LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Romain Nettgen übergibt sein Amt als Generaldirektor der Polizei an Philippe Schrantz

Feierlich wäre eine Untertreibung. Die Amtsübergabe an der Spitze der Polizei lief nach einem militärischen Zeremoniell ab, das an die lange Geschichte der Gendarmerie als Teil der Armee erinnerte. Paradeuniformen, Militärmusik, Ehrenformation, Einmarsch der Polizei-Standarte, symbolische Truppeninspektion werden die zahlreichen Ehrengäste aus der nationalen Politik und nationalen und internationalen Polizeikräften durchaus beeindruckt haben. Die blitzenden Säbel und die weißen Handschuhe nicht zu vergessen.

Emotion und Ratio

Die Abschieds- und Antrittsreden, des scheidenden Generaldirektors der Polizei, Romain Nettgen, und des neuen Manns an der Spitze der Polizei, Philippe Schrantz, unterschieden sich diametral im Ton, aber nicht unbedingt in der Sache. Während Nettgen durchaus wehmütig und - verdientermaßen - etwas sentimental auf seine Karriere zurückblickte, analysierte Schrantz die aktuelle Situation der Polizei sehr rational und richtete seinen Fokus auf die laufende Reform. Andererseits wurde er auch sehr deutlich, als er feststellte, dass es heute offenbar zum guten Ton gehöre, privat oder in den Medien, über die Polizei „herzufallen“. Schrantz forderte: „Wir sollten alle positiv über die Polizei reden und unsere Energie nicht auf Nebenschauplätzen vergeuden“. Zuvor schon hatte der neue Generaldirektor deutlich gemacht, dass Polizist ein gefährlicher Beruf sei, der regelmäßig mit Leid, Gewalt und Tod in Berührung komme.

Im Dienst der Bürger

Zuvor hatte sein Vorgänger Nettgen daran erinnert, dass die Polizei nur einem verpflichtet ist - dem Bürger. Im Zentrum der Arbeit stehe die Sicherheit der Menschen, daher sei die Polizei auch keine Verwaltung wie jede andere. Was für ihn und auch für das Korps in seiner 35-jährigen Polizeilaufbahn am wichtigsten gewesen sei, waren Kollegialität und Verlässlichkeit.

Nettgen sieht die große Herausforderung an die Polizei darin, dass Eloquenz der Gegenseite stetig steigt. Um diesem Umstand Herr zu werden, sei die Polizei auf eine funktionierende internationale Zusammenarbeit angewiesen. Er habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht, auch menschliche.

Eine Passion

Für den neuen Generaldirektor Schrantz bedeutet die Amtsübernahme die Rückkehr zur Polizei, zuvor war er einige Jahre Personalchef der Eisenbahngesellschaft CFL. Er bekannte: „Die Polizei ist meine Passion“ und dankte für das Vertrauen, das man ihm durch die Berufung in das Amt des Generaldirektors entgegenbringt. Der zentrale Satz aus seiner Rede war kurz und einfach gehalten: „Es ist mein klarer Wille, die Polizei zu reformieren.“

Schneider: „Das Große und Ganze im Auge behalten“

Das Statement von Minister Etienne Schneider, in dessen Kompetenz die Polizei fällt, war eindeutig: „Philippe Schrantz ist der Richtige.“ Er sei von allen Seiten empfohlen worden. Gemeinsame Aufgabe sei es die Polizei zu reformieren, um die Sicherheit der Bürger auch weiterhin zu gewährleisten. Schneider betonte, dass die Polizeireform in aller Offenheit mit allen Beteiligten auf allen Ebenen diskutiert werde. Er wolle aus Rücksicht auf die beiden Hauptpersonen der Veranstaltung, so Schneider, nicht auf die in letzter Zeit verbreiteten Falschaussagen und Halbwahrheiten eingehen. Er appellierte an die einzelnen Polizisten, bei der Reform das Große und Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.