LUXEMBURG
MONIQUE MATHIEU

Interview mit dem Erzbischof über Berufungen und Trennungen, Missbräuche und Zukunftsaussichten

Seit nunmehr fast acht Jahren steht Jean-Claude Hollerich als Erzbischof der Luxemburger Diözese vor. In dieser Zeit hat sich sehr viel getan: Durch die Unterzeichnung einer Konvention vor vier Jahren wurde die Auflösung der jahrhundertealten Verbindung von Kirche und Staat in Luxemburg in die Wege geleitet. Kurz vor Ostern blicken wir mit Erzbischof Hollerich zurück auf die letzten Jahre, aber auch nach vorne, und gehen der Frage nach, wo die Kirche in Luxemburg heute steht.

2011 sind Sie Erzbischof von Luxemburg geworden. Die Ernennung war im Juli, die Weihe im Oktober. Damals war Ihr Name in Luxemburg nicht bekannt: Sie kamen quasi aus einer anderen Welt zurück in die Heimat. Bei Ihrer Vorstellung sagte Ihr Vorgänger Mgr. Franck, Sie seien aus Ihren damaligen Aufgaben „erausgerappt ginn“. Wie wurde Ihre Berufung nach Luxemburg innerhalb der hiesigen Kirche aufgenommen und wie überrascht waren Sie selber?

Zum damaligen Zeitpunkt war ich Vizepräsident und Verwaltungsratmitglied der Sophia-Universität in Tokio, einer Universität mit 14.000 Studenten, die zu den 13 Exzellenzzentren in Japan zählt.
Die Frage, ob ich das Amt des Erzbischofs in Luxemburg antreten wolle, wurde mir eine Woche vor der offiziellen Bekanntgabe gestellt. Ich musste mich also quasi sofort für ein Ja oder ein Nein entscheiden. Nach kurzer Überlegung hielt ich mich an Ignatius von Loyola, dem Mitbegründer des Jesuitenordens: Wenn man zwischen zwei Aufgaben entscheiden muss, sollte man die Schwierigste wählen. Ich hatte damals ein gutes Gespür!

In der Tat! 2015 unterzeichneten Sie, zusammen mit den Vertretern von drei weiteren Religionsgemeinschaften, eine Konvention mit dem Luxemburger Staat und besiegelten damit den Anfang vom Ende der staatlichen Kirche. Wäre es - ohne Ihre Unterschrift - zu einem Exit mit no-deal gekommen?
Das ist ziemlich wahrscheinlich. Die Trennung von Kirche und Staat war notwendig, wenn nicht sogar überfällig: Ich sehe den Schritt als eine normale Anpassung an die heutigen Gegebenheiten. Natürlich hat die eine oder andere Regelung wehgetan. Es wurde hart aber fair verhandelt, es wurden Kompromisse gefunden.

Was hat denn wehgetan?

Zunächst einmal der Wegfall des Religionsunterrichts in der öffentlichen Schule; dann die Regelung, dass die Kirche für die Nutzung der Kirchengebäude eine Gebühr entrichten muss. Auf Dauer werden unsere finanziellen Mittel nicht ausreichen, um alle „Mieten“ und die Unterhaltskosten begleichen zu können, sodass wir Kirchen als sakrale Orte aufgeben müssen. Dies ist vermutlich, was mit dieser Regelung bezweckt wurde. Aber die Regierung ließ in diesem Punkt nicht mit sich verhandeln, es war „Vogel friss oder stirb“.
Der Brand am Montag in der Kathedrale Notre-Dame in Paris hat gezeigt, dass Kirchen eine starke Symbolik für die Menschen haben. In Luxemburg schenken wir diesem Aspekt nicht genügend Beachtung. Eine der wenigen, die dies verstanden hat, ist Stadtbürgermeisterin Polfer. Mit ihr ist gut zusammenarbeiten. Wäre es nur in allen Gemeinden so, ich würde besser schlafen!

