LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft fordert jeweils 30 Monate Haft für vierköpfige Bande

Eine vierköpfige Bande soll für einen spektakulären Einbruch in der Region Howald verantwortlich sein. Am Donnerstagmorgen standen die Angeklagten vor Gericht. Ihnen wird qualifizierter Diebstahl und Hehlerei vorgeworfen. Sie würden sich untereinander gar nicht kennen, sagen alle vier Beschuldigten vor Gericht.

Im Zentrum ihrer Aktivitäten steht ein Einbruch in ein Fotogeschäft am 23. Januar 2019 in der Region Howald. Bei dem Einbruch wurde hochwertiges Fotomaterial im Wert von etwa 150.000 Euro gestohlen.

Den Ermittlungen zufolge hatten sich die vier Männer gegen 3.00 Zutritt über ein eingeschlagenes Fenster einer Tür verschafft. Ein Sicherheitsbeamter hatte der Polizei den Einbruch gegen 3.28 über den Polizei-Notruf gemeldet. Von den vier Männern fehlte zuerst jede Spur. Bei einem sofortigen Polizeieinsatz konnte in der Nähe der Zugstrecke von Fentingen ein erster Tatverdächtiger gestellt werden. Die Polizisten waren Schneespuren nachgegangen. Der Mann war dunkel gekleidet und „passte nicht in die Gegend“, berichtete ein Polizist vor Gericht. Er habe sich hinter einem Gaskühler versteckt. Der Verdächtige hatte einen Autoschlüssel in der Tasche, der zu einem VW Passat mit englischen Kennzeichen passte und auf dem Gehweg geparkt war. Das Auto wurde überwacht. Ein zweiter mutmaßlicher Einbrecher konnte etwas später in flagranti verhaftet werden, als er ein Fenster des VW Passat einschlug und sich auf die Hintersitze des Wagens legte. Der Mann wurde verhaftet.

Wer ist „Igor“?

Im Zuge der weiteren Fahndung konnten die anderen beiden mutmaßlichen Beteiligten in Hesperingen ermittelt werden. Sie waren den Polizisten ins Netz gegangen, da sie sich einem Opel Safira, ebenfalls mit englischen Kennzeichen, näherten. Den Polizisten war der Wagen wegen der Kennzeichen aufgefallen.

Der mehrfachen Aufforderung, sich auf den Boden zu legen, waren die zwei Tatverdächtigen nachgekommen und sie hätten sich mit erhobenen Händen auf den Boden gesetzt, berichtete ein Polizist. Sie wurden festgenommen und auf das Polizeirevier gebracht. Die Täter stammen aus Rumänien und legten vor Gericht Geständnisse ab.

Ist „Igor“ der Kopf einer europaweit agierenden Einbrecherbande? Die vier Rumänen, die von London nach Luxemburg kamen, um hier Einbrüche zu begehen, beteuerten, frei von Schuld zu sein, denn es sei “Igor”, der sie angeheuert und zum Einbrechen nach Luxemburg geschickt hat.

„Igor” soll ein Serbe sein, der in London lebt. Der Mann soll eine Garage und eine Autowaschanlage London besitzen, beteuerten alle vier Angeklagten vor Gericht. „Igor“ soll egozentrisch sein, kein Gefühl für Recht und Unrecht haben. Die vier Angeklagten hätten bei ihm Geld geliehen. Das Geld konnten sie aber nicht zurückzahlen. So seien sie und ihre Familie von ihm bedroht worden. Sie hätten sich nicht mehr sicher gefühlt und hätten den Bruch schließlich akzeptiert. Da es zwischen den Männern scheinbar keine Rangordnung einer Bande gibt, forderten ihre Verteidiger leichte Strafen.

An der Schuldfrage besteht für die Staatsanwaltschaft kein Zweifel. Heute würden sie die Taten nicht mehr bestreiten, aber die Schuld auf „Igor“ schieben. Das Diebesgut sei zwar wiedergefunden worden, allerdings sei es durch die Nässe sehr beschädigt worden und nicht mehr zu verkaufen.

Die Staatsanwaltschaft forderte für jeden der vier Angeklagten eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Einer von ihnen sei noch gerichtlich unbescholten. Für ihn könne die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden, so die Anklägerin.


Das Urteil fällt am 11. Juli