LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Zu Besuch im „1535° Creative Hub“ in Differdingen

Tablets laden die Besucher dazu ein, die Lichtverhältnisse über den Installationen in einem Raum des Gebäudes A des „1535° Creative Hub“ in Differdingen zu ändern. Dann sehen sie gleich anders aus, die Kreationen von „Street Artist“ David Soner, der sich auch „Urban Calligrapher“ nennt, die Trommeln von „essebi drum“, auf die man verschiedene Texturen projizieren kann, die Becher und Teekannen von Produktdesignerin Roxanne Flick oder die Mäntel von Modedesignerin Flavia Carbonetti.

Die Installationen, die mit digitalen Techniken spielen, gaben den Besuchern im Kreativzentrum einen Vorgeschmack auf das, was sie an diesem Sonntag der Offenen Tür in diesem Schmelztiegel des Einfallsreichtums entdecken konnten.

Mittlerweile konnten sich in den ehemaligen Ateliers von ArcelorMittal, wo man noch an jeder Ecke Zeichen der Stahlindustrie sieht - hier ein Kran an der Decke, dort eine Tafel für Arbeitsunfälle, anderswo Verbotsschilder - rund 70 Unternehmen aus der Kreativbranche niederlassen, etwa 500 Arbeitsplätze werden derzeit gezählt.

Lëtzebuerger Journal

Viele Kriterien für den Einzug zu erfüllen

Es sind Unternehmen unterschiedlichster Größe, die hier Ateliers zum günstigen Preis von 6 Euro pro Quadratmeter anmieten dürfen. Dürfen, denn nicht jeder kommt rein. Zum einen können nur Freischaffende oder Firmen postulieren, die ihre Kreativität schon bewiesen haben. Zum anderen müssen sie Außergewöhnliches schaffen wollen, das eine nachhaltige Wirkung auf die Kreativindustrien hat. Und: die Firmen müssen umweltschonend arbeiten.

Der Andrang ist groß. Laut 1535°-Leiterin Tania Brugnoni muss das Selektionskomitee monatlich über zwei bis drei Anträge befinden, welche die Kriterien erfüllen. Das Gremium ist mit unabhängigen Experten besetzt, der Schöffen- und Gemeinderat der Stadt Differdingen und das Innenministerium haben natürlich ein Wörtchen mitzureden, denn das Kreativzentrum ist eigentlich ein Gemeindedienst, dem aber auch vom Wirtschaftsministerium kräftig unter die Arme gegriffen wird. Durch einen Konvention mit diesem Ministerium im Jahr 2017 konnten neun Millionen Euro über drei Jahre zwecks Vervollständigung des „Creative Hub“ mobilisiert werden.

Das ermöglicht vor allem auch den Umbau des Lagergebäudes „B“. Ab Ende kommenden Jahres soll es hier eine „Vitrine“ für die Werke der „Creative Hub“- Künstler geben, derweil weitere acht Arbeitsflächen entstehen sollen und vor allem Probesäle für Theaterensembles oder für Platz für Filmszenen. „Wir haben 120 Kulturzentren im Land und jedes hat ein Programm, aber nicht alle Ensembles haben die Möglichkeit, unter Bühnenbedingungen zu proben. Wir möchten hier eine Lücke füllen“, sagt Tania Brugnoni, die das 1535° so breit wie möglich für das Publikum öffnen möchte, etwa durch Tage der Offenen Tür wie gestern. „Es geht auch darum ein Bewusstsein zu schaffen, welche Arbeit in der Kreativität steckt“, unterstreicht sie. Auf jeden Fall: „Die Ideen gehen uns hier nicht aus“, ist sich Brugnoni sicher.