Die Abschaffung der Zahlung der Priestergehälter durch den Staat hat Sie nicht so sehr gestört?£
Es scheint mir normal, dass die Kirche ihre Gehälter selber zahlt. Es wäre der Kirche jedoch nicht möglich gewesen, sofort die Gehälter all ihrer Beschäftigten zu übernehmen. Da die Übernahme nun progressiv erfolgt - alle Geistlichen und Laienangestellte, die bis 2015 im Dienst der Kirche standen, beziehen ihr Gehalt und ihre Rente weiterhin vom Staat -, wird die Kirche in Luxemburg dies stemmen können. Inzwischen beschäftigt die Kirche mehrere Menschen, die nicht mehr auf der staatlichen Gehaltsliste stehen.

Werden Sie der letzte Bischof sein, der ein Staatsgehalt bezieht?
Das kommt darauf an, ob der nächste Bischof vor 2015 im Dienst der Kirche in Luxemburg stand, oder erst danach aufgenommen wurde.

Sind Sie Bischof auf Lebenszeit?
Bis zu meinem 75. Lebensjahr! Bei Erreichen dieser Altersgrenze ist ein Bischof gebeten, dem Papst in Rom schriftlich seinen Wunsch mitzuteilen, in Rente gehen zu wollen. Tut er dies nicht, geht der Papst trotzdem davon aus, dass es an der Zeit ist, einen Nachfolger zu bestimmen. Und das ist gut so. Persönlich würde ich keinen Tag länger im Amt verbleiben wollen.

Wurde ein „Fonds de l’avenir“ geschaffen, so wie Sie dies 2015 anstrebten?
Hollerich Ja, dieser Fonds besteht, und ich überweise monatlich ein Zehntel meines Gehalts. Andere Priester tun dies ebenso. Doch wir müssen uns hier breiter aufstellen, und diesen Fonds bekannter machen, damit mehr Gläubige dazu beitragen, ihn zu speisen. Der Fonds dient dazu, eine Reserve und damit eine gewisse Sicherheit zu schaffen. Später kann der Ertrag dort genutzt werden, wo Not ist.

Einer der umstrittensten Punkte der Konvention war wohl die Bildung eines Kirchenfonds, die durch das Gesetz von Februar 2018 schlussendlich besiegelt wurde, und die damit einhergehende Abschaffung der Kirchenfabriken. Hat sich das Verhältnis Bistum/ehemalige Kirchenfabriken mittlerweile etwas entspannt?
Eine Reform des Kirchenfabrikwesens war überfällig. Das neue System erlaubt absolute Transparenz; heute kann man das Geld der anderen nicht mehr nach Gutdünken verwalten, ohne Rechenschaft abzulegen. Wobei ich die Arbeit der vielen Fleißigen in den Kirchenfabriken jetzt nicht schmälern möchte. Aber es gab auch Leute, die allein entschieden haben, was mit dem Geld zu geschehen hatte. Dieses System aus napoleonischen Zeiten gehörte abgeschafft!
Mittlerweile hat sich das Verhältnis tatsächlich entkrampft. Das neue System hat zu funktionieren begonnen, jeder findet seinen Platz. Die Leute haben in Zwischenzeit festgestellt, dass ich ihre Statuen nicht klauen werde - denn wirklich, das dachten einige. Ich will mich allgemein nicht in die Geschäftsführung des Fonds einmischen. Der Gesetzgeber lässt der Kirche die Freiheit, sich nach ihrem Ermessen zu organisieren, und ich habe entschieden, dass die Beschlüsse über die Verwendung der Gelder auf Ebene der Pfarrgemeinschaften getroffen werden. Der Kirchenfonds besitzt darüber hinaus einen Verwaltungsrat, der mein vollstes Vertrauen genießt. Dies bedeutet aber nicht, dass ich mich vor der Verantwortung, die ich für den Fonds trage, drücke. Ich kümmere mich um die Statuten, um Transparenz. Und ich möchte auch klar sagen: Wer mit den Geldern des Fonds zum Essen einlädt, der beklaut den Fonds. Derartiges Gebaren werde ich nicht dulden. Was nun die laufende Gerichtsaffäre anbelangt, so gehe ich nicht davon aus, dass die Kläger Aussicht auf Erfolg haben.

