LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Die „Banque centrale du Luxembourg“: Bank der Banken und Hüterin der Währung

Unter den zwölf nationalen Zentralbanken, die sich am 1. Januar 1999 unter dem Dach der Europäischen Zentralbank zusammenschlossen, war die „Banque centrale du Luxembourg“ bei weitem die jüngste. Sie war erst am 1. Juni 1998, zeitgleich mit der EZB, gegründet worden, nachdem das Vorhaben, das zu diesem Zeitpunkt bestehende „Institut Monétaire Luxembourgeois“ (IML) in eine neue Institution zu überführen, 1992 im Rahmen des Maastricht-Abkommens definiert worden war. Dieses wiederum hatte auch die Schaffung einer einheitlichen europäischen Währung mit klaren Beitrittskriterien vorgesehen.

Lange währungspolitische Irrfahrt

Die jüngere Währungs- und Geldgeschichte unseres Landes begann unter der durch Napoléon I. verkörperten französischen Besatzung im Jahre 1803 mit der Einführung des „franc germinal“ im damaligen „Département des Eaux et Forêts“. Die erste Umstellung kam 1842 mit dem Beitritt von Luxemburg zum deutschen Zollverein, der die Einführung des Thalers nach sich zog, bevor 1848 der Franken für administrative und offizielle Schriftstücke eingeführt wurde. 1956 wurde der im gleichen Jahr gegründeten „Banque Internationale à Luxembourg“ (BIL) das Emissionsrecht für die eingeschränkte Ausgabe von Geldscheinen zugestanden. Erst 1873 entstand als Zentralbankmuster die „Banque Nationale du Grand-Duché de Luxembourg“ mit dem Ausgaberecht für Thaler-, Franken- und später auch Markscheine. Aber schon 1881 wurden die Aktivitäten der Banque Nationale eingestellt.

Im Jahr 1914, zu Beginn des 1. Weltkrieges, bekamen die Geldscheine der BIL vollständige Zahlungsgültigkeit. Den Begriff des „Luxemburger Franken“ gebrauchte erstmals ein Großherzoglicher Erlass im Jahre 1918. Die Parität von 1 zu 1 mit dem belgischen Franken wurde 1922 besiegelt im Zuge der Schaffung der belgisch-luxemburgischen Wirtschaftsgemeinschaft. Ab 1935 war der belgische Franken als legales Zahlungsmittel in Luxemburg zugelassen. Bei der Schaffung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank im Jahre 1944 gehörte Luxemburg zu den Gründerstaaten.

Am Ursprung der Einheitswährung

Echte Europäische Währungsgeschichte schrieb Luxemburg im Jahre 1970, als der damalige Staats- und Finanzminister Pierre Werner seinen Plan zur Schaffung einer einheitlichen europäischen Währung vorstellte, die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts Realität werden sollte.

Aus dem früheren Bankenkontrollkommissariat entstand 1983 das „Institut Monétaire Luxembourgeois“, das eingeschränkte Funktionen in der Währungspolitik übernahm und weiter für die Bankenkontrolle zuständig war. Unter dem damaligen IML-Direktor Pierre Jaans erfolgte eine zunehmende Anlehnung der luxemburgischen Geldpolitik an den damals schon konsequent verfolgten Stabilitätskurs der deutschen Bundesbank, nach die Stabilität des Franken zuvor stark unter der Instabilität der Währungsunion mit Belgien gelitten hatte.

Mit der BCL in eine neue Ära

Die Schaffung der BCL, die de facto das Ende des IML bedeutete, das seine Kontrollfunktion über den Bankensektor an die neu geschaffene „Commission de Surveillance du Secteur Financier“ (CSSF) abtrat, und den Beitritt zur EWU vollzog Pierre Jaans nicht mehr mit. Gründungspräsident der BCL wurde der damalige Tresorpräsident Yves Mersch, der allerdings den von der Bundesbank vorgegebenen Stabilitätskurs resolut mitfuhr.

Die BCL erwies sich in der Folge als konsequenter Befürworter einer rigiden Geldmarktpolitik, die sich prioritär die Erhaltung des Geldwertes auf die Fahnen geschrieben hatte und sich des öfteren auch an den sukzessiven Regierungen rieb, weil diese ihrer Meinung nach die gemeinschaftlichen Inflationsziele nicht ausreichend zu berücksichtigen verstanden. Die öffentliche Kritik an der nationalen Politik hat sich weitgehend beruhigt, seit dem Weggang von Yves Mersch, der im vergangenen Jahr in das EZB-Direktorium nach Frankfurt wechselte und vom vormaligen Generaladministrator im Finanzministerium, Gaston Reinesch, abgelöst wurde.

Der früheren Linie ist die BCL jedoch weiterhin treu geblieben, wie sie nicht zuletzt immer wieder auch in ihren regelmäßigen Veröffentlichungen zur Geld- und Währungspolitik unter Beweis stellt. Die Geldstabilität hat auch in der Finanz- und Schuldenkrise ihre Priorität nicht eingebüßt.

Ihren von Beginn an gehegten Wunsch, ebenfalls die Zuständigkeit für die Bankenkontrolle zu erlangen, hat sich die BCL bislang zwar noch nicht erfüllen können, doch ist sie diesem Ziel zuletzt doch deutlich näher gekommen, seit die Bestrebungen, die Bankenkontrolle auf europäischer Ebene generell unter die Fittiche der EZB zu stellen, immer konkretere Formen angenommen haben.