DÜDELINGEN
CORDELIA CHATON

Digitalisierungs-Projekt mit Siemens und dem Wirtschaftsministerium

Der kanadische Spritzgussmaschinenkonzern Husky hat in seiner Luxemburger Produktionsstätte in Düdelingen ein neues Verfahren eingeführt, dass erhebliche Zeiteinsparungen und weitere Vorteile bringt und Digitalisierung umsetzt sowie neue Technologien nutzt. Gestern stellte das Unternehmen das Vorzeigeprojekt namens „Factory of the future“ in Anwesenheit von Wirtschaftsminister Etienne Schneider sowie Siemens-Vorstand Klaus Helmrich der Presse vor Ort vor. Husky produziert
seit 1984 im Düdelinger Werk Maschinen zur Herstellung von Kunststoffflaschen für Getränke, Shampoo, Medikamente, und andere Waren.

Wie wichtig das Projekt für Husky Injection Molding Systems ist, wurde schon durch die Anwesenheit von Husky-CEO und President John Galt klar, der eigens aus dem kanadischen Bolton/ Ontario angereist war. „Statt 45 Tagen brauchen wir jetzt 17 Minuten, um zu wissen, welche Form ein Kunde will“, erklärte er. „In rund 20 Minuten haben wir dank der digitalisierten Oberfläche eine ideale Lösung.“ Der Vorgang ist vergleichbar mit der Personalisierung eines Etiketts für Artikel im Drogeriemarkt. Der Kunde gibt Parameter wie Form oder Gewicht der Verpackung ein und erhält eine direkte Rückmeldung. Dieser Prozess benötigt sonst sechs bis acht Wochen. Die Digitalisierung ermöglicht eine Simulation des Produkts, bevor es gefertigt wird.

Vorteil gegenüber der chinesischen Konkurrenz

Galt sieht das Verfahren als klaren Standortvorteil gegenüber der asiatischen und insbesondere der chinesischen Konkurrenz, die auf Billigprodukte setzt. „Wir sind flexibler, das Produkt liegt schneller vor, die Qualität ist besser und die Sicherheit höher. Erstmals ist es möglich, Flexibilität und Effizienz so zu steigern“, sagte er. Gleichzeitig hätten die Kunden dadurch Vorteile. Husky hat rund 15 bis 20 Millionen Euro investiert, davon elf Millionen Euro in die Forschung . Galt geht davon aus, dass er ab 2020 mit Kosteneinsparungen von 20 Prozent durch das Projekt rechnen kann. „Das eröffnet uns neue Märkte.“

Husky will mindestens die Hälfte seines Umsatzes, der auf rund 1,3 Milliarden Dollar für 2017 geschätzt wird, durch das neue Verfahren erwirtschaften. Es soll rasch auf andere Standorte übertragen werden. Husky ist an rund 40 Standorten mit Vertretungen präsent und beschäftigt etwa 4.000 Mitarbeiter weltweit, davon 918 in Luxemburg. In Düdelingen werden rund 385 Millionen Dollar umgesetzt. Husky unterhält neben Luxemburg Werke in Österreich, der Schweiz, China, Indien und Tschechien.

Wachstum ohne negative Effekte

Laut Wirtschaftsminister Etienne Schneider hat die Regierung das Projekt mit 3,4 Millionen Euro gefördert. Sein Ministerium unterstützt das Projekt seit dem Start 2017. Im Rahmen des „Digital Skills Bridge Program“ wurden Husky-Mitarbeiter geschult, um sie auf die Arbeit in Zeiten der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz vorzubereiten. „Wachstum ist eine Herausforderung für Luxemburg“, unterstrich Schneider, für den das Projekt ein gutes Beispiel der digitalen Innovationsstrategie des Landes im Bereich Industrie 4.0 ist. Hier sei es gelungen, Wachstum ohne negative Effekte zu generieren. Jetzt könne man das Husky-Projekt auch im Ausland vorweisen.

Husky nutzt gemeinsam mit seinen Kunden eine Internet-of-Things-Plattform von Siemens namens MindSphere. „Das ist ein Verein, dem jeder beitreten kann“, erklärte Siemens-Vorstand Helmrich. Er will das Verfahren auch auf andere Länder wie Belgien oder Singapur ausdehnen. Helmrich verwies auf eine McKinsey-Studie, laut der durch Digitalisierung in Europa ein zusätzliches Wachstum von 2,5 Billionen Euro möglich sei.

„Factory of the Future“

Das Projekt „Factory of the Future“ lief schnell ab. Ende 2016 fanden erste Gespräche mit Luxinnovation statt, der staatlichen Innovationsagentur. Dann kam Siemens hinzu und Anfang 2018 wurden schon die ersten Pilotprodukte gefertigt. Jetzt ist das Verfahren im Einsatz. Ganz verschwinden werden bisherige Verfahren aber nicht. Galt geht davon aus, dass rund 20 Prozent der Produkte nach herkömmlichem Muster gefertigt werden; vor allem bei Produkten, die komplizierter sind.