LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Vater wegen Vergewaltigung seiner Töchter vor Gericht - Angeklagter bestreitet

Die Vorwürfe klingen ungeheuerlich: Ein Familienvater soll jahrelang seine beiden Töchter sexuell missbraucht haben. Die Anklage geht davon aus, dass der heute 62-jährige Mann in Differdingen, Übersyren und zum Teil auch auf den Philippinen sich an seinen Kindern vergangen hat. Es geht um Taten, die sich zwischen August 2006 bis April 2012 abgespielt haben sollen.

Am Dienstagmorgen begann vor dem Bezirksgericht Luxemburg der Prozess gegen den 62-jährigen Mann. Der Gerichtsprozess war schon ein paar Mal auf Eis gelegt worden. Die Verhandlung wurde immer wieder vertagt, weil irgend etwas dazwischen kam oder es im Vorfeld Probleme mit der ordnungsgemäßen Vorladung zur mündlichen Verhandlung gab. Der Angeklagte, der im Beisein seines Rechtsanwalts Roby Schons vor Gericht erschienen war, nahm die Vorwürfe fast regungslos entgegen. Die Vorwürfe, sich an seinen Kindern vergangen zu haben, hat der Mann bislang kategorisch bestritten.

Auch am Dienstag wies er die Vorwürfe zurück und meinte: „Ich habe nichts falsch gemacht.“ Die leiblichen Töchter des 62-Jährigen werden als Nebenkläger auftreten. Sollten sich die Vorwürfe vor Gericht tatsächlich bestätigen, drohen N. mehr als 15 Jahre Haft.

Unzucht, Vergewaltigung, Drohungen und Gewaltexzesse

Bei Prozessbeginn schilderte ein Polizist, wie sich die Kinder gegen die mutmaßlichen Übergriffe zu wehren versuchten. In der Anklageschrift war neben den sexuellen Vorwürfen (Unzucht, Vergewaltigung) auch von Drohungen und Gewaltexzessen die Rede. Zur Sprache kamen dann zuweilen Schilderungen von heftigen Ohrfeigen und Prügeln. Die Mädchen mussten auf schmerzhafte Weise lernen, dass es um Macht ging, wenn der Vater sie an den Haaren zog oder sie mit bloßen Händen gewürgt hat. Die beiden jüngeren Töchter, heute 25 und 26 Jahre alt, sollen über mehrere Jahre hinweg von ihrem Vater missbraucht worden sein. Das erste Mal hatte der 62-Jährige laut Anklage Sex mit ihnen, als sie 13 und 14 Jahre alt waren -, mit der heute 32 Jahre alten Tochter P., als sie 16 Jahre alt war.

Mit ihr soll er eine Beziehung gehabt haben. Dem Gerichtspsychiater Dr. Marc Gleis hatte der Angeklagte im März 2013 im Gefängnis die Beziehung bestätigt und berichtet, dass diese 2006 aufgeflogen sei und dass „er von P. angemacht worden sei.“ Das Mädchen soll zweimal schwanger gewesen sein.

Jedes Mal hätte sie abgetrieben - wahrscheinlich auf Initiative des Vaters, der sie zu einem Gynäkologen gefahren hat, berichtete der Ermittler. Der Vater hätte die Abtreibungen beim Arzt organisiert und bezahlt.

Ermittler verhört zwei Mädchen in Basel

Am 3. Oktober 2012 zeigt P. ihren Vater wegen sexuellen Missbrauchs bei der Polizei in Esch/Alzette an. In ihrer polizeilichen Vernehmung gibt sie zu Protokoll, sie hätte den Verdacht, dass auch ihre Schwestern vom Vater vergewaltigt wurden. Als die beiden jüngeren Mädchen dann am 3. Dezember 2012 von den Philippinen zurück nach Luxemburg fliegen, fängt der Ermittler sie in der Schweiz ab und verhört sie direkt in Basel. Dort bestätigen sie ihm, dass der Vater ein Tyrann und Vergewaltiger sei. Die Mädchen bekamen unter anderem von ihrem Vater gesagt, wenn sie nicht stillhalten sollten, dann würde er die anderen Geschwister und den Rest der Familie umbringen. So konnte er nach „Lust und Laune“ über die Mädchen verfügen.

Mordanschlag und Auftragskiller?

Laut Gericht und Ermittler führt die Staatsanwaltschaft parallel zu der eigentlichen Gerichtsaffäre aber auch eigene Dossiers gegen die betroffenen Mädchen. Die Mädchen sollen einen Auftragskiller auf ihren Vater angesetzt haben. Während eines Aufenthalts auf den Philippinen wurde am 22. Mai 2012 auf den Vater geschossen. Dazu laufen noch Ermittlungen.

Verteidiger Roby Schons sprach von einem Racheakt. Den Antrag der Verteidigung, die beiden Affären zusammen in einem Gerichtsprozess zu verhandeln, wurde von den Richtern verworfen. Die beiden Affären werden getrennt verhandelt, die Richter haben am Dienstag entschieden, die Bearbeitung des mutmaßlichen Mordanschlags durch eine andere erste Instanz durchführen zu lassen. Das Gericht wartet allerdings noch auf den Wegweisungsentscheid.

Kein pädophiles Raubtier

In seinem Gutachten sprach der Gerichtspsychiater Dr. Marc Gleis von „Ambivalenz“ und bescheinigte dem Angeklagten Widersprüchlichkeit in seinen Gefühlen, Gedanken und Gelüsten. Er hätte aber weder das Profil eines pädophilen „Raubtiers“ („prédateur“) noch sei er psychisch erkrankt.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.