PASCAL STEINWACHS

Genauso, wie er seit seinem Amtsantritt überall in der Welt rumzupoltern pflegt, als sei er eine Kreuzung aus republikanischem Elefant (im Porzellanladen) und demokratischem Esel, genauso krawallig hat sich der sogenannte US-Präsident erwartungsgemäß auch bei seiner Jungfernrede vor den Vereinten Nationen benommen. Nachdem er die Vereinten Nationen zuerst als zu bürokratisch und schlecht geführt kritisiert hatte, und dabei, ganz der Geschäftsmann, monierte, dass die Ergebnisse nicht den Investitionen entsprechen würden, fiel ihm dann aber noch ein - und auf die Peitsche folgte das Zuckerbrot - , dass er vielleicht auch einige versöhnliche Töne anschlagen müsse, so dass er UN-Generalsekretär Guterres als „fantastisch“ bezeichnete, da dieser, und das las er wahrscheinlich vom Teleprompter ab, die Vereinten Nationen effizienter gestalten wolle.

So richtig auf drehte Donald Trump dann aber erst bei der Generaldebatte tags darauf, als er Nordkorea mit „totaler Zerstörung“ drohte, und seinen Lieblings-Sparringspartner Kim Jong-Un als „Raketenmann“ bezeichnete, der auf einem selbstmörderischen Weg sei. Den Iran bezeichnete Trump indes als wirtschaftlich ausgelaugten Schurkenstaat, der vor allem Gewalt exportiert, derweil er zur Zukunft des Atomabkommens signalisierte, dass die USA sich nicht länger daran gebunden fühlen könnten, was weitaus dramatischere Folgen für die Weltpolitik haben könnte, als das Säbelgerassel mit Pjöngjang. Beide Länder zeigten sich aber, zumindest nach außen hin, von den jüngsten Trump-Pöbeleien unbeeindruckt, und pöbelten ebenso zurück: Nordkoreas Außenminister tat die Drohung Trumps als „Hundegekläff“ ab („Falls er denkt, er kann uns mit dem Klang von Hundegekläff verängstigen, so ist das wirklich der Traum eines Hundes“); Irans Führer Chamenei bezeichnete die Trump‘sche Rede als Zeichen seiner Wut und „Leichtigkeit des Gehirns“.

Dass zur gleichen Zeit, wo sich die drei Länder in der Öffentlichkeit an die Gurgel gehen, im UNO-Hauptquartier am East River jedoch weiterdiskutiert wird, als wäre nichts geschehen, dürfte deutlich machen, wie wichtig die Vereinten Nationen auch heute noch sind, egal welche Knalltüten in der Welt gerade das Sagen haben. So erinnerte der Präsident der Vollversammlung, der Slowake Miroslav Lajcak, dann auch in seiner Rede daran, dass sogar Vertreter von Ländern „mit grundlegend unterschiedlichen Meinungsverschiedenheiten über fundamentale Dinge“ in New York nebeneinander säßen.

Zuweilen kann es während der Vollversammlung der Vereinten Nationen aber auch zu surrealistischen Momenten kommen, so wie am Mittwoch, als der südafrikanische Präsident Zuma bei der Generaldebatte die Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung in Afrika anprangerte, dabei aber selbst gerade erst ein Misstrauensvotum überstanden hatte, da ihm Korruption und Machtmissbrauch vorgeworfen wurden.

Für Luxemburg ergriff übrigens gestern Abend (New Yorker Zeit) Außenminister Asselborn das Wort, nachdem Premier Bettel, der sich gerade in den USA aufhält, bereits Anfang der Woche den Debatten beiwohnte. Die Vereinten Nationen werden mit Sicherheit auch Donald Trump überleben...