LUXEMBURG
SVEN WOHL

Geschlechterstereotypen schränken ein - Zeit, dem ein Ende zu bereiten

Jeder kennt sie, jeder hat sie: Ganz spezifische Vorstellungen, wie Jungen und Mädchen, Frauen und Männer zu sein haben. Dass jeder diese Vorstellungen hat, macht sie jedoch längst nicht richtig oder gerecht. Jeder trägt die Verantwortung, sich bewusst zu machen, dass diese Geschlechterbilder existieren und dass sie schädlich sein können, weil sie auch gewisse Erwartungen an Menschen stellen, die diese nicht unbedingt erfüllen wollen.

Gestärkt, verschärft und verinnerlicht

Auch deshalb bemüht sich das Ministerium für Gleichberechtigung um eine frühe Aufklärung betreffend der Geschlechterbilder. Die Broschüre „Gleichstellung im Alltag“ gibt hier zahlreiche Beispiele, wie im Alltag die Gleichstellung teilweise immer noch nicht ganz angekommen ist. Diese illustriert sie mit einfachen Comics und Abbildungen, die leicht zu verstehen sind. Durch sie wird greifbar, wie Sexismus und Geschlechterbilder langfristig allen Geschlechtern schaden.

Werbung und Medien bedienen sich beispielsweise zahlreicher Stereotypen, um ihr Zielpublikum zu erreichen. Dass Rosa dabei nicht nur eine Farbe für Frauen und Mädchen ist und auch Jungen und Männer vegane Diätsnacks mögen können, wird in dieser Welt nicht wahrgenommen. So werden Stereotypen gestärkt, verschärft und verinnerlicht. Bedient werden diese Stereotypen auch, weil damit die mögliche und vermutete Kundschaft leichter zu erreichen ist.

Diese Stereotypen wahrzunehmen ist jedoch nur der erste Schritt. Das Hinterfragen dieser Geschlechterbilder ist die nächste wichtige Etappe, die es zu nehmen gilt. Als Beispiel dient hier der Spielzeugeinkauf: Wieso sollte eine Superheldenfigur nur für Jungen interessant sein? Wieso eine Babypuppe nur für Mädchen? Auf diese Weise werden Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit erzeugt, die keinerlei Bezug mit der Realität haben.

Diese Stereotypen stellen später Hürden dar, da sie die Entscheidungen eines jeden - mal bewusst, mal unbewusst - prägen. Auch deshalb finden sich in der Schule in gewissen Sektionen weniger Mädchen als Jungs und umgekehrt wieder. Was in der Bildung seinen Anfang nimmt, findet sich dann später im Berufsleben wieder. Erzieher müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht emotional genug zu sein, während Polizistinnen zu emotional und schwach sein sollen. Als Konsument trifft man ebenfalls immer wieder auf Beispiele einer sexistischen Diskriminierung: Der gleiche Haarschnitt kostet Männer weniger als Frauen. Gleiches gilt für Rasierklingen oder etwa Kosmetikprodukte. Das Marketing gibt sich stets redlich Mühe, gewisse Idealbilder vorzuführen, die es zu erreichen gilt. Dass dadurch ein ungesundes Verhältnis zum eigenen Körper entsteht, ist ein Nebenprodukt dessen. Oft werden diese auch noch durch die sozialen Netzwerke und den Druck zur Perfektion verstärkt. Das Selbstwertgefühl geht schnell verloren, anstatt dass man lernt, die eigenen Unzulänglichkeiten zu akzeptieren. Stattdessen wird ein konstant vorhandenes Gefühl des „nicht gut genug“-Seins aufgebaut.

Die Broschüre ist online unter mega.public.lu zu finden