LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Einreisebeschränkungen und finanzielle Sorgen: keine einfachen Zeiten für Studenten

Viel wird und wurde darüber diskutiert, ob  man in diesem Jahr in Urlaub fahren kann oder soll, weniger über die Folgen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie für Studierende. Der Dachverband der luxemburgischen Studentenzirkel hat bisher auftretende Probleme durch einen unkomplizierten Kontakt zum Außen- und Hochschulministerium bislang schnell ausräumen können. Doch bleibt die Zukunft für so manchen Studierenden mit Ungewissheiten behaftet.
Absolventen werden es schwerer haben, mit dem Diplom in der Tasche Arbeit zu finden. Für aktive Studenten können innerhalb kürzester Zeit, wie jetzt am Beispiel der zweiwöchigen Zwangsquarantäne bei einer Einreise in Großbritannien deutlich wurde, neue Einschränkungen fallen. Und ohne Sommerjob riskieren wiederum andere, im Wintersemester mit noch größeren Schwierigkeiten über die Runden zu kommen.
Doch selbst, wer vor Ausbrauch der Covid-Krise über einen Nebenjob verfügte, bleibt nicht zwangsläufig von Problemen verschont. Viele Studenten verdienen sich hierzulande mit befristeten Verträgen, mit denen sie über den Zeitraum eines Monats maximal 15 Stunden pro Woche arbeiten können, ein Zusatzeinkommen. „Eine ganze Reihe von Arbeitgebern hat beschlossen, den Studenten zu sagen, sie bräuchten nicht mehr zu kommen“, sagte Benjamin Kinn gestern, Vizepräsident der „Association des Cercles d‘Etudiants Luxembourgeois“ (ACEL). Für die betroffenen Studenten eine Hiobsbotschaft. Der Dachverband erinnerte deshalb gestern eindringlich daran, dass Arbeitsverträge für beide Parteien - Studenten und Betriebe - verpflichtend sind.

ACEL konnte ihre beiden Forderungen durchsetzen

Im Ausland sieht es nicht besser aus. Bereits Anfang April haben sich vermehrt Studierende an die ACEL gewandt aus Sorge, finanziell in Bedrängnis zu geraten. Viele Studenten helfen nebenbei in Restaurants oder Bars oder anderen Sektoren aus, die stark unter der Covid-Krise litten. Die ACEL hat sich daraufhin mit dem Hochschulministerium zusammengesetzt. Beide Forderungen des Dachverbands wurden umgesetzt: die Beihilfe für Härtefälle (1.000 Euro, zur Hälfte als Darlehen) wurde ausgeweitet und Studierenden ermöglicht, für ein zusätzliches Semester Studienbeihilfe zu beantragen, wenn die Studienzeit durch die Coronakrise in die Verlängerung gehen muss. Die Anpassung des Studienbeihilfengesetzes tritt nach Angaben der ACEL heute in Kraft.
Ob die erweiterten Bedingungen für den Härtefallantrag auch noch im Wintersemester gelten sollten, schließt die ACEL nicht aus. Kinn sagte dem „Journal“, viele Studenten werden über den Sommer Schwierigkeiten haben, Arbeit zu finden. Die Dachverband, der mehr als 40 Studentenvereinigungen vertritt, sei im „konstanten Kontakt“ mit dem Hochschulministerium, um gegebenenfalls zu reagieren.

Europäische statt nationale Lösungen

Sorgen bereiten der ACEL die erneuten Einreisebeschränkungen im Zuge der steigenden Infektionszahlen in Luxemburg und der Einstufung des Großherzogtums als Risikogebiet. ACEL-Präsident Sven Bettendorf berichtete gestern von Fällen, in denen Studierende Klausuren nicht schreiben konnten, weil ihnen der Zutritt zum Uni-Gebäude verwehrt wurde. So kritisiert die ACEL, dass vereinzelte Universitäten in ihren Bestimmungen weiter gingen als ihre Bundesländer. Mit dem luxemburgischen Außenministerium habe man schnell Lösungen finden können. Unter anderem war es den Studierenden möglich, sich kostenlos auf das Coronavirus testen zu lassen. Die ACEL hofft, dass dieses Angebot mit der neuen, für Urlauber eingerichteten Webseite auch weiter gilt. Dem Dachverband der luxemburgischen Studentenzirkel ist indes kein Land bekannt, in denen ausländischen Studenten die Einreise grundsätzlich untersagt wäre.
 Der Dachverband weiß bislang lediglich von Fällen, in denen die Einreise beschränkt oder mit einer Quarantäne belegt wird. „Noch nicht zu 100 Prozent klar“ sei, wie es mit den USA aussieht, sagte Bettendorf. Die US-Regierung hatte angekündigt, Studierende aus Europa vom Einreiseverbot ausklammern zu wollen, wie das „Wall Street Journal“ berichtete. Die „Zeit“ meldete Mitte Juli mit Verweis auf das US-Außenministerium, das sei inzwischen der Fall. Mit einem Visum der Kategorie F-1 oder M-1 könnten Studierende aus Europa demzufolge eine US-Uni besuchen.
Für die ACEL-Führung steht jedenfalls fest, dass mit nationalen Alleingängen Schluss sein muss. Weil die Corona-Pandemie uns noch lange begleiten wird, fordert sie eine „europäische Antwort“. Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums lehnt sie ab.
Die erste Schließung der Grenze zu Deutschland hatte zur Folge, dass knapp 4.500 luxemburgische Studierende nicht in ihre Uni-Stadt zurückkehren konnten. Nach Einschätzung der ACEL hat das der Eindämmung der Pandemie nichts gebracht, die luxemburgische Bevölkerung wurde aber diskriminiert, weil die Grenzen zu den Niederlanden und Belgien offen blieben. Ihre Meinung ließ die ACEL auch den deutschen Innenminister Horst Seehofer wissen. Eine Antwort auf diesen Brief erfolgte nicht.