LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Momente vom Lebensende eines Stars: Romy Schneider und „3 Tage in Quiberon“

In Deutschland war sie, ist sie und wird sie wohl für viele immer Sissi sein: Romy Schneider (1938 - 1982). Die Trilogie von Ernst Marischka über die österreichische Kaiserin Elisabeth, genannt Sissi, haftete in Deutschland an ihrem ganzen Leben. Nur in Frankreich kannte weiter niemand die Edelschnulzen aus Österreich, mit der Romy Schneider berühmt wurde. Hier konnte sie beweisen, dass sie eine der besten Schauspielerinnen in Europa war, und drehte mit Claude Sautet, Francis Girod, Andrzej Zulawski, Robert Enrico, Claude Miller oder Luchino Visconti und gewann zwei Césars als beste Schauspielerin. In Deutschland waren diese Filme, bis auf ein paar Ausnahmen, erfolglos, und auch die Kritik schien auf ihr Sissi-Image fixiert zu sein.

Eine Kur und ein Interview

Ein Jahr vor ihrem Tod verbrachte Romy Schneider (Maria Bäumer) ein paar Tage in der Hafenstadt Quiberon in der Bretagne. Sie machte hier in einem „Hôtel diététique“ eine Kur, um ihren Körper zu entgiften. Im Hotel checkt Hilde Fritsch (Birgit Minichmayr) ein, um ihre Jugendfreundin zu besuchen, die sich irrsinnig über ihr Kommen freut. Romy hat zwei „Stern“-Reportern ein Interview zugesagt, obwohl sie eigentlich Ruhe finden wollte.

Der Fotograf Robert Lebeck (Charly Hübner) ist ein guter Freund von ihr, während Michael Jürgs (Robert Gwisdek) in seinen Fragen kein Blatt vor den Mund nimmt, aber vergisst, dass die Zeit von „Sissi“ fast 30 Jahre zurückliegt. Immer wieder erklärt Romy, dass sie nicht Sissi ist, sondern eine 42-jährige Frau und Schauspielerin, die ihrem Beruf nachgeht. Derweilen hat sie Probleme mit ihrem Sohn David, der nicht mehr bei ihr wohnen will. Hilde versucht sie zu beruhigen, während Jürgs sie fast erbarmungslos ausquetscht. Das Interview zieht sich über drei Tage, daher auch der Filmtitel „3 Tage in Quiberon“. Emily Atef drehte den Film in schwarzweißen Bildern und schrieb das Drehbuch nach den Interviews des „Stern“-Reporters.

Maria Bäumer sieht aus wie Romy

Immer wieder wurde Maria Bäumer nachgesagt, sie sehe aus wie Romy Schneider. Das ist selbst auf den zweiten Blick nicht zu verleugnen. Sie spielt mit einem unglaublichen Selbstbewusstsein diese Schauspielerinnen-Legende, die über ein unwahrscheinliches schauspielerisches Talent verfügte, aber zwischen Ruhm und Tratsch und Klatsch aus der Regenbogenpresse gefangen war. Bäumer lehnte stets ab, Schneider in einer Biografie zu spielen. Den Film von Atef sieht sie als „einen stellvertretenden Moment“ an, und so akzeptierte sie die Rolle, für die sie dieses Jahr mit dem Deutschen Filmpreis als beste Schauspielerin belohnt wurde. Der Film gewann insgesamt sieben Auszeichnungen, unter anderem für den besten Film, die beste Regisseurin, und Minichmayr und Gwisdorf gewannen die Preise als beste Nebendarsteller. Der Film ist keine Biografie der Schauspielerin, sondern lediglich ein Frage-und-Antwort-Spiel, bei dem Schneider als verletzte Frau entlarvt wird, die nach außen aber stark sein will. Natürlich werden viele biografische Informationen genannt, die eher einem Filmfan etwas sagen werden, als einem Zuschauer, der eine Biografie über Romy Schneider sehen will. Vicky Krieps spielt übrigens eine kleine Nebenrolle, die eines Zimmermädchens. Auf der Insel Fehmarn wurde das „Haus des Gastes“ als Hotel umfunktioniert. Aber es wurde auch an Originalschauplätzen in der Bretagne gedreht.