NIC. DICKEN

Es dürfte nur die wenigsten Menschen in Luxemburg gewundert haben, dass der Aufruf zur Unterzeichnung einer Petition, die der luxemburgischen Sprache eine Priorität auch im Bereich von Verwaltungsvorgängen einräumen soll, auf Anhieb großen Zuspruch gefunden hat und demnach zu einer ausführlichen öffentlichen und politischen Diskussion führen sollte. Wir sind „houfreg“ darauf, unsere Identität auch als Kleinstaat in einer rasch sich wandelnden Welt behaupten zu können und sehen, sicher nicht zu Unrecht, gerade auch den Gebrauch unserer ureigenen Sprache als wesentliches Merkmal dieser Identität.

Wir bedienen uns selbstverständlich im täglichen Umgang mit Nachbarn, Arbeitskollegen und Freunden unserer vertrauten Sprache, in die sich mittlerweile jedoch eine Unmenge an neuen Begriffen hineingeschmuggelt haben, die wir ausschließlich dem deutschen, dem französischen oder auch dem angelsächsischen Sprachgebrauch entnommen haben. Puristen nehmen das mit Schaudern zur Kenntnis, kommen aber auch nicht an der Einsicht vorbei, dass das über die Generationen weitervermittelte „Stacklëtzebuergesch“ im Endeffekt jedoch nur einen sehr begrenzten Wortschatz hat, der zwar für den gelegentlichen „small talk“ - hoppla, was war das denn jetzt? - also für das „Gespréich ënner Noper“ durchwegs ausreicht, bei jeder technischen, juristischen oder kulturellen Auseinandersetzung jedoch hoffnungslos im Wirrwarr von nichtluxemburgischen Fachausdrücken untergeht.

So sympathisch und authentisch uns der Vorschlag, der luxemburgischen Sprache für die administrativen Vorgänge eine absolute Priorität einzuräumen, auch erscheinen mag, so bitten wir andererseits, darauf zu achten „d’Kand nët mam Buedwaasser auszuschëdden“. Bei allem Pioniergeist und guten Willen sollte nämlich nicht außer Acht gelassen werden, dass sich auch die eingefleischten Luxemburger, von ein paar hundert literarisch stark fixierten Mitbürgern einmal abgesehen, mit unserer Sprache durchaus schwer tun, sobald der Gebrauch über den verbalen Wortwechsel hinausgeht. In dieser Hinsicht sollten wir uns denn auch nicht selbst belügen und uns bewusst werden, sofern wir es nicht schon sind, dass der schriftliche Gebrauch unserer Sprache nicht nur für die literarisch weniger interessierten Zeitgenossen zu einem echten Problem werden würde. Weil gerade im, weitestgehend juristisch geprägten, verwaltungstechnischen Schriftverkehr die Präzision der Sprache eine sehr wichtige Rolle spielt, würden selbst die ferventesten Verteidiger des „Lëtzebuergeschen“ schnell in Bedrängnis geraten.

Das sollte uns auf der anderen Seite keineswegs davon abhalten, mit Überzeugung, aber auch mit der gebotenen Behutsamkeit, allen Menschen, die aus anderen Sprachräumen aus der ganzen Welt zu uns gekommen sind, den Gebrauch unserer Sprache nahe zu legen und ihnen helfen, sich damit anzufreunden.

Gerade dieses Benehmen ist nämlich auch ein wesentliches Stück unserer Identität. Wir sind mit der Offenheit gegenüber auswärtigen Einflüssen in Luxemburg wirtschaftlich und sozial gut gefahren und sollten dies auch mit Augenmaß und Pragmatismus so fortsetzen.