LUXEMBURGPIERRE WELTER

Richter Prosper Klein spricht Klartext im Zeugenstand

Et ass eng Staatsaffäre, déi ni däerf erauskommen“. Dieser Überzeugung ist der heutige Richter und damalige Untersuchungsrichter Prosper Klein offensichtlich bereits seit vielen Jahren. Am 88. Verhandlungstag im „Bommeleeër“-Prozess beschrieb er im Zeugenstand, wie er zu dieser Überzeugung gelangte.

Fast sechs Jahre mit der Affäre befasst

Klein war von Anfang 1985 bis 1991 mit der Affäre befasst. Verteidiger Gaston Vogel forderte gestern, dass die Liste der verschiedenen Untersuchungsrichter, die sich mit der Affäre befassten, ausgehändigt werde. „Da wurden Order und Resultate in den Ermittlungen verheimlicht, ja sogar ganz aus dem juristischen Gefüge verdrängt. Es gab auch Order die nicht von mir kamen“, sagte der damalige Untersuchungsrichter, der die Akte am 1. November 1985 - zwei Tage nach dem blutigen Überfall auf eine BIL-Filiale - übernahm. Es sei nicht viel im Dossier gewesen, so der Zeuge, der sich noch gut an den Besuch von dem mittlerweile verstorbenen Ermittler Jean Disewiscourt erinnert, der sich als Chef-Ermittler vorstellte.

Dabei habe der Mann keine kriminalistische Erfahrung gehabt, so Klein. „Wir haben uns zusammen Gedanken gemacht, doch die Spuren die gefunden wurden, gaben kein konkretes Bild ab. Ich habe nur erfahren, was Disewiscourt mir erzählt hat“, erklärte der Zeuge.

Der „Chef-Ermittler“ habe über das Bauernmilieu gesagt, die würden sicher nicht sprengen. Ihm sei auch von Anfang an klar gewesen, dass die Bombenleger keine gewöhnlichen Verbrecher waren. Eine organisierte Kriminalität sei nicht auszuschließen gewesen, doch damals gab es keine mafiöse Struktur in Luxemburg. Linksextremismus habe Disewiscourt ausgeschlossen. Rechtsextremismus sei für ihn nicht tragbar gewesen, dafür hielt er „die Glatzköpfe“ zu dumm.

Bösartiges Gerücht über Geiben

An die „beste Spur“ Geiben habe er nie geglaubt, sagte Prosper Klein, der von einem „bösartigen Gerücht“ über den brillanten BMG-Gründer sprach. Geiben sei doch „weg vom Fenster“ gewesen, ein Verdacht habe keinen Sinn gemacht.

Hätte man ihn denn nicht abhören können, um das Gerücht definitiv sterben zu lassen? „Ich hatte nicht genug in der Hand und ich hatte keine Verdachtsmomente gegen Geiben“, so Klein, der bekanntlich nicht über die Beschattung Geibens in Luxemburg informiert worden war.

Es wäre einfach undenkbar gewesen, jemanden einfach so abzuhören. Der damalige Untersuchungsrichter wurde gestern auch auf den Verbleib der Beweismittel angesprochen. Davon wurden eine ganze Reihe an den FBI gegeben. Davon wisse er nicht, so der Zeuge, der seinen Eindruck wiedergab, dass er bei den Ermittlungen meistens mit „anständigen Leuten“ zu tun hatte.

Es sei ihm befremdlich vorgekommen, dass es keine konkreten Spuren gab, keine Zeugen und kein richtiges Tätermotiv. Er hatte gehört, dass innerhalb der Ermittlungen Mauern aufgebaut wurden.

Informationen vom Kommando nur „Schrott“

Dass es keinen Kontakt zum Untersuchungsrichter gab, sei ihm in seiner ganzen Karriere nicht vorgekommen, außer im „Bommeleeër“-Dossier, so Prosper Klein. Was er vom Kommando an Informationen bekommen hat, war „Schrott“ sagte der Zeuge, der davon berichtete, Disewiscourt sei einmal in seinem Büro aufgetaucht mit einer überdimensionalen Karte, auf der die Tatorte eingezeichnet waren.

Was aber dem Fass den Boden ausgeschlagen habe, sei, gewesen, als Disewiscourt mit einem Pendel über die Karte gefahren sei.

Warum der Mann und andere Ermittler von Klein aus den Ermittlungen rausgenommen wurden, war der Umstand dass Disewiscourt Klein in einem Bericht etwas „vorgegaukelt habe“. Daraufhin wurde die Ermittlergruppe komplett umorganisiert.

„Putschisten-Mentalität“

Er hätte sich auch Gedanken gemacht über den Insider, nur sagte Klein, da gab es eine Nüance, man sei von Insiderwissen oder Insidertäterschaft ausgegangen.

Damals sei bei den Ermittlungen wieder von Vorne angefangen worden. Und diesmal sei alles über den Untersuchungsrichter gelaufen. Er sei sich aber bewusst gewesen, dass Gendarmerie-Kommandant Harpes sich nicht an das halten würde, gab Klein zu Protokoll und fügte bei dass er Generalstaatsanwalt Wampach einmal gesagt habe, die Offiziere hätten eine Putschisten-Mentalität. „Sie meinten über dem Gesetz zu stehen“, sagte Klein.

Er selbst habe nie davor zurück geschreckt, allen Spuren nachzugehen. Auch bis zum großherzoglichen Hof. Er sei immer an der Nase herumgeführt, im Regen stehen gelassen worden, so Klein. Er habe nicht den geringsten Überblick von dem, was ihm vorenthalten wurde.

Die Sprengung der Strommasten auf dem Itziger Plateau sei direkt an den stellvertretenden Staatsanwalt gegangen, so Klein, der damals in Bonneweg wohnhaft war und den Knall hörte. Er sei an den Tatort gefahren und habe die frische Radspur eines Landcruisers der Marke Toyota entdeckt. Ein Gendarm hatte auch im Vorbeifahren einen grünen Wagen gleicher Bauart erblickt. Allerdings wurde der Pkw nie ausfindig gemacht.

Konfrontation mit Charles Bourg heute

Auch heute wird der frühere Untersuchungsrichter im Zeugenstand sein. Zusammen mit dem ehemaligen Gendarmerie-Colonel Charles Bourg, der nach dem Attentat auf den Flughafen im November 1985 viel Zeit gebraucht habe, um Spuren zu sichern, auf die ihn Prosper Klein damals aufmerksam gemacht habe.