Die Filmindustrie scheut normalerweise Risiken. Das stimmt üblicherweise auch bei Comicverfilmungen, die selbst insgesamt als ein ziemliches Risiko galten, bis Anfang der 2000er erneut entdeckt wurde, dass man sehr viel Geld mit halbwegs guten Comicfilmen machen kann. Die Marvel Studios haben seit „Iron Man“ (2008) einen Hit nach dem anderen produziert und meistens befanden sich Comicfiguren im Mittelpunkt, die relativ bekannt sind. Die „Guardians of the Galaxy“ kannte dagegen so ziemlich niemand - Bis jetzt!
Von Waschbären, Alien-Bäumen und Söldnern
„Guardians of the Galaxy“ dreht sich um eine Gruppe intergalaktischer Ausgestoßener und Söldner, die, durch eine Verkettung verschiedenster Umstände, zusammenfindet, um ein Artefakt zu beschützen, das das Schicksal der Galaxie entscheiden könnte. So in etwa lässt sich der Plot runterbrechen, aber der spielt sowieso nicht die Hauptrolle.
Nein, im Vordergrund stehen die „Guardians of the Galaxy“ selbst: Peter Quill, auch (un-)bekannt als „Starlord“, wurde als Kind von der Erde entführt und verdient sich seitdem als eine Art intergalaktischer Sölnder seinen Lebensunterhalt. Er läuft mit einem Kassettenspieler aus den 1980er rum. Rocket Raccoon ist ein Waschbär mit viel Feuerkraft, Groot ist ein außerirdischer Baum mit der Stimme von Vin Diesel, Gamorra die rebellische Tochter des Oberbösewichtes und Drax, der Zerstörer, ist ein absolutes Kraftpaket der nichts mit Metaphern anfangen kann. Sie alle jagen, wenn sie gerade nicht gejagt werden, Ronan, the accusor, der mithilfe des Artefaktes einen ganzen Planeten auslöschen will.
Verrückt, aber lustig
Auch wenn die Beschreibung des Plots teils konfus wirkt und viel Raum für alle möglichen Verrücktheiten aus dem Marvel-Universum bietet, ist er für Neulinge leicht bekömmlich und macht auch abseits aller Detailverliebtheit Spaß. Genau das mach „Guardians of the Galaxy“ so bemerkenswert: Anstatt die Zuschauer mit zahlreichen Plotdetails und Hintergrundinformationen zu überfordern, konzentriert sich hier der Regisseur James Gunn einfach auf die Hauptfiguren und die Abgefahrenheit des Universums.
Diese Rechnung geht auf, darauf deutete bereits der erste Trailer, der mit „Hooked on a Feeling“ von Blue Swede unterlegt war und dementsprechend verrückt wirkte. Durch seine unglaublich farbenfrohe, skurrile und facettenreiche Welt verwandelt sich „Guardians of the Galaxy“ innerhalb kürzester Zeit zu der überzeugendsten Space Opera seit dem ersten „Star Wars“-Film. Denn obwohl das Universum in den Hintergrund tritt, wirkt es komplett, reich an interessanten Details und anders, als alles, was man bisher auf der Leinwand erleben durfte.
Top-Space-Opera
Dazu gesellt sich noch ein markanter Soundtrack der sich aus den verschiedensten Hits der 70er und 80er zusammensetzt. Dieser kommt auch dann zum Einsatz, wenn typische Klischees heroisch-epischer Actionfilme durch die skurrilen Figuren und Situationen gebrochen werden. In solchen Momenten glänzt dieser Film wie sonst kein anderer und James Gunn zeigt hier ein Gespür, das leider viel zu selten bei Filmemachern zu finden ist: Sprachwitz, Slapstick und Genre-Satire vermischen sich hier zu einem geschmackvoll-gelungenen Mix, der an gute alte Sommer-Blockbuster erinnert und sich in jeder Hinsicht einfach nur gut anfühlt. „Guardians of the Galaxy“ steht auf Augenhöhe mit „The Avengers“. Wer den Bekanntheitsmalus mit in Betracht zieht, sollte relativ schnell feststellen, dass der Film nicht nur für Comic- und Science-Fiction-Fans ein Muss ist, sondern auch für all jene, die einfach nur gute Unterhaltung mögen, absolut sehenswert ist.
Allein wegen des Waschbären lohnt es sich.



