LUXEMBURG
GILLES SCHREINER

Neknominierungen sind ein dämlicher Hype

Irgendwo auf dieser Welt: Der Nominierte überlegt sich noch kurz einen lockeren Spruch, bedankt sich dafür, auserwählt worden zu sein, blinzelt selbstbewusst in die Kamera, greift heldenhaft zum gefühlten drei Meter hohen Bierglas und schon geht’s los.

Sie kennen diesen Ablauf sicherlich, sei es, hoffentlich aus den Medien oder, hoffnungslos, weil sie selbst dazu berufen wurden.

Welche Ehre Ihnen da doch gebührte! Jawohl, ich spreche die, Entschuldigung für den Wortlaut, ach so dämlichen Biernominierungen an, welche seit geraumer Zeit wie hartnäckige Dämonen über die Displays aller Smartphones und Laptops flimmern.

Ursprung in Australien

Fanden sie angeblich ihren Ursprung in Down Under, schwappten sie Anfang des Monats über zum Rest der Welt. Warum nicht dann mal ein Hurrikan in jenen Regionen wütet und die Ideologien der Neknominierer aus der Atmosphäre schleudert, weiß wohl auch nur der heilige Petrus. Nun je.

Appell an alle

Liebe Nominierte und Ausführende, habt ihr euch schon gefragt, wozu dieser Schwachsinn dienen soll? Was habt ihr von der ganzen Sache? Fühlt ihr euch ausgeschlossen, falls ihr das Glas nicht leeren tut? Oder ist es der soziale Druck all jener Plattformen à la Facebook und Twitter, die euch glauben lassen, ihr würdet eure virtuelle, selbst erschaffene Identität verlieren, falls ihr nicht teilnehmen tut? Ich denke auch an andere Probleme, die ihr möglicherweise habt, an Selbstwertgefühlmangel und so.

Versteht mich nicht falsch, es geht nicht um Alkohol trinken oder nicht trinken. Es geht auch nicht darum, dass soziale Netzwerke schlecht sind und ausschließlich Unfug verbreiten. Es ist das gleiche Phänomen wie das Harlem Shake, ein Internettrend, der wohl einige Wochen andauert und anschließend den Hype verlieren wird.

Nein, es geht um die Liaison gerade eben genannter Phänomene, die in diesem Fall dazu führen können, dass einige sich zu stark und selbstbewusst fühlen, weil sie sich von dem sozialen Druck beeinflussen lassen und sich folglich überschätzen.

Schwerwiegende Folgen

Das war auch bei Harlem Shake schon so, als immer verrücktere Choreographen den Weg ins Netz fanden, getreu dem Motto der Superlative „Citius, altius, fortius“. Und genau diese Einstellung birgt Gefahren für die meistens doch jugendlichen Teilnehmer der Biernominierungen. Darwinismus schön und gut, aber in gesundem Maße. Bliebe es bei dem vorgegebenen halben Liter Bier, dann wäre die Welt noch einigermaßen in Ordnung. Aber, dass einige Superhelden sein wollen und einen 1,5 Liter-Mix bestehend aus Bier, Wein, Whiskey und Wodka zusammenbrauen und auf Ex trinken, kann , wie in London, zu schwerwiegenden Folgen wie dem Tode führen.

Andere mischten sogar Listerine und Zahnpasta in ihr Gebräu. Insgesamt starben schon drei Menschen, nachdem sie nominiert wurden. Nicht, wegen der Nominierung selbst, sondern wegen dem, was sie daraus machen. In diesem Sinne: Überlegt euch, wem ihr was beweisen wollt, denn es geht nicht um Gewinnen oder Verlieren. Und falls doch, erinnert euch noch an einen Satz aus der Feder von Jobst Quis: „Als Sieger müsst ich siegen, bis zum Versiegen hin, als Verlierer kann ich bleiben und werden, was ich bin.“ Prost!