Wie wird sich die Kirche in Luxemburg allgemein in Zukunft finanzieren? Eine „Kirchensteuer“, so wie sie in Deutschland üblich ist, wurde in Luxemburg nicht erwogen.
Das hängt mit unserer Gesetzgebung zusammen. Anders als in Deutschland, ist die Religionszugehörigkeit eines Menschen in Luxemburg nirgends vermerkt. Es hätten demnach mehrere Gesetze abgeändert werden müssen; eine Kirchensteuer war lediglich von Seiten der protestantischen Gemeinschaft gewünscht. Demnach wurde dieser Gedanke nicht weiterverfolgt.
Mir schwebt eher ein „Denier du culte“ vor, wie in Frankreich: Die Gläubigen leisten, jeder nach eigenem Ermessen, eine jährliche Spende, damit die Priester und Mitarbeiter der Kirche ein Gehalt beziehen können.
Allgemein werden die Konten des Erzbistums (inklusive Lafayette SA und St. Paul Luxembourg SA) in einem jährlichen Bericht offengelegt. Zurzeit reichen unsere Finanzen noch aus. Ich muss manchmal lächeln, wenn das „Luxemburger Wort“ im „Lëtzebuerger Journal“ als Bistumszeitung betitelt wird. Ich mische mich jedoch nicht in das Tagesgeschäft ein, und sitze nicht im Verwaltungsrat.
Schließlich bin ich nicht nur der Bischof der Wort-Leser! Ich habe natürlich nichts gegen das LW. Ich lese alle Zeitungen on-line, und erhalte ein tägliches Pressebriefing. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn ich auf Reisen bin. Was ich aufgrund meiner Verpflichtungen u.a. als Vorsitzender der Europäischen Bischofskonferenz und rezent auch als Präsident der internationalen Messdienervereinigung, sowie anderer internationaler Verpflichtungen, öfters bin. Letzthin war ich in Washington, wo ich an einer Konferenz über Umwelt und Nachhaltigkeit im Amazonasgebiet teilnahm. In unserem Land sieht man den Platz der Kirche in solchen Fragen leider nicht.

Verschiedene Atheisten sind ob des „Deals“ zwischen Kirche und Staat nicht zufrieden, und veröffentlichen weiterhin geharnischte Streitschriften gegen die Kirche. Wie gehen Sie mit den teils aggressiven Äußerungen um?
In Luxemburg wird die Kirche oftmals in eine Rolle des Bösen gedrängt, es existiert eine Art Kirchenfeindlichkeit, die andernorts längst überlebt ist. Papst Franziskus steht für den Dialog und die Zusammenarbeit, damit es den Menschen auf der Welt gut geht. Ich erachte manche Leserbriefe als reine Frechheit. Zum Beispiel wurde schon einmal ein Amalgam zwischen Katechese (Unterricht der katholischen Lehre) und Kindesmissbrauch gemacht. Dabei geht in dieser Hinsicht keine wirkliche Gefahr mehr von der Kirche aus.

Wie können Sie da so sicher sein?

Mittlerweile muss jeder angehende Geistliche einen Psychotest machen; in den Präventionskursen für die kirchlichen Mitarbeiter wird das Thema offen angesprochen und darüber informiert, wie man Missbrauch erkennen kann und wi man in einem solchen Fall reagieren soll. Erwachsene müssen sich an einen neuen Verhaltenskodex halten.
Jeder ernsthafte Hinweis auf eine Straftat würde von uns umgehend der Staatsanwaltschaft gemeldet werden. Für mich steht in einem solchen Fall nicht der Ruf der Kirche im Mittelpunkt, sondern das Opfer. Ich fordere auch jeden auf, der von Vergehen oder Verbrechen innerhalb der Kirche weiß, sich direkt an die Staatsanwaltschaft zu wenden. Wer nur Gerüchte säen will, sollte indes schweigen.
Seit dem Sondergipfel in Rom wissen alle Bischöfe weltweit: es gilt Null-Toleranz, was Missbrauch angeht. Ich selber habe als Moderator eine der elf Arbeitsgruppen mit vor allem afrikanischen Bischöfen im Vatikan geleitet: Sie wollten den Missbrauch zuerst als europäisches Problem darstellen, wurden sich dann aber bewusst, dass die Kirche auf ihrem Kontinent genauso betroffen ist.
Innerhalb der Kirche soll der Mensch, egal welchen Alters, sich wohl fühlen und Vertrauen haben können.

