LUXEMBURG
MARCO MENG

IBCL: Chancen für europäische Unternehmen in Indien

Klimaveränderung, der hohe Verbrauch an nicht erneuerbar produzierter Energie, Bevölkerungswachstum und eine veraltete Infrastruktur, das sind die Probleme, denen sich Regierungen, Unternehmen und jeder einzelne gegenüber sieht. Welche wirtschaftlichen Kooperationsmöglichkeiten sich daraus zwischen der EU und dem bald bevölkerungsreichsten Staat der Erde, Indien, ergeben, aber auch zwischen Luxemburg und Indien direkt, dazu veranstaltete die Indian Business Chamber of Luxembourg (IBCL) gestern einen Diskussionsabend mit dem Motto „Developing Smart Cities“. Smart City bezeichnet die Idee, mit digitalen und innovativen Technologien die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen, mit denen Gesellschaften konfrontiert sind, zu meistern. Dabei geht es nicht nur um Einzellösungen, sondern um gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die urbane Wohnräume effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver gestalten.

Philippe Dubernard, bei IBM verantwortlich für Analytics Smarter Cities, weist darauf hin, dass 2007 zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten gelebt hat. Für 2050 sei ein Anteil von 70 Prozent prognostiziert. Dubernard verdeutlicht, wo die Brennpunkte liegen: 20 bis 35 Prozent des Trinkwassers geht durch Lecks in den Versorgungsleitungen verloren; und allein in Belgien, ein Beispiel von vielen, wird der Verkehr bis 2030 um 70 Prozent zunehmen.

Transport, Energie und Cleantech

Neben Heike Carl Zatterstrom von Boson Energy und Latif Ladid von IPv6 Forum, die in das Konzept „Smart City“ einführten und Geschäftsmöglichkeiten hiesiger Unternehmen in Indien unterstrichen, stellte Philippe Adriaenssens, zuständig für internationale Angelegenheiten der Eurochambers Brüssel, der EU-Vereinigung der nationalen Handelskammern, das European Technology Experience Centre (ETEC) vor, das sich als Referenzzentrum zur Förderung der europäischen Cleantech-Industrie in Indien versteht und sich zusammen mit einer Reihe von europäischen Cleantech-Unternehmen in Indien engagiert. Das ETEC will europäischen Unternehmen helfen, das richtige Projekt zu finden sowie den richtigen lokalen Geschäftspartner und berät auch zu bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten.

Laut Adriaenssens waren beim „Matchmaking“-Event im Mai 43 europäische Unternehmen aus elf Ländern vertreten. Wie Adriaenssens erklärt, hat sich Indiens neue Regierung das ambitionierte Ziel von „100+ smart cities“ durch Investitionen von etwa einer Billion Euro über die nächsten 20 Jahre gesetzt.

Der Subkontinent zählt heute schon mehr als 50 Millionenstädte. Nach UN-Schätzungen werden zwischen 2015 und 2050 noch einmal 404 Millionen Bewohner in diesen Städten hinzukommen. Smart Cities - ökonomisch wird dieser Markt auf 40 bis 45 Milliarden Euro beziffert-, sollen Druck von den aus den Fugen geratenden Metropolen nehmen. Durchgeplant und mit modernen Technologien vernetzt, energieeffizient sowie mit öffentlichem Nahverkehr ausgestattet: Umgerechnet eine Milliarde Euro sind im indischen Haushaltsplan 2014-15 für Smart Cities eingeplant.

Adriaenssens zeigt mit dem Beispiel des ETEC die Möglichkeiten auf: Mit bereits 39 Partnern in Europa und Indien ist das ETEC in Neu Delhi, Bengaluru, Kalkutta und Mumbai vertreten, wo es die Kooperation europäischer Firmen auf dem indischen Cleantech-Markt fördert. 54 Projekte bestehen: Bei zweien geht es um intelligente Transportsystemlösungen, 18 bestehen im Bereich Biotechnologie, 21 in Energie und 13 im Umweltschutz. Eine der Erfolgsgeschichten, die Adriaenssens präsentierte, ist eine Vorrichtung zur Wasserqualitätsüberwachung, das in Echtzeit das Wasser auf Bakterien- und andere Belastungen überprüft.