LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Melody Joao über ihre Ausbildung zur Schneiderin - Und ihre Zukunftspläne

Es war die Schwester. Ein wenig auch die Mama. Und eine Professorin im „Neie Lycée“, die Melody Joao für die Schneiderei begeisterten. Wir haben mit der aufgeweckten jungen Frau, die derzeit ihre Lehre beim Nationaltheater absolviert, über ihren Beruf gesprochen und über das, was sie noch vorhat.

Melody Joao, was fasziniert Dich an Deinem Beruf und wie kamst Du dazu?`

Melody Joao Ich bin gerne kreativ und arbeite gerne mit meinen Händen. Das alles bietet mein Beruf, den ich schon immer machen wollte. Als Kind habe ich zusammen mit meiner Schwester gerne Modeschauen gesehen und auch selbst Modelle gezeichnet. Wir haben auch Socken gestopft und mit der Nadel umgehen gelernt. Aber das Erlebnis, das mich wirklich dazu gebracht hat, Modeschneiderin werden zu wollen, hatte ich im damaligen „Neie Lycée“. Bei einem Projekt ging es darum, ein Kleid von A bis Z zu entwerfen. Ich habe mich sofort reingestürzt und viele Stunden an der Nähmaschine verbracht. Als ich meine Kreation vorstellen konnte, war ich überglücklich und wusste definitiv: Das will ich machen.

War es schwierig, einen Ausbildungsplatz zu finden?

Melody Ziemlich schwierig, ja. Denn es gibt in Luxemburg nur wenige junge Leute, die Schneider werden wollen. So musste ich mich im Ausland umsehen und habe mich erstmal an einem Institut in Arlon eingeschrieben, um das Nähen richtig zu lernen. Dann habe ich ein Jahr lang als Verkäuferin in einem Modegeschäft gearbeitet, wo ich sehr viel über Stoffe lernen konnte. Bis ich dann die Lehrstelle am Theater bekam. Als ich über eine ehemalige Professorin erfuhr, dass die Stelle frei war, habe ich mich sofort daran gemacht, mein Kandidatendossier zusammenzustellen. Ich bin ich sehr froh, dass ich die Lehrstelle bekam, denn in den vier Monaten habe ich sehr viel dazugelernt.

Was ist denn da beispielsweise gefordert? Kostüme nähen ist wahrscheinlich sehr speziell…

Melody Ja, das ist schon etwas Besonderes. Denn die Kostüme der Schauspieler sind ja ein wichtiger Teil der Inszenierung. Sie untermalen die dargestellten Charaktere. Deshalb spielen der Kostümbildner und wir Schneider auch eine ziemlich bedeutende Rolle. Viele Leute denken: Ach, solche Kostüme sind ja nur für einige Vorstellungen gut, deshalb müssen sie nicht unbedingt super genäht sein. Müssen sie doch! Jedes Stück wird sehr präzise angefertigt. Bei der Qualität gibt es da keine Abstriche. Natürlich ist aber nicht alles handwerklich zu machen, was sich Theatermenschen ausdenken. Deshalb sind wir mit unserem Können ja auch da, um sie zu beraten.

Die duale Ausbildung dauert drei Jahre. Wo gehst Du denn zur Schule?

Melody In Trier. Dort besuche ich die Berufsbildende Schule. Wir sind zehn in meiner Klasse, und es ist ziemlich herausfordernd. Letzte Woche etwa musste ich eine Zwischenprüfung ablegen, vom Entwurf zum fertigen Teil. Da hat man eine Zeitvorgabe von acht Stunden für einen Rock, und das ist dann schon sehr intensiv.

Was findest Du am schwierigsten in Deinem Beruf?

Melody Den Faktor Zeit. Man ist ständig unter Zeitdruck, will aber auch Spitzenqualität abliefern. Aber man lernt nach und nach damit umzugehen, man wird sicherer, weil man die verschiedenen Techniken immer besser beherrscht. Man muss Geduld haben und vor allem ruhig bleiben, auch wenn es nicht gleich so toll klappt mit einem Projekt. Oder wenn der Meister etwas kritisiert, was man angefangen hat. Ich sehe das nicht negativ, sondern als wertvolle Tipps, um weiterzukommen.

Was hast Du nach der Lehre vor?

Melody Auf jeden Fall möchte ich meinen Meisterbrief machen, aber vielleicht noch nicht sofort nach der Lehre. Denn ich will noch vieles sehen in meinem Beruf. Der ist nämlich sehr vielfältig. Ich kann mir gut vorstellen, in einem Modehaus Schnittkonstruktion zu lernen.

Schnittkonstruktion? Das musst Du uns aber ein wenig erklären…

Melody Das kann man mit Architektur vergleichen, nur dass man Gebilde aus Stoff quasi berechnet und
zusammenbaut.

Mit welchen Stoffen arbeitest Du eigentlich am liebsten?

Melody Ich mag Wolle und Seide sehr gern und interessiere mich derzeit besonders für Dessous. Aber in meinem Beruf muss man mit allen Stoffen und in allen Bereichen zurechtkommen.