ihr Vertrauen geben“, sagte Dijsselbloem selbst. „Wir müssen am Wachstum und an Jobs arbeiten und gleichzeitig unsere Haushalte wieder in die Balance bringen“, schilderte der 46-Jährige seine Prioritäten. Für Luxemburgs Regierungschef Juncker war es indes das letzte Treffen als Strippenzieher der Eurokrise. „Da ist ein bisschen Wehmut dabei, aber vor allem Erleichterung“, sagte der 58-Jährige. Er wisse nicht, ob die Gruppe „ein Irrenhaus ist“. Aber über sechs Monate habe er gerufen: „Holt mich hier raus!“

„Déi Gréng“: „PolitischeReformen statt Personenkult!“

Zuhause in Luxemburg dürfte Juncker allerdings nicht viel Zeit bleiben, sich großartig auszuruhen, denn hierzulande wird erwartet, dass der Staatsminister sich endlich wieder um die Nationalpolitik kümmern. So richteten sich „déi Gréng“ gestern mit einem „Politische Reformen statt Personenkult!“ überschriebenen offenen Brief an den Premierminister, in dem dieser aufgefordert wird, nicht länger mit seinen „Kollektivschelten“ von „den eigentlich wichtigen Sachfragen abzulenken, die unser Land wirklich interessiert“. Zu einer gesunden politischen Kultur zähle nämlich auch, „sich sachlich einer Kritik stellen zu können und nicht ständig die eigene Person in den Mittelpunkt zu stellen“. Politik sollte nicht zum Schauplatz von Eitelkeiten werden, so „déi Gréng“-Chef François Bausch in seinem gemeinsamen Brief mit Parteipräsidentin Samantha Taanson. Die Antwort des Staatsministers dürfte nicht auf sich warten lassen.