PARIS
CATHERINE NOYER

Vor hundert Jahren kreierte Guerlain das Parfum „Mitsouko“

Als 1919 das Parfum „Mitsouko“ kreiert wurde, war in Europa der Kolonialismus in Mode. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts beeinflusste die japanische Kunst den Okzident. In Paris konnte man im Geschäft von Samuel Bing Malereien und Objekte aus Japan erwerben. Zudem gab er die Zeitschrift „Le Japon artistique“ heraus. „Madame Chrysanthème“ von Pierre Loti und „Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini sowie Bilder von Monet, van Gogh und anderen Künstlern spiegeln ebenfalls die Kolonial-Richtung wieder.

In dieser Zeit komponierte Jacques Guerlain den Duft, indem er zum ersten Mal Pfirsischnoten in der Parfümherstellung verwendete und damit den Weg für florale Chypredüfte ebnete. Damals gab es mehrere Düfte, die den Namen Chypre (Zypern) trugen, die Insel, die berühmt war für ihre parfümierten Vögel und die Legende von Aphrodite, die hier dem schäumenden Meer entstieg. Guerlain gehörte, mit „Eau de Chypre“ (vor 1844), „Cyprisine“ (1894) oder „Chypre de Paris“ (1909) zu den ersten, die Chypre anboten.

Doch sollte der Name „Mitsouko“ an die Hauptfigur des Romans „La Bataille“ von Claude Farrère erinnern, der 1909 erschienen war. Darin verliebt sich die Marquise Yorisaka, Mitsouko, während des russisch-japanischen Krieges in einen englischen Offizier. Es war ein Krieg, den die Japaner 1905 mit englischer Unterstützung  gewannen. In dem Roman geht es auch um den sanft klingenden Namen Mitsouko, denn Mitsou bedeutet im Japanischen „Honigstrahl“. Die Marquise lebt zwischen Orient und Okzident, pflegt zwar ihren japanischen Garten, lebt aber mit Kleidern von Doucet, Callot oder Worth.

Mit der neuen Pfirsischnote ist der Duft „Mitsouko“ innovativ. Im Auftakt ein frischer Zitrusduft von Bergamotte, der im Herzen auf die florale Note von einem Bouquet aus Mai-Rosen und Jasmin trifft. Die Basis zeigt eine Vetiver-Holznote, die zusammen mit anderen Hölzern den Chypreduft ergibt.

Spezielle Blattgoldtechnik

Zum Hundertjährigen Geburtstag erhält Mitsouko den typischen Flakon mit dem umgedrehten Herzen mit Goldauflage. Der Flakon wurde in Japan im Atelier Hakuichi gestaltet, das auf eine spezielle Blattgoldtechnik spezialisiert ist. Eine Vielzahl von Berühmtheiten hat den Duft getragen, wie beispielsweise Serge Diaghilev, Charlie Chaplin, Ingrid Bergman, Wallis Simpson, Prinzessin Diana und Inès de la Fressange. Und als die französische Band „Rita Mitsouko“ ihren Namen gewählt hat, war es auch eine Hommage an den Guerlain-Duft.