SCHOENFELS
CLAUDE KARGER

Unterwegs auf dem Naturerlebnispfad „Gousselerbierg“

Es ist eine imposante Struktur, die hier, nicht weit von Mersch, im Tal der Mamer, empor ragt: Ein Burgfried, 17 mal 13 Meter im Grundriss und über 25 Meter hoch. Der weithin sichtbare Rest der Burg von Schoenfels ist nicht zugänglich. Der Eingangsbereich ist mit Baustellengittern versperrt, womöglich werden hier bald größere Arbeiten beginnen. Seit Jahren schon gibt es Pläne, aus dem Gemäuer mit den schönen Ecktürmchen ein Museum oder ein Empfangszentrum mit Büros für die Forstverwaltung zu machen.

Die Dienste der Region Zentrum-West der „Administration de la Nature et des Forêts“ sind übrigens im Mai 2018 in einen Teil des ehemaligen Gutsgebäudes eingezogen, während die „Stëmm vun der Strooss“ seit 2014 in einem anderen Teil ein post-therapeutisches Atelier betreibt.

Eingang zum Schlosspark, der auch wieder hergestellt wird - Lëtzebuerger Journal
Eingang zum Schlosspark, der auch wieder hergestellt wird

Eine Schutzzone von 6.700 Hektar

Burg Schoenfels, deren Geschichte möglicherweise bis ins 10. Jahrhundert zurück reicht, ist Start- und Endpunkt des „Naturerlebnispfad Gousselerbierg“, eine schöne Wanderung über 14 Stationen, die die Bedeutung der Natura-2000-Zone Mamertal-Eischtal, dem mit knapp 6.700 Hektar größten europäischen Schutzgebiet in Luxemburg, vor Augen führt.

Die Augen wandern unweigerlich hoch zum Burgfried, sobald man in dessen Nähe kommt und suchen nach dem Gemäuer, wenn man durch die dichten Wälder oberhalb des Mamertals wandert. Seit Jahrhunderten, mag sein seit über 1.000 Jahren, ist es eine wichtige Landmarke in der Gegend. Einst sollte die Burg den wichtigen Ort Mersch schützen.

Die Mamer. Sie trifft sich in Mersch mit der Eisch und fließt dort in die Alzette - Lëtzebuerger Journal
Die Mamer. Sie trifft sich in Mersch mit der Eisch und fließt dort in die Alzette

Vom Bollwerk zum Lustschloss

Doch ihre strategische Bedeutung war begrenzt und seit die Franzosen 1683 vor ihrem Angriff auf die Hauptstadt die Bollwerke der Burg weitgehend schleiften, spielte sie keine militärische Rolle mehr. Sie wechselte durch Heiraten und Verkäufe über die Jahrhunderte vielfach den Besitzer und wurde im 19. Jahrhundert zum Lustschloss. 1870 ließ einer der Eigner, der belgische Baron Auguste Goethals, ein stattliches Herrenhaus neben dem Burgfried errichten, ein Jahrhundert später, 1976, wurde das Gebäude abgerissen. Seit 1971 befindet sich die Burg im Staatsbesitz.

Die Silhouette des Burgfrieds auf rotem Grund weist den „Naturerlebnispfad Gousselerbierg“ aus, der durch eine alte Kulturlandschaft führt, mit Äckern, Wiesen und Obstgärten sowie durch dichte Laub- und Nadelwälder, über Heiden und längs beeindruckender Sandsteinformationen. Die rund neun Kilometer lange Tour, die man am besten mit festen Wanderschuhen beschreitet, bietet zudem einige herrliche Aussichten.

Dem Heiligen Willibrord ist die Kirche von Schoenfels geweiht - Lëtzebuerger Journal
Dem Heiligen Willibrord ist die Kirche von Schoenfels geweiht

Abstecher in die „Mamerleeën“

Wer noch Lust und Zeit hat, sollte einen Abstecher zu den „Mamerleeën“ machen. Die Höhlen, die sich insgesamt über einen Kilometer ausdehnen, liegen im Wald zwischen Keispelt und Mersch, gleich oberhalb von Schoenfels, wo sie ab dem Claushaff nach etwa einer Viertelstunde Marsch erreicht werden können. Sie sind teils natürlichen Ursprungs, teils wurde in ihnen wohl vor allem im Mittelalter ein Sandstein hoher Güte für Bauwerke gebrochen. Auch die Grundsteine für den Schoenfelser Burgfried stammen aus den „Mamerleeën“.

Mehr: tinyurl.com/Gousselerbierg