MERSCH/LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der Rohstoff erlebt ein Revival

In Trier gibt es die HolzTek, in Lothringen fand gerade das „9e Forum International Bois Construction“ in Epinal und Nancy statt. In Luxemburg präsentierte sich das WoodCluster Forum 2019 gestern mit einem bunten Programm in Mersch im schönen, holzverkleideten Saal des Kulturhauses. Philippe Genot, Manager des WoodClusters bei Luxinnovation, bestätigt: „Es tut sich viel in letzter Zeit. Holz erlebt einen Aufschwung.“ Das lässt sich laut dem Experten auf mehrere Faktoren zurückführen. „Zum einen wird seit mehreren Jahren von der Politik mehr Nachhaltigkeit gefordert, zum anderen entwickelt sich der Markt.“

Tatsächlich ist Holz ein nachwachsender Rohstoff, der bei richtiger Bewirtschaftung eher zu mehr als zu weniger Grün führt, wie das Beispiel Schwedens zeigt. Noch dazu ist Holz wohnlich und natürlich. Neben den politischen und gesellschaftlichen Ansprüchen erfüllt es somit auch ästhetische Ansprüche. Der Markt wächst mit. „Bis 2016 lag die Holzbauquote – also der Anteil des Holzbaus in Bezug auf die gesamten Bauten – bei rund sieben Prozent. Bis 2021 werden es mindestens zehn Prozent sein“, beobachtet Genot. „Da gibt es eine reelle Dynamik.“ So existieren Experimente mit Hochhäusern und Bürogebäuden aus Holz.

„Auch Holz als Energieträger ist gefragt“, unterstreicht der Manager des WoodClusters. Er erinnert daran, dass die große Energiezentrale neben der Coque von Gas auf Pellets umgestellt hat. „Jetzt wird mehr als die Hälfte des Kirchbergs mit Pellets und nicht mit Gas geheizt.“
Darüber hinaus spielt der Aspekt der Nachhaltigkeit eine große Rolle. So will die Politik in Luxemburg den Export heimischen Buchenholzes nach China stoppen. „Wir haben untersucht, wie wir hier Buchenholz verwenden können“, erklärt Genot und verweist auf das Unternehmen Prefalux, dass Buche am Bau verwendet hat. Auch das Start-up Lekolabs hat auf der Basis von Buchenholz und mit Hilfe von Digitalisierung ein Komposit entwickelt, das laut den im Netz gezeigten Tests mehr aushält als Beton. Weitere Projekte wurden gestern in Mersch präsentiert. Den Teilnehmern gefiel die Idee, die Wertschöpfungkette von Holz im Land zu haben, statt den Rohstoff wie ein Entwicklungsland zu exportieren.

Jetzt steigt die Nachfrage und damit stellt sich die Frage der Rolle des Waldes in der Kreislaufwirtschaft. Das steigende Interesse zeigt sich auch in den Mitgliederzahlen. Von 175 Mitgliedern des WoodClusters sind 150 private Unternehmen, der Rest öffentliche. Sie machen bei teils ganz unterschiedlichen Aktionen mit. Das reicht von der ersten Kartierung der Unternehmen des Sektors, die Luxinnovation gestern präsentierte, bis hin zu speziellen Containern aus Holz, in denen recycelbare Gegenstände gesammelt werden sollen. Sogar Touristenunterkünfte aus Holz sind geplant. Die Anwesenheit von gleich zwei grünen Ministern – Umweltministerin Carole Dieschbourg sowie Energieminister Claude Turmes – auf dem Merscher Forum zeigen den Stellenwert, den das Thema mittlerweile in der Politik hat. Und wer sich die Programme internationaler Messen ansieht, merkt schnell, dass Holz auch woanders als der neue Weg angesehen wird.