LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Afrofunk-Band Bantunani verbindet Politik und Groove

Bei dieser Musik dreht sich alles ums Tanzen: „Ich glaube wirklich, dass ich tanze, um zu leben. Ich tanze, denke, also bin ich“, sagt Bandleader und Songwriter Michel Nzau Vuanda alias Bantunani. Mit seiner Afrofunk-Band Bantunani hat er mit „Groovencio“ am Donnerstag im Institut Français sein achtes Album vorgestellt. Damit ist der franko-kongolesischen Gruppe auch der Auftakt zu ihrer Europa-Tournee gelungen, welche die Band in 18 europäische Städte führen wird. Das neue Album „Groovencio“ versammelt 20 neue Lieder und will „mit den Reisen eines afrikanischen Weltbürgers einmal mehr die Grenzen eines Groove Fusion, der sich um den Tanz mit den Wörtern dreht, verschieben“.

Mischung verschiedener Stile

Musik hat für Michel Nzau Vuanda einen tieferen Sinn: „Für mich verbindet der Groove den Menschen mit der Erde, es ist eine unsichtbare Macht, aus der sich alles speist. Ich komponiere, um die Fatalität des Todes zu überwinden. Meine Musik soll Hoffnung und die Freude des Zusammenlebens transportieren.“

Um das zu erreichen mischt Michel Nzau Vuanda in seiner Musik viele Stile: Funk, Blues, Groove, Reggae, Soul, Rock, Afrofunk und Afropop. Bantunani ist froh darüber, etwas für die Entwicklung des Nu-Rumba beizutragen, aber er sieht sich nicht als Gründer dieses Musikstils. Denn seiner Meinung nach existiert alles aus sich selbst heraus, als eine Art künstlerische Mutation, die man in vielen Musiken entdecken kann: „Der kongolesische Rumba erlebt generell eine Erneuerung durch Funk, Soul, Hip Hop, dazu trage ich mit meinem Afrofunk nur bei.“ Daher kann der 40-jährige Musiker auch mit dem Etikett Weltmusik wenig anfangen. „Meine Musik passt nicht in die Kategorie Weltmusik, denn Afropop ist sehr eklektizistisch“, sagt Michel Nzau Vuanda, der selbst viele verschiedene Musikrichtungen hört. „Ich höre unheimlich unterschiedliche Musik, von Gainsbourg, Paco de Lucía, Michael Jackson, Wagner, Nina Simone, viel Jazz, Paul Simon, Jacques Brel, aber das ist einfach normal heute.“ Im Endeffekt gibt es für ihn nur zwei Arten von Musik: gute oder schlechte. „Man muss die Genregrenzen fliehen, damit die Begegnung offen bleibt.“ In seinen Musikstücken sind Instrumente wie Bass, Schlagzeug, Gitarre, Piano zu hören Trompete, begleitet von Michel Nzau Vuanda oder anderen Sängern oder Sängerinnen, denn Bantunani geht oft künstlerische Kollaborationen ein, oft auch mit Musikern von anderen Kontinenten.

Aber auch wenn es Bantunani mit ihrer Musik hauptsächlich ums Tanzen geht, heißt das nicht, das die Wörter hinter dem Rhythmus und den Instrumenten keine Rolle spielen würden. Vor allem die älteren Songs „ColtanRush“, „Kivustan“ und „Obama forgot us“ sind sehr politisch. In Europa bekommen viele Leute gar nicht mit, was im Kongo überhaupt vor sich geht. Der mehrfach aufflammende Kongokrieg und der Bürgerkrieg zwischen 1998 bis 2003 begünstigten einen folgenreichen Raubbau an Bodenschätzen.

Verpflichtung über Krieg zu singen

Die Misere um die Bodenschätze beschreibt vor allem der Song „Coltan Rush“, ein Lied, das den illegalen Abbau des Minerals Coltan beschreibt. „Es ist kein ethnischer, sondern ein ökonomischer Krieg, der die Entwicklung der Welt beeinflusst, Kinder und Frauen leiden lässt und die Umwelt zerstört.“ Das muss aufhören: „Auch viele westliche Firmen sind in den illegalen Abbau involviert, ausländische Mächte destabilisieren das Land, damit es so aussieht, als ob die ‘Unzivilisierten’ nicht klarkommen.“ Bantunani sieht es als seine Verpflichtung an, über diesen Krieg zu singen. „Es geht ums Tanzen, ja, aber nicht wie ein Idiot, sondern mit Wut über die Ungerechtigkeit. Es ist die moralische Verpflichtung, denn der Künstler ist ein Chronist seiner Zeit. Meine Melodien tragen oft die Melancholie und das Leid des vergessenen, stillen Volkes, das ist der Sinn von ‘Groovencio’“ Und das Publikum schätzt diese politischen Lieder, nicht nur im Kongo: „Es gibt eine große Diaspora, die mir mit Interesse folgt und die Musik mit Inhalt will.“

Sein musikalisches Ziel für die nächsten Jahre? Den absoluten Groove erreichen. „Ich will von der ersten Minute berühren, eine Musik machen, welche alle Leute versammelt und die Kunst und Frieden konvergieren lässt.“ Eine Utopie, das ist ihm klar. „Aber man muss sich einbringen, Harmonie auf der Erde ist eine gemeinsame Arbeit.“