LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Nasir Zubairi langweilt sich nicht gern - Da ist der Job als CEO des „Luxembourg House of Financial Technology“ gerade richtig - Denn das wächst und zieht bald um

Seit Dezember 2016 ist Nasir Zubairi CEO des „Luxembourg House of Financial Technology“ (LHoFT) auf Kirchberg, das mittlerweile aus allen Nähten platzt. Demnächst zieht er um - und nimmt sich dennoch die Zeit, über Fintech in Luxemburg und die rasante Entwicklung des LHofT zu sprechen.

Herr Zubairi, hier herrscht Leben auf dem Flur. Was ist bislang passiert?

Nasir Zubairi Wir sind seit einem Jahr aktiv und haben mittlerweile sieben Mitarbeiter und für so ein kleines Team schon erstaunlich viel geschafft. Vor einem Jahr sind wir hier in das House of Finance auf Kirchberg gezogen und jetzt packen wir erneut, weil wir im April in das House of Start-ups in der Stadt ziehen. Wir sind ein Public Private Partnership und haben immerhin 19 Leute aus ganz unterschiedlichen Unternehmen und Bereichen im Verwaltungsrat, davon 13 aus dem Privatsektor. Unser Auftrag ist es, das Fintech-Ökosystem zu entwickeln, Projekte anzustoßen und Wissen rund um Fintech zu verbreiten.

Wer kann als Start-up hierher kommen?

Zubairi Im Moment betreuen wir über 65 Start-ups, die aber aus Platzgründen nicht alle hier sind, hier sind 15. Im neuen Gebäude des „House of Start-ups“ in der Stadt, wohin wir im April ziehen, haben wir Platz für 35 Start-ups, davon sind 23 schon bestätigt. Es gibt eine ganze Reihe von Interessenten. Wir unterstützen sie bei der Strategie, veranstalten Workshops, Programme, Seminare und mehr. Im Geschäftsjahr 2017 haben wir 124 Events veranstaltet und 190 Dokumente veröffentlicht, davon 25 Prozent international und 53 Blogposts. Wir sind ein Top-Influencer im Bereich Finanzdienstleistungen. Im vergangenen Jahr hatten wir Anfragen von 180 internationalen Kandidaten. Unsere derzeitigen Start-ups kommen aus so unterschiedlichen Ländern wie Kenia, Finnland, Südafrika oder Japan, aber es sind auch einheimische darunter. Wichtig ist: Die Unternehmen erhalten kein Geld, aber Hilfe. Ein großer Vorteil für uns ist, dass wir Verträge auf Englisch abschließen können. Das geht in sehr vielen Ländern nicht.

Im Moment sind Kryptowährungen häufig im Gespräch. Welche Rolle spielt das für Sie?

Zubairi Wir versuchen, so neutral wie möglich zu sein und haben die Grundlagen in einem „White Paper“ erklärt - inklusive der Risiken. Wir haben eine Broschüre zu ICOs gemacht und werden noch mehr dazu publizieren. Wir wollen einige Fragen angehen wie best practice oder was bedeutet die Anwendung bestehender Regelungen?

Sie kommen aus Großbritannien. Wie sind Sie zu Ihrem Job in Luxemburg gekommen?

Zubairi 2015 hatte ich einen ersten Kontakt, als ich zur ICT Spring kam. Mein erster Eindruck vom Land war: Das ist alles sehr professionell, die Leute haben ein erfrischendes Engagement und sind sehr offen und treten bescheiden auf. Bevor ich herkam, habe ich schon in acht Ländern gearbeitet. Durch persönliche Kontakte kam ich her. Mittlerweile wohne ich mit meiner Familie hier und wir sind hier alle glücklich.

Was ist Ihr Ziel hier?

Zubairi Ich frage Bewerber immer: Wenn Du Deine eigene Grabrede schreiben müsstest, was würdest Du dann hervorheben? Das zeigt, wie man sich selbst sieht und wofür man steht und wahrgenommen werden will. Da ist zum einen der private Aspekt. Also bei mir, dass ich ein guter Sohn, Vater, Bruder, Ehemann und so weiter war. Und dann gibt es die berufliche Ebene. Ich würde da ganz klar schreiben: Er hat das Bankgeschäft fundamental mit verändert und voran gebracht. Denn das ist das, was ich will.Sie kommen vom Finanzplatz London. Wie beurteilen Sie die Banken hier?

Zubairi Vorweg: Nur Steuern, der Tod und der Wandel sind unvermeidlich. Banken wissen das und sind innovativ. Das Problem ist die exponentielle Geschwindigkeit des technologischen Wandels. Dafür sind die vorhandenen Prozesse nicht geeignet. Hier geht es nicht um neue Technologien, sondern vor allem darum, Ansichten zu ändern. Ich bin seit zwei Jahren hier. Was ich hier an Veränderungen gesehen habe, ist unglaublich. Hier hat sich in unglaublich kurzer Zeit viel getan. Jetzt unterhalten sich ältere Damen und Herren in der Kaffeepause über Bitcoin-Investments.

Was denkt man in Ihrer Heimat Großbritannien über Luxemburg?

Zubairi Luxemburg ist sehr zurückhaltend bis kleinlaut. Aber wir machen das bekannt, wir bekommen das auf die Karte. Wir wollen zeigen, dass wir ein gutes Tor zur EU sind. Ohnehin haben wir noch viel vor: Ein Data-Lab, ein Mini-Beschleunigungsprogramm, ein Programm mit Partnern wie PayPal und Village Capital, die Fintech-Awards im Juni - und natürlich der Umzug ins House of Start-ups.