In den letzten Monaten wurde auch der Missbrauch von Ordensschwestern und anderer, in der Kirche tätiger Frauen offengelegt. Ist Ihnen ein solcher Fall in Luxemburg bekannt?
Nein, bislang nicht. Ich bin aber froh, dass diese Problematik ebenfalls zur Sprache kommt. Es ist eine Frage von Machtmissbrauch. Dabei ist klar: gemäß der Lehre Christi sind Mann und Frau gleichgestellt. Die Priesterweihe von Frauen möchte ich einmal ausklammern, aber ich wünsche mir sehr, dass Frauen eine größere Rolle in der Kirche innehaben. Meine Entscheidung bei Amtsantritt, Frauen als „Déléguées épiscopales“ zu ernennen, ihnen also echte Mitbestimmungsrechte zu geben, stieß zunächst nicht bei jedem auf Begeisterung… Doch zählt die Luxemburger Kirche mehr engagierte Frauen als Männer. Und es tut ihr gut, dass Frauen ihre Erfahrungen einbringen, mitdiskutieren und mitentscheiden können. Während meiner Zeit in Japan - es waren insgesamt 24 Jahre - bin ich an der Sophia-Universität in Tokio vielen intelligenten Studentinnen begegnet, die besten Jobs erhielten späterhin aber die intelligenten jungen Männer anderer Universitäten. Das tat mir immer ein bisschen weh.

Sie sprachen von Machtmissbrauch. Überhaupt sind Kirche und Macht über den Menschen eng miteinander verknüpft. Wird dies immer so bleiben? Muss die Kirche nicht den Weg zu einem gewissen „Renouveau“ finden?
Die Kirche muss dem Menschen dienen! Ansonsten missbrauchen wir den Auftrag, den Christus uns gegeben hat. Der Klerikalismus meint, die Welt habe der Kirche zu dienen. Doch diese Auffassung führt in vielerlei Hinsicht zu Missbrauch. Entscheidungen sollen das Ende eines Diskussionsprozesses sein, nicht von oben herab gefällt werden. Es stimmt, dass der Anteil der praktizierenden Katholiken in Luxemburg weitläufig zurückgeht. Dort hingegen, wo es große Ausländergemeinschaften gibt, sind die Kirchen gut besucht. In der Hauptstadt beispielsweise finden mittlerweile drei englische Gottesdienste am Sonntag statt: die Kirchen sind jedes Mal voll mit Menschen. Dies gilt ebenso für andere Messen, die vor allem von Nicht-Luxemburgern besucht werden.

Sie selber scheinen ein freiheitsliebender Mensch zu sein. Steht dies nicht im Widerspruch zu Ihrem Stand?
Keine Liebe ohne Freiheit. Freiheit ist die Grundlage von Vertrauen. Was nun die Kirche angeht, so müssen wir die Diversität schätzen lernen, es gibt keine Uniformität mehr. Als Bischof obliegt es mir, die verschiedenen Positionen zusammenzubringen.

Ist dies immer möglich?

Nein, nicht immer. Ich bin nicht „Superman“.

Priester sein, so heißt es, ist eine Berufung. Doch ist der Priesterberuf nicht sehr attraktiv: ein strenger Arbeitsrhythmus, kaum Urlaub, und vor allem ein Leben in Keuschheit. Interessieren sich noch genug junge Männer für dieses Amt?
Einige Priester mehr, wäre nicht schlecht. Es gibt aber immer noch Anwärter: Demnächst werde ich einen Priester und vier Diakone weihen können. Priester werden, bedeutet mittlerweile gegen den Strom schwimmen. Das hat seinen Reiz.

Die Kirche in Luxemburg hatte neben der Glaubens- eine starke Funktion in Sachen Tradition. Geht diese Funktion, gehen die Traditionen verloren?

Sicherlich. Wir stehen vor großen Veränderungen. Für mich ist die Digitalisierung eine noch größere Erfindung als die der Druckerei, eher vergleichbar mit derjenigen des Rads. Um Bestand zu haben, müssen sich Traditionen anpassen. Was beispielsweise die Oktave angeht, so wird das Programm jedes Jahr neugestaltet.

Eine andere Tradition ist die Echternacher Springprozession. Wie viel Buße haben Sie nach Ihrem letztjährigen Ausspruch auf der Rednertribüne, es sei eine „Sauerei“, dass der Pfingstdienstag nicht schulfrei sei, getan?

