LUXEMBURG
INGO ZWANK

Vom Top-Sportler zum gefragten Schauspieler: der Luxemburger Schauspieler Timo Wagner

Ich habe einmal ein Freundschaftsbuch gefunden, wo ich wohl mit fünf Jahren angegeben habe, dass mein Traumberuf Schauspieler ist. Ob man das jetzt als Anfang bezeichnen kann, weiß ich nicht.“ Timo Wagner, 25 Jahre, ist luxemburgischer Schauspieler, der bereits auf mannigfaltige Produktionen zurückblicken kann.

Wie alles begonnen hat? Anfangs wollte er eigentlich Regisseur werden, „doch ein Regisseur muss die Schauspieler verstehen. Ich habe da schnell gemerkt, dass ich eigentlich Schauspieler sein will!“

Am Anfang zog es ihn zum Sport. Wagner betrieb in seiner Jugend Leistungssport. Er spielte Tischtennis in der Jugend-Nationalmannschaft Luxemburgs und wurde Cadet-Landesmeister. Aufgrund von Unstimmigkeiten drehte er aber dem Tischtennis den Rücken, wurde aber im Sport-Lycée Luxemburg darüber belehrt, dass er eine Sportart ausüben müsste. „Die Schule wechseln wollte ich nicht“, sagte Wagner. Doch wechselte er die Sportart - und ging zum Stabhochsprung. 2014 machte er dann sein Abitur im Sport-Lycée. Eine Schulausbildung bei den „Barbaren“, wie ihm einmal in der Schauspielszene vorgehalten wurde.

Auf nach Paris - Mehrsprachigkeit ein Plus

Mehrmals hat er an den deutschsprachigen Schauspielschulen vorgesprochen, war häufig bis in die zweite oder letzte Runde gekommen, doch dann folgten Absagen. Um seine Französisch-Kenntnisse und Aussprache zu verbessern, zog es ihn an eine französische Schauspielschule. 2016 begann die Ausbildung am Cours Florent in Paris, wo er sofort in die zweite Ausbildungsklasse versetzt wurde. „Ich habe hier sehr viel gelernt“. In Paris merkte er schnell seine Vorteile als Luxemburger: „Die Mehrsprachigkeit ist schon toll“, sagt Wagner. So ist er der Meinung, dass in jeder Produktion mindestens zwei Sprachen vertreten sein sollten.

Bereits 2011 bis 2015 nahm er Unterricht in deutscher Diktion und „Arts dramatiques-Deutsch“ am „Conservatoire de la Ville d’Esch-sur-Alzette“, wo er auch erste Bühnenerfahrungen sammelte. 2014 ergatterte er eine Rolle in Jean-Paul Maes Stück „Vollmondbetrachtungen“. 2015 spielte er die Hauptrolle des Beckmann in Wolfgang Borcherts Nachkriegs-Drama „Draußen vor der Tür“. Des Weiteren übernahm er die Rolle des Assistenten in „Ich, Feuerbach“ von Tankred Dorst sowie des Ronnie in „Das Ding aus dem Meer“ von Rebekka Kricheldorf im Luxemburger Kapuzinertheater, das später als Gastspiel im Theater an der Ruhr in Mülheim gespielt wurde. Bis vor kurzem war er im Theaterstück „Versetzung“ im Kapuzinertheater zu sehen, Proben für „De Cabinet vum Dokter Menasse“ von Charles Meder am Kasemattentheater, in dem Wagner mitspielt, laufen bereits - und das in vier Sprachen, Englisch, Deutsch, Französisch und Luxemburgisch.

Filmerfahrungen hat Timo Wagner bei mehreren Kurzfilmen gesammelt, unter anderem „The Past we live in“ von Jérôme Weber oder „Orientierungslos“ von Lara Mack, sowie in einer kleinen Rolle in „Eng Nei Zaït“ von Christophe Wagner.

Bis vor kurzem war er ebenfalls in der RTL-Produktion „Zëmmer ze verlounen“ zu sehen. Desweiteren hat er aktuell in der soeben abgedrehten Serie „De Bësch“, einer Samsa-Produktion, mitgewirkt, die nächstes Jahr auf RTL ausgestrahlt wird.

Dies alles erfordert Disziplin. Den nötigen Ehrgeiz, der ihm sehr hier in der Schauspielerei weiterhilft, hat er über den Sport erlangt. „Wenn manche an der Schauspielschule zu stöhnen begannen, wie schwer und schlimm es sei, habe ich gemerkt, dass ich gerade einmal bei 30 Prozent meiner Leistung bin.“

Zukunftspläne

Was würde Wagner wählen, wenn er könnte: Theater oder Film? „Natürlich am liebsten beides“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln, ergänzt aber sofort: „Theater ist für mich sehr intim und intensiv, die Arbeit mit den Leuten ist enger. Sechs Wochen bist du mit dem Regisseur am Arbeiten, es entsteht ein sehr intensives Zusammenwirken mit den Kollegen. Das muss auch passen, sonst steht man auf der Bühne alleine da.“ Denn der Beruf des Schauspielers sei mehr als nur einfach Text lernen. „Das glauben zwar viele…“ Wagner geht noch etwas weiter, Theater sei gewissermaßen eine Notwendigkeit. „Was wäre die Welt aber ohne Kunst, ohne Schauspieler, ohne Musik? Unvorstellbar und untragbar.“ Und genau deshalb müsste die Kunst noch viel mehr unterstützt werden. Text lernen sei der einfache Teil des Schauspielers, den Text zum Leben erwecken und an die Leute bringen, sei der Hauptteil der Arbeit - „es ist ein Job ganz nah an den Leuten.“ Theater sei ein Ort der Emotionen, von Wahrheit und Kritik. „Theater ist das Leben, ein Spiegel für die Gesellschaft, aber auch ein Ort der Reflexion.“

Angesprochen auf seine Zukunftspläne wird Wagner sehr deutlich. „Ich hatte nur einen Plan A, der mich auf die Schauspielschule gebracht hat. Es ist eine gute Frage, was ich in ein paar Jahren wohl machen werde. Immer noch meinen Plan A, meine Schauspielerei, sei es am Theater oder im Film. Ich finde, wenn man einen Plan B hat, denn lebt man immer mit einer gewissen Angst, dass der Plan A eben nicht aufgeht. Ich glaube, dass es jetzt für mich erst richtig anfängt. Dass es mich in 15 oder 20 Jahren auf einen Regiestuhl zieht, das kann durchaus sein - aber aktuell steht die Schauspielerei für mich im Vordergrund.“