LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Letzte Runde im Missbrauchs-Prozess gegen einen Arzt - Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft

In Luxemburg steht ein Arzt vor Gericht, der drei Frauen sexuell belästigt haben soll. Dem Arzt wird vorgeworfen während der Ausführung der Echographie die Frauen an den Brüsten befingert zu haben, unter dem Vorwand, das wäre normal. Weiter wird ihm vorgeworfen sie begrapscht und seinen Penis an ihren Schenkeln gerieben zu haben.

Das Problem: Der Angeklagte sieht die Sache ganz anders und streitet alles ab.

Während sämtliche Details des möglichen sexuellen Missbrauchs am letzten Verhandlungstag noch einmal zur Sprache kommen, sitzt der Angeklagte auf der Anklagebank und hört aufmerksam zu. Laut Staatsanwaltschaft habe der 62-Jährige seine Position als Arzt ausgenutzt und das Vertrauen seiner Patientinnen missbraucht. Er soll den Frauen während der medizinischen Untersuchungen Komplimente gemacht haben, dann forderte er sie auf, sich nackt auszuziehen. Ein Arzt, der am Dienstagmorgen als Zeuge aussagte, hatte im Prozess gesagt, dass es während einer Echographie keine Indikation gebe, dass die Frauen sich ausziehen müssten. Diese Behandlungsmethoden seien nicht medizinisch dokumentiert.

Gestern hatte der Angeklagte das Wort

Während seiner gerichtlichen Vernehmung bezeichnete er die Frauen als Lügnerinnen. „Wie hätte ich das denn machen sollen“, verteidigte sich der Arzt, „ich habe doch keine drei Hände?“ Als die drei Frauen Anzeige gegen ihn erstatteten, sagte er, es gebe offenbar eine Verschwörung in der Klinik gegen ihn. Das wiederholte er auch am Dienstag. Das bezeichnete der Vorsitzende Richter als „schlicht unangebracht“. Der Vorsitzende stellte sofort klar, dass die Opfer keine Motive hatten zu lügen. „Sie leiden noch heute unter den Taten und haben das nicht erfunden.“ Doch der Angeklagte kämpft bis zum Schluss.

„Ich habe niemanden belästigt. Ich kann versichern, dass ich nie Böses im Schilde führte. Alle Patientinnen wurden bestmöglich behandelt.“ Stets und ausschließlich habe er alle Untersuchungen zum Wohl der Patienten durchgeführt. Er habe niemandem Gewalt angetan. „Das zu verkennen, ist fern jeder Realität“, betonte der Arzt.

Anwalt stellt Glaubwürdigkeit in Frage

Me Gaston Vogel nahm seinen Mandanten erneut in Schutz und zog die Glaubwürdigkeit der Frauen in Zweifel, durch die die Ermittlungen gegen den Arzt in Gang kamen. Vogel sprach von einem „Kitsch des émotions et de détails loufoques.“ Die Fakten hätte jemand den Frauen eingeredet oder auf andere Weise eingegeben, um dadurch das Verhalten des Arztes zu diskreditieren.

Für den Staatsanwalt ist die Sache klar

Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft, Laurent Seck, ist die Sache „juristisch wie moralisch indiskutabel.“ Der Arzt habe sich des Missbrauchs Widerstandsunfähiger schuldig gemacht, sagte der Anklagevertreter. Er beantragte eine Haftstrafe von drei Jahren.

Ob es Bewährung gibt oder nicht, liege im Ermessen des Gerichts, wobei vor allem die Komplexität der Affäre maßgebend sei, sagte Laurent Seck.

Das Urteil fällt am 11. Juli.