LUXEMBURG
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24 Fragen an Claude Wiseler

Für unsere diesjährige Sommerserie ließen wir einer Reihe von Politikern einige Fragen per E-Mail zukommen, von denen wenige politisch, und die meisten eher privater Natur sind. Manch einer hat noch am gleichen Tag geantwortet, bei anderen lässt die Antwort immer noch auf sich warten. Heute die Antworten des CSV-Abgeordneten Claude Wiseler.

Was haben Sie während des Lockdowns gemacht und befürchten Sie angesichts der aktuellen Situation einen zweiten Lockdown?

Weiter gearbeitet, sicherlich ein bisschen anders, aber genau so viel wie in normalen Zeiten. Nur war es schwieriger, da direkte soziale Kontakte ein absolut notwendiger Bestandteil meiner politischen Arbeit sind. Das ist mir in diesen Wochen sehr klar geworden.  Ein weiterer Lockdown wäre eine Katastrophe für unsere Wirtschaft, deshalb muss die Politik weiterhin ihre Verantwortung nehmen und kleine wie auch große Einschränkungen in unserem Privat- und Berufsleben anordnen. Es geht leider nicht ohne, wenn wir das Katastrophenszenario eines zweiten Lockdowns vermeiden wollen. Und das ist oberste Priorität.

Ist Europa,  vor allem aber auch die Großregion,  in der Corona-Krise gestorben?

Klar ist, dass Europa notwendiger ist denn je. Nur gemeinsam als Europäer können wir diese Krise meistern und nur europäische Solidarität kann uns helfen, den wirtschaftlichen Aufschwung anzukurbeln. Die Krise hat ebenfalls das Bewusstsein erweckt, dass eine Reeuropäisierung verschiedener Produktionen, Industrien und Technologien absolut notwendig ist, um eine krisenfeste Eigenständigkeit gegenüber anderen Kontinenten und Großmächten zu bewahren. Aber der Anfang der Krise hat uns gezeigt, wie schnell nationale Regierungen, z.b. mit Grenzschließungen, wieder in nationale Reflexe zurückfallen können.  In Luxemburg hat die Covid-Krise jedenfalls bewiesen, wie abhängig unser Land von seinen Nachbarregionen ist. Doch ebenfalls wie ineffizient die aktuelle Großregion-Politik ist. Sämtliche wesentlichen Probleme sind über die Hauptstädte und nicht über die Großregion gelöst worden.

Was war in Ihren Augen das wichtigste politische Dossier in der zurückliegenden Session?

Der Nationale Energie- und Klimaplan hätte das wichtigste politische Dossier sein müssen. Doch das Unvermögen der Regierung, sich auf Grundlegendes zu einigen, und ihre steigende Tendenz zum Selbstlob haben die grundlegenden Fragen des langfristigen Klimaschutzes als zweitrangig abgestuft.

Welches sind für Sie die  Prioritäten für die Rentrée?

Der Haushalt 2021. Wir werden in 2020 nicht, wie erhofft, einen leichten Überschuss, sondern ein Defizit von fünf Milliarden haben. Die wirtschaftliche und finanzielle Situation hat sich vollkommen verändert. Die Regierung hat in den letzten sieben Jahren keinen Cent Rücklagen gemacht, sondern in wirtschaftlich guten Zeiten die Schulden nur vergrößert. Nun hat sie überhaupt keinen Spielraum mehr und muss manche jetzt anstehende und heute notwendige Maßnahme über Neuverschuldung finanzieren. Der anstehende Haushalt für nächstes Jahr sowie der mehrjährige Haushalt 2021-2025 werden zeigen, ob die Regierung sich der Einfachheit wegen in eine Schuldenspirale einschreiben wird, oder ob sie den Mut hat, echte politische Prioritäten zu setzen. Die Zeit, Politik nur mit grenzenloser Geldverteilung zu machen, ist endgültig vorbei.

Wohin fahren Sie, wenn es die Situation denn erlauben sollte,  in den Urlaub, und warum?

Zur belgischen Küste. Ostende ist mit dem Auto erreichbar und im Notfall, sollte das Parlament tagen müssen, ist man schnell einsatzbereit.

Haben Sie – und seien Sie hier bitte ehrlich! -  seit der Einführung des gratis öffentlichen Transports schon mehr als einmal Bus, Bahn oder Tram genommen?

Nein. Covid-Zeit war eher Fahrradzeit.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Familie, Freunde, Lesen, Schreiben und Sonne.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Die, die einfach so geschehen.

Ihr größter Fehler?

Ich liebe Perfektion.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Besorgt aber kämpferisch.

Stoff- oder Einwegmaske?

Stoffmaske.

Netflix oder Fernsehen?

Wenn, dann Fernsehen.

Putin oder Trump?

Trump, denn der kann nicht bis 2036 bleiben.

Südkorea oder Nordkorea?

Südkorea, keine Frage.

Beatles oder Rolling Stones?

Die Stones seit 50 Jahren!!

Bach oder Stockhausen?

Bach. Die Musik kann ich verstehen.

Wein oder Bier?

Wein. Ich mag Bier nicht.

Krimi oder Roman?

Roman, obwohl ein Krimi auch ein guter Roman sein kann.

Fahrrad oder Auto?

Fahrrad für mein Gewissen, aber Auto oft im Alltag.

Grün oder Blau?

Blau, aber ohne politische Aussage.

Nacht oder Tag?

Tag. Aber nur wenn der Abend zum Tag gehört.

Süßes oder Saures?

Leider Süßes.

Hund oder Katze?

Hund!

Kennen Sie einen politischen Witz?

Ja, sogar mehrere.