PARIS
CHRISTIAN SPIELMANN

Begegnung mit Komponist und Librettist Michael Kunze

Das „Journal“ traf Michael Kunze im Pariser Théâtre du Mogador, wo kürzlich die französische Fassung von „Tanz der Vampire“ ihre Premiere feierte. Kunze ist der Autor der Texte von der englischen Originalfassung. Nach den vielen Interviews, die er auf Englisch gegeben hatte, war er erfreut, dass ihn der „Journal“-Kritiker auf Deutsch begrüßte. Auf seine musikalische Ausbildung angesprochen, meinte er: „Ich bin eigentlich ein totaler Autodidakt. Ich spiele Gitarre, ein bisschen Klavier. Aber ich bin kein richtiger Musiker. Ich bin ursprünglich Liedertexter.“ Aber er könne Noten lesen und glaube, dass er ein gutes musikalisches Gespür habe.

Die grundlegendste Veränderung bei der Pariser Fassung von „Tanz der Vampire“ sei für ihn, dass Krolock weniger bedrohlich wirke. Er habe einen gewissen Humor. „Die Figur, wie sie hier von Polanski gezeichnet wird, ist nicht so dunkel wie in Deutschland.“

In seiner ganzen Karriere hat er über viertausend Titel geschrieben, von denen fast 300 Hits waren. Daher die Frage: „Würde es Sie nicht reizen, eine Geschichte mit ihren Songs zu erzählen, also ein Jukebox-Musical?“. „Ich glaube nicht an Jukebox-Musicals“, lautete seine schnelle Antwort. Aber ist „Tanz der Vampire“ nicht auch ein Jukebox-Musical? Aus u. a. Bonnie Tylers Hit „Total Eclipse of the Heart“ wurde „Totale Finsternis“, aus Meat Loafs „Objects in the rear view mirror may appear closer than they are“ „Unstillbare Gier“ oder aus David Bowies „Little Bombardier“ der Titel „Wenn Liebe in dir ist“. „Ich komme mehr vom Theater, und ‚Tanz der Vampire‘ ist etwas anderes“, fuhr er fort. „Es ist ein eigenes Theaterstück geworden. Wir haben nur die Melodien verwendet, die Texte sind ja auch anders. In den Jukebox-Musicals sind die Lieder so wie sie sind.“

2006 wurde „Marie Antoinette“ und dieses Jahr „Lady Bess“ in Japan uraufgeführt. Was ihn nach Japan gezogen habe, wollten wir wissen: „Toho ist eine der größten Produktionsgesellschaften der Welt, vergleichbar etwa mit Disney. Sie haben eine Film- und eine Theaterabteilung. Sie haben uns den Auftrag gegeben. Wir bekommen sehr gute Bedingungen, deshalb haben wir es in Japan gemacht.“ Ob es bereits Pläne für die deutsche Fassung von „Lady Bess“ gibt, wollte er noch nicht verraten, da es noch nichts Konkretes gibt.