LUXEMBURG
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The Lost Boys: Von der Bierdeckelkritzelei zum aufstrebenden Künstlerduo

Mano (André Mano) und Ebel (Eric Bel) bilden seit etwas mehr als einem Jahr das Künstlerduo The Lost Boys. Seit sie ihre kreative Arbeit in einem Container auf dem „Food For Your Senses“-Festival 2019 dem Publikum vorgestellt haben, sind sie in der luxemburgischen Kulturszene angekommen und werden sowohl bei Kunstkennern als auch Laien zu einem immer gängiger werdenden Begriff. Seit einem Monat arbeiten sie nun auf dem Knuedler, wo sie sich an vier Mauern einer würfelförmigen Verkleidung ganz nach ihren künstlerischen Vorstellungen austoben dürfen. Im Interview erzählen die jungen Kreativen, woher ihr Name kommt, welcher Stellenwert Hip Hop, Graffiti und Buchstaben in ihrer Kunst haben und worum es auf dem Knuedler geht.

Wer steckt eigentlich hinter The Lost Boys?

Mano Ich bin ein portugiesischer Kreativer aus Lissabon. Seit vier Jahren lebe ich nun hier in Luxemburg. Anfangs habe ich hier als Architekt gearbeitet. Vor ungefähr einem Jahr haben wir das Projekt The Lost Boys ins Leben gerufen.

Ebel Ich bin hier in Luxemburg geboren. Ganze zehn Jahre lang habe ich nicht gemalt. Dank The Lost Boys habe ich meinen Weg ins Kreative wieder zurückgefunden und bin wieder sehr motiviert, künstlerisch tätig zu sein.

Wie habt Ihr Euch kennengelernt?

Mano Eines Nachts wurden wir einander von einem Freund im Café Rocas in der Stadt vorgestellt. Daraufhin haben wir während drei Stunden über Hip Hop gestritten. Irgendwann habe ich erwähnt, dass ich mich für Graffiti interessiere. Da Ebel sich auch dafür begeistern kann, haben wir noch besser zueinander gefunden. Danach haben wir uns regelmäßig getroffen. Da wir beide immer Sketchbücher dabei haben, haben wir uns dann auch gegenseitig unsere Arbeiten gezeigt.

Ebel Auf einem Bierdeckel haben wir dann gemeinsam angefangen zu skizzieren. Wir haben schnell gemerkt, dass wir sehr gut miteinander arbeiten können. Die Zeichnungen hängen übrigens heute noch in diesem Café. Wir teilen also die Leidenschaft für Hip Hop und das Zeichnen, und so hat es sich dann ergeben, dass wir immer mehr miteinander arbeiteten. Irgendwann haben wir uns dann dazu entschlossen, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen.

Warum The Lost Boys?

Ebel Wir beide sind wie zwei Kinder, die nicht wirklich erwachsen werden. Wir haben uns dann für den Namen The Lost Boys entschieden. Dieser ist inspiriert an Peter Pan und den Lost Boys, die ebenfalls nicht erwachsen werden wollen.

Worum geht es in Euren kreativen Arbeiten?

Ebel Unsere Arbeiten gehen in unterschiedliche Richtungen: von abstrakter Kalligraphie zu Graffiti oder Street-ArtProjekten. Im Sommer waren wir auf dem „Food For Your Senses“, wo wir wiederum etwas ganz anderes in unserem Container gemacht haben. Es ist uns wichtig, immer wieder neue Sachen auszuprobieren. Wir möchten nicht in eine gewisse Kategorie passen.

Mano Wir haben keine spezifische Richtung, die wir gehen möchten, wir wollen einfach nur eine technisch gute Arbeit machen. Wir möchten uns weiterentwickeln, neue Herausforderungen annehmen und einfach nur Spaß haben. Im Moment arbeiten wir viel mit Buchstaben.

In den letzten Wochen konnte man Euch auf dem Knuedler beim Bemalen einer Mauer zusehen. Worum geht es bei diesem Projekt?

Mano Unsere Mauern sind eine Ode an das Graffiti und den Hip Hop. Auf der einen Mauer steht mein Tag-Name drauf, Mano, und auf der anderen Seite Ebels. Auf der dritten Mauer steht „TLB“, also The Lost Boys, und die letzte Seite ist eine Graffiti-Mauer, die wir denen widmen, die uns unterstützen. Es ist eine Mauer zum Danke sagen. Zudem findet man dort einige Punchlines, die aus dem Hip Hop kommen.

Gibt es neben dem Hip Hop noch andere Inspirationsquellen für Eure Werke?

Ebel Ich finde meine Inspiration eigentlich fast täglich im normalen Leben. Oft muss ich mir von Leuten in meinem Umfeld anhören, dass ich doch eigentlich gar nicht weiß, was Arbeit ist, da ich doch „nur“ male. Diesen Menschen erkläre ich dann, dass ich 24 Stunden am Tag arbeite, da ich stets aus den alltäglichen Situationen meine Inspiration schöpfe. Ich muss also stets wachsam bleiben und das Erlebte reflektieren. Das Leben ist eine Inspiration für mich, genau wie die Leute, denen ich begegne und mit denen ich mich unterhalte.

Mano Für mich gibt es sowohl Künstler, die ich bewundere, als auch Menschen in meinem Umfeld, die ich inspirierend finde.

Gibt es, bei diesem Projekt oder bei anderen eine klare Arbeitsaufteilung bei Euch?

Ebel Beim Knuedler-Projekt gab es in der Tat eine gewisse Arbeitsteilung - ausnahmsweise. Das lag daran, dass das Projekt eher Manos Stil entspricht. Ich habe mich also hauptsächlich um die Farben und um meine persönliche Mauer gekümmert. Wenn wir allerdings an Leinwänden arbeiten, gibt es keine Aufteilung der Arbeit. Da kommt es vor, dass ich etwas male, dann kommt Mano, nimmt meinen Pinsel in die Hand und fügt seine Ideen hinzu, und so geht das dann weiter, bis die Arbeit uns beiden gefällt. Unsere Projekte gehören uns beiden, da wir sie gemeinsam erstellen.

Mano Wenn The Lost Boys draufsteht, dann, weil wir gemeinsam daran gearbeitet haben.

Ebel Es gibt kein Ego bei The Lost Boys. Ja, er ist Mano und ich bin Ebel, aber wenn wir zusammen an einem Projekt arbeiten, gibt es uns nur unter diesem gemeinsamen Namen. Unsere Leinwände werden auch mit The Lost Boys unterschrieben.

Welche Projekte stehen nach dem Knuedler an?

Mano Wir haben zurzeit kein konkretes Projekt für die Zukunft geplant. Wir sind sehr motiviert zu arbeiten und um unser Projekt auf ein nächstes Level zu bringen. Unser Ziel ist es, immer größere Projekte anzunehmen und uns dadurch weiterzuentwickeln. Was wir jedoch wissen, ist, dass wir am 7. und 8. September ein Live-painting auf der Vianden Tattoo Convention machen werden.

Ebel Zudem können wir uns gut vorstellen, uns bei Schulen oder Jugendzentren einzubringen, um mit jungen Menschen zusammen kreativ sein zu können. Es bleibt jedoch alles offen. Wir versuchen, weiterhin Spaß an dem zu haben, was wir unser gemeinsames Projekt nennen.

The Lost Boys im Netz: Instagram: @the_lost_boys_tlb