HANNOVER
MARCO MENG

Wie Luxemburg sich auf der CeBIT in Hannover präsentiert - Und was es dort sucht

Wer zum ersten Mal auf der CeBIT ist - der weltgrößten Messe für IT -, wird sich vielleicht fragen: „Wo sind all die Nerds?“ Gewiss findet man unter Besuchern und Ausstellern den ein oder anderen, aber deutlich zu sehen ist auch: IT ist längst in allen anderen Wirtschafts- und Lebensbereichen angekommen. Und so trifft man auf der CeBIT viele Firmen, die man auf einer Computermesse nicht erwartet hätte.

Vertreter des Maschinen- und Roboterbauers Fanuc aus Echternach sind dabei. Freilich: Robotik ist eines der großen Themen derzeit. Neben zahlreichen IT-Firmen aus Luxemburg beteiligt sich aber auch wieder das Industrieunternehmen Paul Wurth am luxemburgischen Gemeinschaftsstand. Georges Rassel, Chef des Anlagenbauers, ist zum ersten Mal auf der CeBIT. „Vertreter von Paul Wurth besuchen die Messe aber schon seit Jahren“, sagte er gestern, noch bevor er zum ersten Mal das riesige Messegelände betrat. Seine Erwartungen? Viel Neues und viel Interessantes zu erfahren.

Und um nicht nur von anderen davon zu hören, besucht er die Messe diesmal persönlich. Ein Grund: „Wir haben Anlagen überall auf der Welt, die eine Unmenge an Daten liefern. Diese Daten auch sinnvoll zu nutzen, das ist aktuell eines der Themen, mit denen man sich beschäftigen muss“, erklärt Rassel.

Trends wie das Internet der Dinge (IoT), also miteinander kommunizierende Maschinen, prägen auch die Messe in Hannover. Die CeBIT ist also längst kein „Nerd“-Treffen mehr, und es ist auch nicht mehr ungewöhnlich, hier Industrieunternehmen anzutreffen. Spricht man mit den Firmenvertretern, sticht neben neuen IT-Entwicklungen eines besonders heraus: Man nutzt die Messe auch, um neue Talente zu finden.

Nicht zuletzt deswegen ist Luxemburg diesmal auch auf der „job and career“-Ausstellung auf der CeBIT dabei, und am Gemeinschaftsstand der luxemburgischen Gruppe informiert die ADEM (Agence pour le Développement de l’Emploi). Freilich hat da Luxemburg kein leichtes Spiel und muss mit vielen anderen attraktiven Standorten mithalten - denn gute Leute werden überall gesucht, händeringend. Das ist mit ein Grund dafür, warum die „Chambre de Commerce“ auf der Messe auch einen „Luxemburg Startup Pavilion“ präsentiert.

Interesse an Startups

Warum junge Startup-Unternehmen, die auf der Messe zahlreich vertreten sind, so sehr Interesse wecken, erklärt David Foy von der Post Luxembourg-Tochter Teralink: „Große, etablierte Unternehmen neigen dazu, stur ihrer Spur zu folgen, während Startups mit zum Teil überraschend neuen Ideen und einer neuen Herangehensweise an die Probleme kommen.“

„Connected cars“ bald überall

Der britische IT-Spezialist, der seit Jahren in Luxemburg lebt, lässt sich darum immer wieder gerne von dem, was Startups Neues bieten, faszinieren. Auch inspirieren. In den letzten sechs oder sieben Jahren habe sich auch in der Mentalität vieler Unternehmen einiges geändert. „Sah man früher in anderen Firmen oft vor allem Konkurrenz, ist es heute schon normal, Kooperation zu suchen.“ Wenn also Startups gute Ideen haben, warum das nicht für den beiderseitigen Vorteil nutzen? Ein aktuelles Thema, das die Messe und Teralink beschäftigt, sind „connected cars“.

Ein erster Schritt in diese Richtung wurde in Zusammenarbeit mit PSA Peugeot Citroën getan: Über eine Million Autos sind inzwischen mit Chips für automatische Notrufe ausgerüstet. „Ich glaube, es sind mehr von unseren SIM-Karten in Autos als in Handys verbaut“, sagt dazu Foy. Auch wenn vielleicht noch Skepsis herrscht: Foy ist sicher, das völlig selbstfahrende Fahrzeug kommt. Vielleicht schon sehr bald.

Foobot aus Luxemburg stellt zum zweiten Mal auf der Messe aus, die laut Geschäftsführer Jacques Touillon die „CES Europas“ ist. Im Vergleich zu letztem Jahr, als viele Besucher aus „Datenschutzgründen“ eher zurückhaltend auf sein Produkt reagierten, das die Luftreinheit misst, sei die Resonanz dieses Jahr sogar besser.

Kontakte aus aller Welt

Da die Messe sehr international sei, könne man auch viele Kontakte knüpfen, sehe neue Technologien und neue Geschäftsmodelle. Tatsächlich sind Startups aus Nepal und sogar dem Iran vertreten. Das Startup TalentRecruit aus Indien, das die Personalbeschaffung erheblich automatisiert, ist genau gegenüber dem von Foobot. Die Inder zeigen sich auch am luxemburgischen Markt interessiert. Wer dann die Halle betritt, in der es um IT-Sicherheit geht, ist erst einmal schier erschlagen von dem großen Menschenandrang. Warum das so ist? „IT-Sicherheit ist das brennende Thema unserer Zeit“, lautet darauf die Antwort von Stefan Kistner, Geschäftsführer von Solutions SA in Munsbach. Sein Unternehmen stellt auf der Messe einen multifunktionalen „Token“ „Made in Luxembourg“ im USB-Stick-Format vor. Wieder nur ein Aspekt des riesigen Themas „Informationstechnologie“.