DÜDELINGEN
CORDELIA CHATON

Joël ist Anstreicherlehrling - Wie er dazu kam und wie die Orientierung läuft, erzählt er hier

Handwerksberufe stehen nicht bei allen Jugendlichen im Ruf, wirklich gut zu sein. Wie läuft die Orientierung an der Schule? Was passiert, wenn man nicht rechtzeitig eine Lehrstelle findet? Wie muss man überhaupt planen, um angenommen zu werden? Wir haben mit Joël Vendonça gesprochen. Der 18-Jährige ist Lehrling bei Alain Kutten, der in Düdelingen einen Malerbetrieb leitet und darüber hinaus Präsident des Anstreicherverbandes ist. Im Betrieb arbeiten knapp 50 Mitarbeiter, davon drei Lehrlinge.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Anstreicher zu werden?

Joël Vendonça Zuerst habe ich zu Hause angestrichen, zusammen mit meinem Vater. Das hat mir Spaß gemacht. Damals war ich vierzehn Jahre alt. Mein Vater hat mir zum Anstreicherberuf geraten. Mir gefällt das, denn ich kann kreativ sein.

Wie hat die Schule Dich unterstützt?

Joël Sie wollen, dass wir Praktika machen, aber es ist ihnen egal, wie. Ich habe fast alle Werkstätten abgeklappert, um ein Praktikum zu finden. Spontanbewerbung heißt das. Wir schreiben Berichte über die Praktika. Dann sehen sie, ob uns das liegt. Gespräche gab es nicht.

Hast Du praktische Erfahrungen gesammelt?

Joël Ja, ich habe in der 9ième vier verschiedene Praktika gemacht: In einer Autowerkstatt in der Karosserie-Lackiererei, dann hier als Anstreicher und dann noch als Elektriker und Mechaniker. Aber Anstreicher fand ich am besten. In einer Werkstatt ist man immer am gleichen Ort. Ich war schon im ganzen Land unterwegs. Weil mir das mit dem Anstreicher-Praktikum gut gefallen hat, bin ich dann nochmal für einen Monat und schließlich für drei Monate her gekommen. Ich war sehr froh, als ich die Lehrstelle hatte, denn ich wollte das unbedingt. Viele meiner Freunde haben keine Lehrstelle gefunden und stehen dann ohne alles da. Wer bis zum 1. Oktober keine Lehrstelle hat, ist schlecht dran. Deshalb muss man sich am besten schon im Februar oder März um einen Praktikumsplatz kümmern. Mein Chef nimmt keine Lehrlinge, die vorher nicht hier Praktikum gemacht haben.

Welche Fähigkeiten braucht ein Anstreicher?

Joël Mein Chef sagt, dass es wichtig ist, sozial kompetent und freundlich zu sein. Wir sind tagsüber bei den Kunden, wenn diese das Haus verlassen, um arbeiten zu gehen. Da müssen sie Vertrauen in uns haben. Natürlich müssen wir auch Tapeten zuschneiden, rechnen und etwas schreiben. Es gibt Lehrlinge, die streben ein „Diplôme D’Aptitude Professionelle“ an, das DAP, und dann gibt es noch die, die ein „Certificat de Capacité Professionelle“ anstreben.

Was hast Du vor, wenn Du fertig bist?

Joël Ich will erst die Lehre fertig machen, dann Geselle und danach Meister werden. Ich kann mir vorstellen, Lehrer zu werden.

Jetzt interessieren mich erstmal verschiedene Techniken, die Farbe beispielsweise wie Beton oder Rost aussehen lassen.