LUXEMBURGNATASCHA EWERT

Das erste Mal: Nachgefragt beim „Planning Familial“

Ich hab’s getan.“ „Echt, erzähl wie es war?“ Viele Menschen verbinden mit dem Begriff „Das erste Mal“ den ersten Geschlechtsverkehr. Genau wie beim ersten Kuss gehört der erste Sex zu den persönlichen Erinnerungen, die immer in unserem Gedächtnis haften bleiben. Aber hat sich in den letzten Jahren, was die Sexualpädagogik angeht, viel geändert? Um auf diese und andere Fragen eine Antwort zu bekommen, mache ich mich auf den Weg zum „Planning Familial“ in Luxemburg-Stadt.

Ich erfahre zuerst, dass das Interesse an Sexualität eintritt, wenn Jugendliche in Berührung mit modernen Medien kommen. Das geschieht heute viel schneller als früher. Bezugspersonen wie Familienmitglieder und Freunde oder das Fachpersonal in Beratungsstellen sind deshalb gefragt, angemessen zu reagieren. Das Interesse an Sex fängt schon in der Kindheit an, doch die Lust daran kommt zwischen elf und 15; die Mädchen sind ihren männlichen Kollegen zwei Jahre voraus. Die meisten Menschen erleben heute ihr „erstes Mal“ zwischen 16 und 18 Jahren und dies meistens in einer festen Beziehung. Die Mehrheit der Jugendlichen ist der Meinung, dass der erste Geschlechtsverkehr schon zwischen 13 und 15 Jahren stattfindet.

„Das gibt es natürlich“, betont Simon Görgen, vom „Planning Familial“. Es ist aber nicht die Regel, denn bereits unsere Eltern machten ähnlich früh oder ähnlich spät die ersten sexuellen Erfahrungen. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht bedeutend verändert. Was aber jetzt anders ist, ist die sexuelle Aufklärung.

Unbegrenzter Zugang zur Pornografie

Der erste Kontakt mit Sexualität findet heute oft über den Umweg des Internets statt. Nie zuvor hatten Jugendliche solch unbegrenzten Zugang zu Pornografie. Wir finden noch immer am Kiosk Pornohefte, aber das Internet ist schneller. Das Gefährliche daran ist, dass die Jugendlichen, die sich solche Bilder und Videos ansehen, diese virtuelle Sexualität mit der Realität verwechseln. Die Sexualerziehung geschieht aber auch nach wie vor in der Schule, wo der „Planning Familial“ spezielle Veranstaltungen organisiert. Das Ziel ist es, die Qualität der „éducation sexuelle et affective“ in Luxemburg zu verbessern. Teenagerschwangerschaften passieren übrigens nicht so oft, wie viele es vermuten. Im Durchschnitt sind die Jugendlichen gut aufgeklärt und verantwortungsbewusst. Die meisten Frauen, die wegen ungewollten Schwangerschaften zu „Planning Familial“ kommen, sind im mittleren Alter.