LUXEMBURG
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Sieben Fragen an den adr-Vizepräsidenten und Abgeordneten Roy Reding

Politischer Rück- und Ausblick sowie Pläne für den Sommer: Für unsere diesjährige Sommerserie ließen wir einer Reihe von Politikern drei seriöse und vier lockere Fragen per Email zukommen.

Befragt wurden neben den neuen Abgeordneten auch die Fraktionsvorsitzenden bzw. Gruppenanführer der im Parlament vertretenen Parteien sowie die Parteipräsidenten resp.Parteisprecher. Als neue Abgeordnete zählen auch diejenigen Politiker, die vielleicht schon einmal in einer Regierung, aber noch nie in der Abgeordnetenkammer saßen.

Roy Reding ist Rechtsanwalt sowie Abgeordneter und Vizepräsident der adr.

Wie haben Sie die ersten sieben Monate in Ihrer neuen Funktion erlebt?

Roy Reding Da meine Partei über nur drei Abgeordnete verfügt, müssen wir wesentlich mehr Kommissionssitzungen erledigen als andere und uns in mehr Dossiers einarbeiten.

Das ist zeitintensiv und ich musste erst mal eine Arbeitsmethode und einen Rhythmus entwickeln, der es erlaubt, meine Abgeordnetentätigkeit optimal zu erfüllen, ohne gleichzeitig meine Rechtsanwaltskanzlei zu vernachlässigen.

Was war in Ihren Augen das wichtigste politische Dossier in der zurückliegenden Kammersession?

REDING Das „wichtigste“ Dossier war für mich das grüne Licht für die Tram in Luxemburg, eine monumentale Fehlentscheidung, die die Luxemburger noch jahre- und jahrzehntelang beschäftigen wird. Es hat mich gelehrt, was „Fraktionszwang“ bedeutet, waren doch weit mehr als nur vier Abgeordnete ganz und gar nicht vom Projekt „Tram“ überzeugt. Das parlamentarische Leben, besonders das in öffentlichen Sitzungen, wäre reicher, wenn man aus dem starren „Mehrheitsdenken“ ausscheren würde. Das Parlament müsste wieder federführend werden und die Regierung kontrollieren, nicht umgekehrt.

Welches sind für Sie die Prioritäten für die Rentrée?

REDING Zwei große Dossiers werden wohl die „Rentrée“ für mich bestimmen: Einmal die Verfassungsreform nebst den entsprechenden Referenden und dann die Reform der Scheidungsgesetzgebung, die sehr sorgfältig vorbereitet werden muss! Aber das allerwichtigste Dossier wird die von der Regierung angekündigte Steuererhöhung/-reform. Ich bin für einen schlanken Staat mit weniger Aufgaben, die er besser erfüllt. Dann könnten wir sogar Steuersenkungen vornehmen. Steuererhöhungen riskieren Luxemburg als Standort oder Wohnort uninteressant zu machen und, im Gegenteil, interessante Menschen in andere Länder zu vertreiben. In Singapur zum Beispiel beträgt der höchste Steuersatz für Privatpersonen 15 Prozent, bei gleich guter, wenn nicht besserer Lebensqualität.

Wohin fahren Sie in den Urlaub und warum?

REDING Ich bin in Südafrika in Urlaub, weil ich dieses Land liebe. Alle Mitglieder meiner Familie teilen diese Liebe, so dass das Urlaubsziel keine Diskussionen auslöst. Südafrika beinhaltet in einem Land die ganze Welt: Regenwälder, Busch, Sandstrände, Wüsten, Weinberge... Und vor allem: Die offensten und freundlichsten Menschen, die man sich vorstellen kann. Und phantastischen Wein, geniale Köche, neue Ideen, unglaubliche Kreativität...

Was haben Sie sich in sportlicher Hinsicht für den Urlaub vorgenommen?

REDING Ehrlich gesagt, nichts. Ich bin schon froh, wenn ich mein Gewicht halte (siehe oben).

Welche Bücher planen Sie im Urlaub zu lesen?

REDING Die ersten habe ich fertig: Eine wunderbar witzige, romantische Geschichte: „The Rosie Project“ und, prosaischer, ein Sachbuch über belgisches Scheidungsrecht (da unsere Regierung sich an diesem Text orientieren will). Zur Zeit lese ich ein anderes Sachbuch: Franschhoek Food ;-) Danach kommt ein historischer Roman von Philippa Gregory an die Reihe und ein guter Krimi von Jeffrey Archer.

Welche Musik hören Sie am liebsten?

Reding Ich liebe fast jede Musik. Da meine Frau Klassikfan ist, ist wohl klar, was ich am meisten höre... Am liebsten? Queen...