CLAUDE KARGER

Eine historische Woche geht zu Ende. Eine Woche des politischen Wechsels. Erstmals in der Geschichte des Landes übernimmt, mit äußerst solidem Rückhalt der jeweiligen Parteibasis, eine Koalition aus den gleichberechtigten Partnern DP, LSAP und „déi gréng“ Regierungsverantwortung. Die Grünen stellen 30 Jahre nach ihrer Gründung zum ersten Mal Minister. Erstmals seit 1974-1979 steht wieder eine Majorität ohne die CSV, die sich in der Rolle der größten Oppositionspartei im Parlament wieder findet. Ein Parlament, das sehr viele neue Gesichter zählt. Junge Gesichter.

Kein Zweifel: Es findet gerade ein Generationswechsel in der Luxemburger Politik statt. Eine Zäsur, die dem Land gut tut. Die Aufbruchstimmung ist deutlich zu spüren. Und mit ihr steigen die Erwartungen, vor allem natürlich an die neue Regierungsmannschaft, die überwiegend aus „Newcomern“ besteht, die aber alles andere als „Greenhorns“ in der Politik und in ihren Kompetenzbereichen sind, als die sie Manche zu verunglimpfen versuchen. Eine Regierung, die als Mannschaft auftritt und sich eine „horizontale Arbeitsweise“ - so Premier Bettel, ein absoluter Gegner von „Silo-Mentalitäten“ - geben will. Im Klartext: Tagtäglich solidarisch und mit vollem Einsatz für die Zukunft des Landes zusammenarbeiten. Kein Zweifel, dass das unter Bettel-Schneider-Bausch klappen wird und das ambitiöse Regierungsprogramm auch umgesetzt werden wird.

Die Offenheit, die Fairness und das Engagement, die die Partner von Anfang an, an den Tag legten ist ein derartiger Stilbruch mit dem bisherigen Koalitions-Funktionsmodus - große CSV zeigt dem kleinen Koalitionspartner wo‘s lang geht - dass einige Kommentatoren nicht mehr mitkommen. Vor allem Leitartikler der Erzbistumszeitung tun sich schwer mit der Vorstellung, dass die Koalitionäre keine machtpolitischen Spielchen mehr spielen wollen, wie es die CSV ständig tat. Gestern machte sich das „Wort“ wieder Überlegungen darüber, wer von den Parteien denn nun am meisten ins Koalitionsprogramm eingebracht habe und streut erneut Zweifel über die Kompetenzen verschiedener Regierungsmitglieder. Da wird sogar der Verdacht geäußert, dass Claude Meisch sich mit dem Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend, Hochschule und Forschung „einen bequemen Job“ verschafft habe.

Dabei beweist allein die Fülle der Aufgaben, die Meisch und Staatssekretär André Bauler zu bewältigen haben, dass das kein Spaziergang wird. Außerdem ist dieses „Superministerium“ eines der wesentlichsten, wenn nicht gar das wesentliche für die Zukunft des Landes: Hier werden die Weichen gestellt, um den künftigen Generationen die besten Möglichkeiten für ihre Entfaltung zu bieten.

Die Regierungsmitglieder sollten sich nicht von diesen Stänkereien und Attacken beirren lassen. Die Minister müssen erst einmal eine Chance bekommen, sich vollständig einzuarbeiten.

Man messe die Leute an ihren Resultaten. Und lasse ihnen die hundert Tage „Schonfrist“, die bislang jeder Regierung zuteil wurde.

A propos hundert Tage: So lange wird übermorgen bereits der „Bommeleeër“-Prozess gedauert haben. Ein Prozess, in dem die höchsten Verantwortungsträger damals in der Gendarmerie ein höchst desolates Bild abgeben. Aber man spürt: Der Bleideckel auf der Affäre bröselt jeden Tag mehr. Es würde der guten Atmosphäre im Land noch besser tun und würde das Vertrauen in den Rechtsstaat definitiv stärken, wenn er endlich zerspringt und die wahren Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.