NIC. DICKEN

Morgen ist Nationalfeiertag. „Groussherzogsgebuertsdag“, wie wir Luxemburger sagen, obwohl das Datum weder mit seinem Geburtstag noch mit dem seiner beiden Vorgänger im Amt etwas zu tun hat.

Wissen das alle, die sich auf ihre luxemburgische Identität berufen? Großherzogin Charlotte ist am 23. Januar (1896 - danke Google!) zur Welt gekommen, zum Feiern aber war es im Januar zu kalt, also hat man sich auf den 23. Juni festgelegt. Honni soit qui mal y pense. Ich bitte Sie!

Weil man ja schon etwas länger in diesem Beruf ist, hat man auch mal Fehler gemacht. Zum Beispiel den, dass man sich im Glauben gewähnt hatte, zu besonderen Anlässen wie diesem auch mal einen kleinen Beitrag in unserer „lëtzebuergeschen“ Sprache, die man sich auf allerlei Wegen mehr schlecht als recht anzueignen versucht hat - weil man sie in der Schule nie gelernt hatte - vom Stapel lassen zu dürfen.

Man gönnt sich ja sonst kaum was. Nur zwei Tage später lag auf dem Schreibtisch des „Verbrechers“ ein - selbstverständlich anonymes - Schreiben, ob man sich denn nicht schämen würde, den (angenommen belesenen und demzufolge sprachkundigen) Luxemburgern ein derart fehlerhaftes „Lëtzebuergesch“ vorzulegen.

Was man nicht gelernt hat, tut man nicht. Deshalb an dieser Stelle die Sprache von Goethe, ohne erste und zweite Rechtschreibreform.

Identité oblige!

Denn Nassau hat ja auch was mit dem alten Johann Wolfgang zu tun, oder? Goethe - ein Luxemburger vor der Zeit?

Man darf in der heutigen Welt sein, was man will. Aber man sollte schon wissen, weshalb, warum, und vor allem auch wie.

Ist Luxemburg, war Luxemburg, und muss Luxemburg nicht auch in Zukunft, wenn es das sein und bleiben will, was es ist, ein gutes Stück kosmopolitisch - weltoffen - sein und bleiben?

Stellen wir das in Frage, gefährden wir in höchstem Maße das, was uns allen doch oben zu liegen scheint: Unsere „Zukunft“ - und die unserer Pensionskassen.

Wie viele von uns „Stacklëtzebuerger“ können denn dem nichtluxemburgischen Nachbarn, der uns besser kennen lernen will, zwei oder drei Lieder in „unserer“ Sprache vorsingen - ohne uns lächerlich zu machen?

Sind in einer Welt, die längst zum „global village“ mutiert ist, nicht alle in ihren eigenen Ländern bereits zu Ausländern geworden?

Luxemburg wird, in dem Sinne, nächstes Jahr zum Nationalfeiertag, noch ein bisschen - ein bis zwei Prozent - weniger „luxemburgisch“ sein als heute.

Aber das hatten wir ja schon. Ist das schlimm? Wird es uns deshalb schlechter gehen? Wohl kaum!

Man sieht sich, morgen in Trier. Oder vielleicht auch nicht.

Mir wëlle bleiwe wat mir sinn. Oder so ähnlich.