LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Raymond Niesen und Martinho Santos Silva leiten ein Geschäft für Büromöbel - und freuen sich nach Ärger um Importe auf den Neustart

Mit der Öffnung der Geschäfte am Montag kann auch Raymond Niesen seinen Laden wieder aufschließen. Seit der Gründung 1984 leitet er „Burotrend“, einen Fachhandel für Büromöbel in Luxemburg, der sowohl Privat- als auch Geschäftskunden beliefert. Da viele Lieferanten im Ausland sitzen, waren für Niesen die letzten zwei Monate ein Problem, wie er erzählt.

Herr Niesen, wie haben Sie die letzten zwei Monate erlebt?

Raymond Niesen Burotrend musste genau wie die anderen Geschäfte schließen. Wir haben uns aber mit den 30 Mitarbeitern von vorne herein mindestens zweimal die Woche innerhalb der verschiedenen Abteilungen getroffen. Das größte Problem war die Logistik. Als namhafter Büroeinrichter bestellen wir Ware aus dem Ausland. So kamen hier fast 270 Schreibtische und 500 Stühle an, die direkt beim Kunden angeliefert werden sollten. Doch die Baustelle war zu. Da stellte sich die Frage: Wohin damit? Das ist ja eine Menge Neuware, deren Lagerung nicht eingeplant war. Wir haben dann alte Lagerbestände geräumt und mussten leider teilweise die Ware wegwerfen, um Lagerkapazitäten zu schaffen für die anstehenden Lieferungen. Andererseits hatten wir auch Kunden, die beliefert werden wollten, aber für die die Ware nicht angeliefert worden war. Da hingen Lkw an der Grenze fest oder die Produktion in Italien lief nicht mehr. Das waren unsere größten Probleme. Aber wir haben sie gemeistert und täglich geschaut, was ansteht.

Sind die Logistikprobleme vorbei?

Niesen Wir können das Geschäft jetzt wieder öffnen. Doch Logistikprobleme gibt es noch. Nicht jeder lässt uns beispielsweise herein. Manche Privatleute haben Angst, obwohl wir über Masken und Handschuhe verfügen. Dann gibt es Probleme an der Grenze zu Deutschland, da geht es teilweise unmöglich zu. Ich wurde drei Mal zurück geschickt, obwohl ich dort eine Halle habe. Meine Gründe seien nicht ausreichend, wurde mir gesagt. Jetzt hat das jedes Mal, wenn ich den Ausweis zücken muss, einen bitteren Beigeschmack. Doch nach dem 15. Mai soll das ja vorbei sein.

Das klingt wie Ende gut, alles gut.

Niesen Das Problem stellt sich für mich aber anders: Was kommt danach? Wir haben zwei Monate nichts verkauft, außer Aufträgen, die vorher schon liefen. Es wird noch ein Auftragsloch kommen, denke ich. Aber dennoch denke ich: Hurra, wir leben noch. Und wir sind gesund.

Wie sieht es mit den anderen Mitarbeitern aus?

Niesen Ein Teil der Mitarbeiter ist noch im Familienurlaub, ein weiterer Teil in Kurzarbeit. Wir rechnen jeden Monat ab, wer wann wie lange da war. In dieser Hinsicht spreche ich ein großes Lob an die Regierung aus. Das klappt einwandfrei und schnell mit den Rückerstattungen, sowohl für die Kurzarbeit, als auch für das Krankengeld und den Familienurlaub. Ein weiteres dickes Lob spreche ich unseren Vermietern aus, die uns auch sehr großzügig entgegen gekommen sind.

Wie verläuft der Start am Montag?

Niesen Jetzt müssen sich alle daran gewöhnen, wieder zusammen zu arbeiten. Wir machen das mit einem deutlichen Mehraufwand mit Blick auf Desinfektionsmittel und so weiter. Wir haben direkt am Anfang Masken erhalten und auch Handdesinfektionsmittel. Zehn unserer Leute sind im Außendienst auf Montage. Das ist überschaubar. Jedenfalls sind wir froh, dass es wieder losgeht.