LUXEMBURG
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„Lëtzebuerger Flüchtlingsrot“ stellt konkrete Forderungen an Regierung

2017 wurden 68 Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben, 25 Millionen davon waren Geflüchtete, unter Letzteren wiederum sind 52 Prozent Kinder. 85 Prozent der Geflüchteten werden am Ende von Ländern mit niedriger oder mittlerer Wirtschaftsleistung aufgenommen, soweit die Zahlen des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen. Der Verband „Collectif réfugiés Luxembourg - Lëtzebuerger Flüchtlingsrot“ (LFR) will die Situation der ins Großherzogtum geflüchteten Menschen verbessern.

Schlepperbanden sind keine Lösung

Doch die Sicht des LFR auf die Situation in Europa ist pessimistisch. „Im Moment sind in vielen europäischen Ländern rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch, was dazu führt, dass wir keine Antworten auf die drängenden Fragen bekommen“, erklärt Paul Estgen, Projektkoordinator von „Reech eng Hand“, dem Flüchtlingsprojekt der katholischen Kirche in Luxemburg. Wichtig sei, Migranten nicht mit Flüchtlingen aus Kriegsregionen zu verwechseln. Des Weiteren betont Estgen, dass es eine Möglichkeit geben müsse, mit der Flüchtende legal nach Europa kommen und ihren Flüchtlingsantrag stellen können, Schlepperbanden seien dafür keine Lösung. Estgen äußerte auch seine große Überraschung über die luxemburgische Zivilgesellschaft im positiven Sinne, da sie sich enorm für Flüchtlinge eingesetzt habe. Marie-Cécile Charles von der Caritas erinnert hier daran, dass in Luxemburg die Anerkennungsquote bei 46 Prozent liegt, wodurch eine bessere Integration erst recht von großer Bedeutung sei.

Um dies auch tatsächlich zu erreichen hat der FLR eine Reihe von Forderungen an die - derzeitige und kommende - luxemburgische Regierung formuliert: Einhaltung der sechsmonatigen Bearbeitungsfrist der Anträge auf internationalen Schutz, ein System der Rückverfolgbarkeit, das es erlaubt, den Bearbeitungsstand nachzuverfolgen, zudem mehr Personal in den entsprechenden Verwaltungen und angemessene Weiterbildung für die damit beauftragten Mitarbeiter.

Belgier als Vorbild

Sérgio Ferreira vom Asti gibt zudem zu Bedenken, dass es für „gefängnisähnliche“ Abschiebezentren bessere Alternativen braucht: bisher lauten diese 5.000 Euro Kaution oder eine Fußfessel. Ein gutes Beispiel könne die belgische Praxis sein, nach der Sozialarbeiter den Abzuschiebenden psychologischen Halt geben und ihnen eine neue Perspektive vermitteln sollen.

Der „Lëtzebuerger Flüchtlingsrot“ setzt sich aus verschiedenen Mitgliedern zusammen: Amnesty International, ACAT, Asti, Caritas, Clae, Cefis, Passerell, „Reech eng Hand - Tends la main“, „Médecins du Monde“ und UNHCR als beobachtendes Mitglied.


Weitere Infos unter www.lfr.lu