LUXEMBURG
MARCO MENG

Ausstand der Cargolux-Piloten könnte den LCGB teuer zu stehen kommen

Von den siebzehn momentan flugbereiten Frachtfliegern der Cargolux mussten sieben seit Donnerstagnacht zwangsweise stundenlang am Boden bleiben. Grund: Warnstreik der Piloten. Das Unternehmen hatte das Gericht eingeschaltet, welches ein sofortiges Ende des Streiks anordnete.

Wie der LCGB mitteilt, verlangen die Piloten eine Verbesserung der Sicherheitsstandards und der Vertrauenskultur beim Unternehmen. Schon Anfang des Monats hatte es diesbezüglich eine Protestveranstaltung gegeben, nach der es dann ausgesehen hatte, als würden sich Unternehmensführung und Piloten annähernd. Doch nicht? LCGB-Gewerkschaftssekretär Aloyse Kapweiler: „Man hat uns wieder nur hinhalten wollen“. Die Cargolux-Generaldirektion hatte sich infolge des Protests Anfang des Monats bereiterklärt, beim nächsten Treffen des „Comité Mixte“ vom 16. und 17. Juli 2015 die geforderten Punkte zu verhandeln, doch nun hätten die Piloten entgegen vorheriger Ankündigungen wieder nur „Nein“ gehört, wenn es darum ging, ihre Forderungen zu verhandeln.

Niemand hält sich an Prozeduren

Laut Verwaltungsratspräsident Paul Helminger hat beim Betriebsausschuss das Cargolux-Management aber gar nichts zu den LCGB-Forderungen gesagt, vielmehr habe der OGBL erklärt, die Sache müsse laut Arbeitsrecht erst in der Personaldelegation behandelt werden.

„Da gibt es einen Meinungsunterschied zwischen den zwei Gewerkschaften“, sagte Helminger gestern. Aber auch das trifft die Sache nicht ganz: Nicht der OGBL hatte nämlich die Erklärung abgegeben, sondern der Betriebsratsvorsitzende der Cargolux und zwar in seiner Eigenschaft als Betriebsratsvorsitzender - nicht in seiner Eigenschaft als OGBL-Mitglied.

Seit der Entlassung von vier Piloten, die lange Jahre bei Cargolux arbeiteten und offenbar wegen Krankmeldungen durch Privatdetektive überwacht wurden - und das während der Tarifvertragsverhandlungen - hängt der Haussegen schief. Der Manager, der mit dem inzwischen berühmt gewordenen „Wing Wave“ fast einen Absturz provoziert hätte, sei hingegen nicht einmal ermahnt worden, erklärt Kapweiler. In beiden Fällen hätte sich die Cargolux-Direktion auch nicht an interne Prozeduren gehalten. Selbst hält sich der LCGB aber auch nicht immer an die Prozeduren; denn statt seine Forderungen als LCGB im „Comité Mixte“ vorzubringen hätte die Sache an den gemischten Betriebsrat gehen müssen, der sie dann der Unternehmensführung vorlegt. Auch die Streikaktion des LCGB war nach Unternehmensangaben angesichts eines gültigen Kollektivvertrags und der laufenden Prozedur für einen neuen nichts anderes als das: Illegal.

Worum dreht sich das Ganze?

„Vertrauenskultur ist bei einer Fluggesellschaft alles“, sagt Kapweiler. Ein Pilot müsse beispielsweise einem Wartungsmechaniker blind vertrauen können: „Was, wenn der aus Angst vor Entlassung nun krank zur Arbeit kommt und vergisst, eine Schraube anzuziehen?“ Kapweiler betont, es gehe einzig und allein um die Sicherheitskultur, und der Streik habe auch nichts mit den stockenden Verhandlungen zum Kollektivvertrag zu tun; doch die Firmenleitung wiegele ab: „Das Haus brennt, und die wollen, dass der Schlauch, mit dem gelöscht wird, eine bestimmte Farbe haben muss“.

Dirk Becker von der Pilotenvereinigung ALPL verweist auf einen Piloten, der vor mehreren Jahren von Cargolux entlassen wurde, weil er sich geweigert hatte, den irakischen Luftraum zu durchfliegen, für den zu diesem Zeitpunkt eine Sicherheitswarnung vorlag. „Im Zusammenhang mit den aktuellen Vorgängen bei Cargolux zeigt dies, dass die Sicherheitskultur schon seit geraumer Zeit erheblich gelitten hat“, bemerkt er. Einem Interview mit dem niederländischen Fernsehen mit diesem Piloten ist zu entnehmen, dass andere Piloten es aus Sicherheitsgründen richtig finden, was der Pilot gemacht hat, sie sich selber aber nicht trauen würden. „Genau dies ist das Problem“, sagt Becker. „Auf dem Papier sieht alles immer perfekt aus. Solange aber die handelnden Personen, in diesem Fall wir als Piloten, Angst haben vor eventuellen Repressalien, dann kann auch das beste Sicherheitssystem nicht richtig funktionieren.“

Mattias Pak, Chef der Flugsicherheit bei Cargolux, entgegnet, dass bereits seit Anfang des Jahres eine „Just Culture policy“ gelte - elf Monate früher als die EU das verlange. Auch was die „Event Review Group“ (ERG) angehe, habe man schon Einverständnis darüber gegeben, dass die in naher Zukunft auch mit Piloten besetzt sein solle.

Der Streik und die Tatsache, dass in den vergangenen Monaten etliche Topmanager die Cargolux verließen und zur Konkurrenz wechselten, werfen kein gutes Licht auf die Gesellschaft. Was, wenn dem chinesischen Aktionär das mit der Zeit zu viel wird?

Wie der LCGB betont, sei der Warnstreik von der großen Mehrheit der Piloten mitgetragen worden. Cargolux wirft der LCGB eine Negativkampagne gegen das Unternehmen vor, nicht nur in der Öffentlichkeit durch „irreführende Mitteilungen an die Presse“, sondern auch gegenüber Beschäftigten von Cargolux. Das Unternehmen hat bereits Kompensationsforderungen gegen den LCGB wegen der Verluste durch den Streik angekündigt und betont, dass jedes einzelne LCGB-Mitglied persönlich haftbar gemacht werden könne. Wie viel Geld die Flugausfälle die Cargolux kosteten, war nicht zu erfahren.