LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

„Dräikinnekstreffen 2017“ diesmal im „Casino Luxembourg“

Wie jedes Jahr rund um den Dreikönigstag kam am Samstag die CSJ-nahe „Dräikinneksgrupp“ zusammen, die sich als informelle Diskussionsplattform über christlich-soziale Themen und Impulsgeber versteht. Rund 30 Teilnehmer fanden sich - diesmal im Forum für zeitgenössische Kunst, im hauptstädtischen „Casino“ - ein. Auch der CSV-Spitzenkandidat für die nächsten Landeswahlen, Claude Wiseler sowie der Abgeordnete Laurent Mosar glänzten mit ihrer Präsenz.

CSV plant parteinahe Stiftung

Zunächst ging es um die CSV-nahe politische Stiftung, die gegründet werden soll. Eine entsprechende Motion war beim letzten Parteikongress verabschiedet worden. Einen Vorentwurf für Statuten sowie ein Papier zur Arbeitsweise wurde mittlerweile von einer Kommission ausgearbeitet. „Wir haben hier intensiv mitgearbeitet“, sagte Charel Schmit, einer der Hauptakteure der Dreikönigsgruppe im „Journal“-Gespräch. Nächste Woche beschäftigt sich das Exekutiv-Komitee der CSV damit. Im Gegensatz zur „Fondation Pierre Werner“, die wie all die anderen den Parteien nahe stehenden Stiftungen, als Asbl verfasst ist und thematisch auf europäische und Finanzfragen begrenzt ist, soll hier eine echte Stiftung entstehen. „Die Idee ist, eine Plattform für den Dialog mit der Zivilgesellschaft zu schaffen, die je nach Mitteln auch Studien finanzieren soll.

Hauptthema des Treffens war aber „Identitäten“. Schmit begrüßte hier, dass im christlich-sozialen Grundsatzprogramm das personalistische Menschenbild bestätigt wurde. „Wir wollen klar den identitären Bewegungen, die sich in anderen Ländern, wie Deutschland und Österreich zeigen, widersprechen, die einer Kriegserklärung des partizipativen, inklusiven Selbstverständnisses ihrer Gesellschaften gleichkommt. In Luxemburg soll die Identitätsdebatte jedenfalls nicht für Exklusion missbraucht werden.“

Es gab beim Treffen zunächst ein Impulsreferat der Direktorin der Forschungseinheit IPSE, Dr. Sonja Kmec zur aktuellen Identitätsdebatte aus historischer und kulturwissenschaftlicher Sicht. Man sehe in Luxemburg zwei Strömungen: Die Einstellung „Mir wëlle bleiwen wat mir sin“ als Festschreibung des Status Quo und eine offene Haltung, die sich auch beim Nation Branding zeigt, mit der Einstellung, in die Welt hinauszugehen und dafür zu werben, nach Luxemburg zu kommen. Sie stellte auch die Frage, was hinter der Sprachendebatte steckt und sah zwei Phänomene: Eine gewisse Unwissenheit über die Geschichte Luxemburgs und ein Gefühl der Bedrohung durch die Mehrsprachigkeit. „Luxemburgisch muss im Rahmen der Mehrsprachigkeit gefördert werden. Der Rückzug auf eine Sprache ist eine Sackgasse“, sagt Schmit, der die Identitäts- und Sprachendebatte eng auch mit der Bildungsdebatte verwoben sieht.

Welche Werte verbinden uns, wofür ist die Politik zuständig?, waren unter anderem die Fragen der anschließenden Diskussion. Die CSV grenze sich hier klar vom linken Kollektivismus oder dem Nationalismus einer ADR und der Keup-Initiative „Nee 2015“ ab. Die CSV werde jedenfalls nicht in die populistische Falle des ausgrenzenden Kollektivismus fallen.

Nun soll ein Thesenpapier verfasst werden und die CSV die Debatte aufgreifen.