Keine! Der von mir gebrauchte Ausdruck war im Vergleich mit Aussagen, mit denen verschiedene Vereinigungen die Kirche verunglimpfen, harmlos. Ich stehe weiterhin dazu. Die Echternacher Springprozession gehört zum Weltkulturerbe, hierüber eine Polemik vom Zaun zu brechen, war unnötig. Was die aktuelle Situation angeht, mag es schön und gut sein, am Pfingstdienstag über das Kulturerbe in den Schulen zu sprechen, doch was nützt es zu reden, wenn man die Tradition nicht achtet und daran teilnimmt, bzw. zusieht, wie sie zerfällt? In Echternach brauchen wir u.a. Musikanten, denn ohne Musik keine Prozession. Auf die Echternacher Springprozession werde ich übrigens sehr oft im Ausland angesprochen. Allgemein gesehen ist es mir ein Rätsel, wieso Luxemburg seine religiöse Vielseitigkeit nicht in seine „Branding“-Kampagne miteinfließen lässt.

Sie suchen die Nähe zur Jugend, und scheinen sich im Kreise junger Menschen am wohlsten zu fühlen - oder irre ich mich?
Der Kontakt zu jungen Menschen erlaubt es mir, selber jung zu bleiben. Ab einem gewissen Alter beginnt man zurückzublicken, das wäre in meinem Amt fatal. Und ich hätte das Gefühl, „soss verpassen ech d’Liewen“. Das wäre sehr, sehr schlimm.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Fach „WiSo“, das - als Ersatz von Religions- und Moralunterricht - nunmehr in unseren Sekundarschulen angeboten wird?

Das Programm ist seicht. 2015 war es der Wunsch der Religionsgemeinschaften, dass dieses Fach das Wissen über die Religionen, ihre Werte, Traditionen usw. fördern soll, d.h. informativ gestaltet werden sollte. Doch wurde die Einführung eines solchen Religionsunterrichts nicht zurückbehalten. Was dazu führen wird, dass das Wissen der jungen Luxemburger in diesem Bereich in Zukunft sehr gering sein wird. Wie aber will man die Welt verstehen, wenn man nicht über die Religionen Bescheid weiß? Ich finde, in einem solchen Fach müsste ebenfalls über Themen wie Digitalisierung und Demokratie gesprochen werden. Um Demokratie aufrechtzuerhalten, muss man sich damit auseinandersetzen.

Was war der bisher schwerste Moment in Ihrer Amtszeit?

Ganz klar der Streit mit dem SYFEL. Damit, dass die Trennung von Kirche und Staat zu Protesten führen würde, hatte ich gerechnet. Dass diese jedoch von innerhalb der Kirche geführt wurden, tat weh.

Und was war der schönste Augenblick?
Für mich ist jeder Moment schön, in dem ich Menschen begegnen, mich mit ihnen austauschen und mit ihnen zusammen sein kann. Deshalb bin ich ein froher Mensch. Ich mag keine Schlachten führen, und habe in Japan die Harmonie schätzen gelernt.

In einem 2015 veröffentlichten Interview habe ich gelesen, dass Sie keinen Führerschein, aber einen Chauffeur haben. Haben Sie auch Bodyguards (wie unser Premier)?

Ma gewass! Es wurde zwar schon einmal bei mir eingebrochen. Die Kompetenz und Freundlichkeit der Polizisten bei der Aufnahme des Falls hat mich beeindruckt. Was meinen Chauffeur angeht: Er ist mittlerweile mein Freund geworden, ich bin der Patenonkel seiner Tochter. Ich bin sehr dankbar für dieses kleine Privileg, denn es erlaubt mir, entspannt an jenen Orten anzukommen, wo die Menschen gewisse Erwartungen an mich haben.

Ihre Agenda ist in der Tat sehr gut gefüllt. Droht Ihnen nicht ein Burnout?
Bislang ist es auszuhalten! Ich scheine resistent zu sein.

Wie sehen Sie die Zukunft der Kirche in unserem Land?
Kleiner, aber lebendiger. Jetzt ist keiner mehr automatisch Teil der Kirche, er/sie muss sich bewusst hierzu entscheiden. Das kann der Kirche nur guttun.