PASCAL STEINWACHS

Derweil sich in unseren Breitengraden - sollte es denn tatsächlich noch Katholiken geben, die sich an so was halten - auf das Ende der Fastenzeit gefreut wird (Gründonnerstag endet traditionell die Fastenzeit und das Osterfest bricht an), und das ganze Jahr über immer mehr Leute viel zu viel Geld ausgeben, um möglichst wenig zu essen und abzunehmen, soll es auch noch Länder auf dieser Welt geben, in denen man glücklich wäre, hätte man genug zu essen, und hätte man ein paar Kilo zu viel.

So schlug der UN-Nothilfekoordinator dieser Tage nach einem Besuch in Somalia und im Südsudan im UN-Sicherheitsrat (das ist das Gremium, in dem Russland jetzt bereits zum achten Mal mit seinem Veto eine Syrien-Resolution blockiert hat) Alarm, stünde die Welt doch vor der größten humanitären Krise seit Gründung der Vereinten Nationen. Bis zu 16 Millionen Menschen sind am Horn von Afrika, in Jemen und in Nigeria in den kommenden Monaten vom Hungertod bedroht.

Laut UN-Generalsekretär Guterres würden mindestens 4,4 Milliarden Dollar benötigt, um eine Katastrophe in diesen Ländern noch zu verhindern - eingegangen sind bislang jedoch erst zehn Prozent der benötigten Summe -, und genau zu diesem Zeitpunkt will die Regierung unter US-Präsident Trump die Hilfszahlungen drastisch einschränken, wobei die USA traditionell die größten Geldgeber der Vereinten Nationen sind.

Sollte der sogenannte Präsident also Ernst machen und dann auch noch grünes Licht vom Kongress erhalten, dann könnte das weitreichende Folgen haben, rechnen Experten in diesem Fall doch mit einer um sich greifenden Hungersnot, einer Flüchtlingswelle in Richtung Europa und einer möglicherweise zunehmenden Unterstützung für islamistische Gruppen. Die Flüchtlinge würden versuchen, nach Libyen zu gelangen, wo wiederum - alles hängt in dieser Welt ja irgendwie zusammen - die Terrormiliz Islamischer Staat Geld mit dem Schmuggel von Menschen nach Europa verdienen würde.

Dass die EU nun auf einmal in Libyen helfen will - der EU-Treuhandfonds für Afrika hat diese Woche ein Programm in Höhe von 90 Millionen Euro für einen besseren den Schutz von Migranten und die Steuerung der Migrationsströme in Libyen angenommen -, hat denn auch nichts damit zu tun, dass die Europäer plötzlich ihre Liebe zu Libyen entdeckt hätten, sondern entspringt reinem Eigennutz, geht es doch darum, den Zustrom von Migranten über das Mittelmeer einzudämmen.

Und dass Luxemburg ein Prozent seines Bruttoinlandprodukts für die Entwicklungshilfe ausgibt, dürfte übrigens ebenfalls nicht nur auf reine Menschenliebe zurückzuführen sein, sondern beschert unserem Land, das wegen seiner erfolgreichen Nischenpolitik ja immer noch teilweise als Parasit angesehen wird, dringend benötigte Pluspunkte in der internationalen Gemeinschaft.

Und dann kam gestern Nachmittag auch noch die Nachricht, dass vor der libyschen Küste wieder einmal ein Flüchtlingsboot gekentert ist - knapp 100 Flüchtlinge werden noch vermisst. Frohe Ostern...